In der Hochphase der spekulativen Finanzblase, die den Steuerzahler Billionen von Dollar kostete und Millionen von Menschen praktisch den Boden unter den Füßen wegriss, veröffentlichten die auf Aktienstrategie spezialisierten Citigroup-Analysten Ajay Kapur, Niall Macleod und Narendra Singh im Oktober 2005 unter der Überschrift Plutonomie: der Kauf von Lusxusgütern und eine Erklärung für die weltweiten Ungleichgewichte (Plutonomy: Buying Luxury, Explaining Global Imbalances) ihre provokative, aber durchaus zutreffende Darstellung der bürgerlichen, von allen moralischen Prinzipien unbelasteten Ideologie.
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Diese prominenten Vertreter ihrer Zunft vertreten die Auffassung, die ungeheuerlichen wirtschaftlichen Ungleichgewichte zwischen den herrschenden »Stinkreichen« und der übrigen Welt ergäben sich aus der ins Auge springenden Tatsache, dass »die Welt in zwei Blöcke gespalten ist: die ›Plutonomien‹, d.h. die Volkswirtschaften und Gesellschaften, in denen das Wirtschaftswachstum von der kleinen Schicht der Superreichen angetrieben und auch verbraucht wird,« und der großen Masse der Proletarier, die sich gefälligst ruhig verhalten, den Mund halten und ihren Herren zu Diensten sein sollen.

Ihre Beschwörung »umwälzender, durch technischen Fortschritt erzielter Produktionszuwächse, kreativer Finanzinnovationen, dem Kapitalismus wohlgesonnener und zur Zusammenarbeit bereiter Regierungen... sowie von Eroberungen in Übersee, die die Bildung von Reichtum beleben« als die Erzeuger und der Motor der zu Verbrechen anstiftenden »Wohlstandswellen..., die am effektivsten von den Reichen und Gebildeten genutzt werden«, erinnert ein wenig an Orwells düstere Vision einer Zukunft, die als ein Stiefel versinnbildlicht wird, der unablässig auf ein menschliches Gesicht eintritt.

In einer späteren, sich inhaltlich anschließenden Veröffentlichung vom März 2006 behauptet "Citigroup": »So lange die Reichen immer reicher werden, besteht nur eine geringe Wahrscheinlichkeit, dass diese Rätsel d.h. die obszönen Einkommensunterschiede durch herkömmliche zerstörerische Entwicklungen (Währungszusammenbrüche, Nachfragerückgang usw.) aufgelöst werden.«

Aber »obwohl wir hinsichtlich der Kaufkraftentwicklung der Verbraucher mit mittleren Einkommen in den USA im Falle eines Rückgangs des Haus- und Wohnungsbaus besorgt sind, müssen die reichsten zehn Prozent nicht befürchten, von einem Wertverlust bei Immobilien getroffen zu werden, da ihr Vermögen sehr viel breiter gefächert ist«.

Obwohl also mit anderen Worten die superreichen Klienten der Citigroup einen immer größeren Anteil am weltweiten Wohlstand verschlingen, die Immobilienblase ständig weiter aufblähen und immer neue betrügerische »Finanz- und Investitionsinstrumente«, die bis heute die Weltwirtschaft in den Abgrund zu reißen drohen, an den Mann zu bringen suchen, »sind wir der Ansicht, dass die Reichen in den kommenden Jahren weiterhin ihren Reichtum vermehren werden, da sich der Anteil der Kapitalisten (der Superreichen) am Bruttoinlandsprodukt (BIP) als eine hauptsächliche Folge der Globalisierung noch weiter erhöhen wird... Wir rechnen damit, dass die weltweite Verfügbarkeit von Arbeitskräften in den Entwicklungsländern die Lohninflation in Grenzen halten und die Gewinnmargen erhöhen wird - zugunsten des Wohlstands der Kapitalisten, aber zu relativen Lasten der wenig qualifizierten Arbeitnehmer in den Industrieländern, deren Arbeitsplätze ausgelagert werden können«.

Wenn man also ein durchschnittlicher Arbeiter und Arbeitnehmer, selbst mit akademischem Abschluss und hohen Schulden aus der Studentenzeit, ist - Pech gehabt.

