Ein Geiselnehmer verschanzt sich in einer Kindertagesstätte in Köln-Chorweiler. Die Kinder fliehen mit ihren Betreuerinnen aus dem Gebäude, aber der Leiter bleibt in der Gewalt des Täters. Nach mehr als zehn Stunden beendet die Polizei das Geiseldrama.
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© dpa/BeckerDie Polizei stürmt eine Kita in Köln-Chorweiler. Dort hatte ein Geiselnehmer mehr als zehn Stunden lang den Leiter der Kindertagesstätte in seiner Gewalt.
Köln - Mehr als zehn Stunden dauerte es, bis eine Geiselnahme in Köln am Freitagabend ihr Ende fand. Ein Sondereinsatzkommando der Polizei stürmte kurz vor 19 Uhr die Kindertagesstätte an der Osloer Straße im Stadtteil Chorweiler, in der ein Mann seit dem Morgen den Leiter der Kita, Ulrik W., als Geisel genommen hatte. Der mit einem Messer bewaffnete Geiselnehmer sei bei der Erstürmung am Abend verletzt worden, teilte die Polizei mit. Den Täter habe ein Schuss in die Schulter getroffen, er sei in eine Klinik gebracht worden. Nach ersten Ermittlungen handele es sich bei ihm um einen 47 Jahre alten, in Köln lebenden Türken, ergänzte die Polizei in einer Stellungnahme.

Der 51-jährige Kita-Leiter Ulrik W. musste laut Polizei wegen Verletzungen, die ihm der Täter im Zuge der Geiselnahme beigebracht habe, medizinisch versorgt werden. Nach ersten Informationen handelte es sich um eine Stichverletzung, die aber nicht lebensbedrohlich gewesen sei. Alle 17 Kinder der Kita waren bereits zuvor mit den Erzieherinnen ins Freie geflüchtet.

Wegen der Ferien nur 17 Kinder

Angefangen hatte die Geiselnahme gegen 8.50 Uhr morgens. Als Nasia B. ihren dreijährigen Sohn Nabil in der Kindertagesstätte abgeben wollte, merkte sie sofort, dass etwas nicht stimmte. „Es gab ein Gerangel an der Tür zum Büro des Leiters“, berichtete die 43-Jährige. „Die Tür wurde auf- und zugeschlagen, der Leiter rief um Hilfe.“ Nasia B. lief mit ihrem Sohn an der Hand nach draußen. „Haut ab!“, rief sie den Eltern zu, die ihre Kinder auch gerade in die Kita bringen wollten. Innerhalb weniger Minuten trafen die ersten Streifenwagen ein. Es war der Beginn einer Geiselnahme, die Eltern, Anwohner und Ermittler den ganzen Tag in Atem halten sollte.

Nachdem der maskierte Mann den Leiter Ulrik W. in seine Gewalt gebracht hatte, versuchte eine Erzieherin noch, in das Büro des Leiters zu kommen. Der Täter hatte die Tür jedoch von innen verschlossen. Währenddessen „rannten die Kinder teilweise ohne Schuhe und Jacken über die Treppe nach draußen“, sagte eine Zeugin. Die Erzieherinnen brachten alle Kinder nach Hause. Serap H., deren Nichten in die Kita gehen, sagte: „Die Mädchen und Jungen dachten, es sei ein Spiel.“ Die Kinder sind zwischen einem und sechs Jahre alt. Wegen der Ferien waren nur 17 Mädchen und Jungen im Gebäude. Normalerweise sind es 85.

Kontakt durch die verschlossene Tür

Dutzende Beamte eines Spezialeinsatzkommandos (SEK) trafen kurz nach dem ersten Notruf am Tatort ein, Ermittler konnten Kontakt zu dem Geiselnehmer aufnehmen, der Bargeld in Millionenhöhe und ein Fluchtauto gefordert haben soll. Die Ermittler versuchten über Stunden, den Kontakt zum Täter zu halten, redeten durch die verschlossene Bürotür mit ihm. „Mal reagiert er darauf, dann wieder nicht“, sagte ein Polizeisprecher. Am Ende blieb dem Spezialeinsatzkommando nichts anderes übrig, als das Gebäude zu stürmen.