Was kann bei diesen rosigen Aussichten eigentlich noch schiefgehen? »Sieht man einmal von Kriegen, Inflation, dem Ende des durch technischen Fortschritt angetriebenen Produktivitätszuwachses sowie einem Finanzkollaps ab, so bergen nach unserer Einschätzung kurzfristig diejenigen Gesellschaften die größte Gefahr, die eine ›gerechtere und gleichmäßigere‹ Verteilung des Wohlstands fordern.«

Aber keine Sorge, ihr Superreichen in euren Plutonomien, es gibt Gegenmittel in Form etwa paramilitärischer Polizeieinheiten, die unter Einsatz modernster "nichttödlicher" Technologien - Pfefferspray, Tränengas, Taser und ähnlichem - aufmüpfige Proleten auf Abstand halten können.

Bei ihrem Gewäsch über die Vorzüge, in Unternehmen zu investieren, die der Befriedigung der Bedürfnisse der Reichen und Superreichen dienen (»Nehme ich lieber "Bugatti", "Burberry" und "Coach" oder beschränke ich mich auf "Hermes" und "Toll Brothers"?« - die übereinstimmende Antwort: »Nimm einfach alles!«), ging jegliche Diskussion über die sozialen Folgen dieser massiven Betrügereien, dieser blutigen imperialistischen Eroberungskriege oder der ungeheuren Aufblähung der Bankbilanzen im Zuge dieser »Reichtumswellen«, die durch den weltweiten Drogenhandel und die organisierte Kriminalität erzeugt wurden, unter. Nach Angaben des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) machten diese Summen »2009 an die 3,6 Prozent des BIP (2,3 bis 5,5 Prozent) oder entsprechend 2,1 Billionen Dollar« aus.

Hier haben wir es in der Tat mit der gepriesenen »Weisheit der Märkte« aus Sicht einer insolventen, mit öffentlichen Mitteln geretteten Bank zu tun!

Zusätzlich zu den 45 Mrd. Dollar aus dem 2008 aufgelegten "Troubled Asset Relief Program" wurde Citigroup insgeheim vom Finanzministerium und der "Federal Reserve" (Fed) durch den Ankauf von risikobehafteten Vermögenswerten in einem Umfang von mehr als 300 Mrd. Dollar abgesichert - zusätzlich zu den »2,5 Billionen Dollar an Unterstützung über Kapitalerhöhungen, Garantie für Vermögenswerte und niedrig verzinste Kredite«, für die der amerikanische Steuerzahler geradestehen muss, wie die Finanzanalystin Pam Martens in dem Internetforum Wall Street on Parade darlegte.

»Finsteres Bündnis« 2.0

Obwohl Journalisten und erfahrene Rechercheure seit Jahrzehnten die Verbindungen zwischen Geheimdiensten wie der CIA und Konglomeraten des organisierten Verbrechens, die sich mit dem weltweiten Rauschgifthandel eine goldene Nase verdienen, dokumentiert haben, wird die Rolle größerer Finanzinstitutionen in diesen grausigen Machenschaften von den etablierten Medien weiterhin in den Bereich von »Verschwörungstheorien« verbannt.

Aber im Zusammenhang mit der wachsenden Verärgerung einer breiten Öffentlichkeit im Zusammenhang mit den Absprachen der Regierung Obama mit den Drogenbanken der Wall Street berichtete die New York Times, die »US-Notenbank Federal Reserve hat am Dienstag im Zusammenhang mit fehlenden oder mangelhaften Geldwäschekontrollen, die den Zu- und Abfluss illegaler Gelder in die USA ermöglichen könnten, Zwangsmaßnahmen gegenüber Citigroup verhängt«. Weiter schrieb die Times, die Federal Reserve »ging gegen die Citigroup und deren Tochterunternehmen "Banamex USA" vor, weil die Unternehmen es versäumt hatten, Bargeldtransaktionen vor dem Hintergrund möglicher verdächtiger Aktivitäten zu überwachen«.

In einer so genannten »Vergleichsverfügung« (»Consent Order«) wirft die Fed der Citigroup und Banamex USA »das Fehlen eines wirksamen Systems verantwortungsvoller Unternehmensführung und interner Kontrollen« vor, »die eine angemessene Überwachung der Aktivitäten der Bank in Bezug auf rechtliche, die Einhaltung und das Ansehen betreffende Risiken im Zusammenhang mit den Maßnahmen der Bank zur Einhaltung der Melde- und Aufzeichnungspflichten zur Verhinderung von Geldwäsche entsprechend dem Gesetz zur Berichtspflicht von Währungs- und Auslandstransaktionen (Bank Secrecy Act, BSA) und des Gesetzes gegen Geldwäsche (Anti-Money Laundering Act, AML) ermöglichen«.

Eine namentlich nicht genannte Sprecherin der Bank teilte der Times mit: »Die Citigroup habe substanzielle und umfassende Fortschritte bei Produkten, Geschäftspartnern und der geographischen Ausrichtung gemacht« und werde weiterhin »angemessene Schritte unternehmen, um die noch verbleibenden Anforderungen zu erfüllen und ein wirksames und nachhaltiges Maßnahmenprogramm einzurichten«.

Da gibt es nichts zu sehen, stimmt‘s?

Interessanterweise haben weder Citigroup noch Banamex USA Fehlverhalten eingeräumt. Wie in derartigen Verfügungen üblich, räumte die Fed in ihrer großen Milde ein, dass ihre Vergleichsverfügung erlassen worden sei, ohne dass dies »ein Eingeständnis oder ein Bestreiten seitens der Citigroup der erhobenen oder implizierten Vorwürfe des Gouverneursrats bedeutet«. Darüber hinaus legte die Fed keiner der beiden Banken »einzelne Beispiele für Probleme« vor, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete.

Im Rahmen der Anhörungen des Bankenausschusses des Senats heizte die demokratische Senatorin Elizabeth Warren aus Massachusetts Vertretern der Bankenaufsicht massiv ein, weil diese den Geldwäschevorwürfen gegen Wall-Street-Banken nicht entschlossen genug nachgegangen seien. Unter Bezug auf Strafgelder in Höhe von 1,5 Mrd. Euro, die die britische Großbank HSBC (Hongkong and Shanghai Banking Corporation) zahlen musste, weil man sie auf frischer Tat bei der Geldwäsche im Milliardenhöhe für kolumbianische und mexikanische Drogenkartelle erwischt hatte, forderte Warren: »Wie weit muss es erst kommen? Wie viele Milliarden Dollar muss man für die Drogenbosse waschen«, bevor es zu einem Ermittlungsverfahren und einer Anklageerhebung komme?

Legte man bei einer Beantwortung dieser Frage das bisherige Vorgehen des Justizministeriums der Regierung Obama zugrunde, ist nach oben viel Raum. Und wenn man aus der Geschichte überhaupt Lehren ziehen kann, darf man getrost darauf wetten, dass die Bilanz der Bank mit schmutzigen Geldern überschwemmt ist.

Als Vorspiel zur Vergleichsverfügung der Fed erließ vor einem Jahr die amerikanische Währungsaufsicht "OCC" (»Office of the Comptroller of the Currency«) gegenüber der Citigroup eine Unterlassungsanordnung, in der sie der Bank erhebliche »Mängel in den Maßnahmen zur Bekämpfung der Geldwäsche (BSA/AML)« vorwarf. Nach Angaben des OCC ließ es die Citigroup »an angemessener Gewissenhaftigkeit bei der Kontrolle von Kunden ausländischer Partnerbanken fehlen und kam ihrer Verpflichtung zur Meldung verdächtiger Aktivitäten im Zusammenhang mit elektronisch übertragenen (eingescannten) Schecks (›Remote Deposit Capture‹) und dem Umgang mit ausländischen Briefen mit eingelegten Barmitteln (den so genannten ›International Cash Letter Instruments‹) nicht fristgerecht nach«.

In ihrer unendlichen Weisheit verhängte die Fed keine Strafgelder gegen die Bank, vielmehr beeilte sich der Gouverneursrat der Fed, dem Citigroup-Vorstand (immerhin könnte es sich ja um ihre zukünftigen Arbeitgeber handeln) zu versichern, diese Vergleichsverfügung »dient dem ausschließlichen Zweck, diese Angelegenheit ohne Einleitung eines formellen Verfahrens und ohne zwingende langwierige und ausgedehnte Anhörungen oder Stellungnahmen beizulegen«.

Citigroup und Banamex: Die Salinas-Affäre

Wenn sich das alles vertraut anhört, genau so ist es auch. Ende der 1980er Jahre erhellte einer der anrüchigsten Skandale die Verbindungen der vom Steuerzahler geretteten Citigroup zu Geldwäscheoperationen der Drogenkartelle. Damals wurde Raúl Salinas de Gortari, der Bruder des früheren mexikanischen Präsidenten Carlos Salinas, verhaftet, nachdem seine Frau versucht hatte, 84 Mio. Dollar von einem schweizerischen Bankkonto abzuziehen, das Raúl unter einem falschen Namen angelegt hatte.

Salinas verbrachte wegen der Ermordung seines Schwiegersohns und politischen Rivalen José Francisco Ruiz zehn Jahre im Gefängnis und wurde 2005 entlassen, als ein mexikanisches Berufungsgericht seine Verurteilung aufhob.

Nach fast 13 Jahre andauernden gerichtlichen Untersuchungen der Herkunft des Vermögens Salinas‘ berichtet das Internetnachrichtenportal des Schweizer Fernsehens SwissInfo, die Schweiz werde über 74 Mio. Dollar von Konten mit Verbindungen zum Bruder eines früheren mexikanischen Präsidenten aushändigen... »Diese Gelder, insgesamt mehr als 110 Mio. Dollar, befinden sich auf Konten, die mit Raúl Salinas in Verbindung gebracht werden, und wurden ursprünglich eingefroren, als die schweizerischen Behörden 1995 ein Verfahren wegen des Verdachts auf Geldwäsche gegen Salinas einleiteten.«

Aber wie der investigative Journalist Al Giordano bereits 2000 auf der Internetseite Narco News berichtete:
»Bei den führenden Drahtziehern des Drogengeschäfts handelt es sich nicht um Mexikaner oder Kolumbianer: Hier geht es um amerikanische und europäische Bankiers, die die illegalen Einkünfte aus dem Drogenhandel waschen. Finanzhäuser wie die Citigroup in New York sind, wie dieser Bericht belegt, die wahren Nutznießer des Rauschgiftverbots und seiner illegalen Gewinne.«
Und tatsächlich verlief die Karriere »einiger dieser Personen«, so versichert Giordano, »wie etwa der Aufstieg des Vorstandschefs von "Banamex", Roberto Hernández Ramírez, nach dem Motto ›vom Tellerwäscher zum Millionär‹. Hernández, so berichtet das Magazin Forbes, konnte sich 1980 noch keine Kreditkarte von American Express leisten. Heute verdient er mit angeblich 29 Mio. Dollar das höchste Jahresgehalt Mexikos und steht als Milliardär an der Spitze der führenden mexikanischen Bank«.

Als der frühere mexikanische Präsident Carlos Salinas in den 1980er Jahren auf Drängen der Regierungen Bush und Clinton die Privatisierung der Banken einleitete, so Narco News weiter, zog niemand anders als sein alter Kumpel Roberto Hernández »daraus den größten persönlichen Nutzen«. Und Hernández war, wie der investigative Journalist und Herausgeber der Tageszeitung Por Esto!, R. Menéndez Rodríguez schrieb, auch »der Finanzingenieur des Golf-Kartells, das in den 1980er Jahren von Juan N. Guerra gegründet worden war und dessen Hauptsitz sich in der Stadt Matamoros in der nordöstlichen Provinz Tamaulipas an der Grenze zu Texas befand«.

Als er seine früheren Recherchen auffrischte, berichtete Giordano: Hernández »wurde - in aller Öffentlichkeit und in Form einer Strafanzeige - von der Tageszeitung Por Esto! vorgeworfen, über seine Anwesen auf dieser Halbinsel an der Karibikküste tonnenweise kolumbianisches Kokain geschmuggelt zu haben«.

»Die Zeitung«, so erklärte Narco News, »veröffentlichte Fotos der Drogen, der Schmugglerboote, der von den Kolumbianern am Strand verstreuten Abfälle, der Lande- und Startbahnen sowie der kleinen Flugzeuge, die das Kokain nach Norden in die USA schmuggelten. Diese Angaben wurden von verschiedenen, so unterschiedlichen Zeugen wie lokalen Fischern und ranghohen Vertretern der mexikanischen Streitkräfte bestätigt«.

Aufgrund ihrer Recherchen wurden Giordano und Menéndez von Banamex und Hernández wegen Verleumdung verklagt, aber das Oberste Gericht von New York verwarf die Anklagen. »Zum ersten Mal wurden damit Internetjournalisten offiziell die verfassungsmäßigen Rechte nach dem ersten Verfassungszusatz (u.a. Redefreiheit und Meinungsfreiheit) zugestanden.«

2001 wurde Banamex dann für die stolze Summe von 12,5 Mrd. Dollar von Citigroup übernommen. Der für El Universal Gráfico tätige Journalist José Martínez berichtete damals über die Übernahme von Banamex durch die Citigroup: »Einer der Mechanismen, die sich mexikanische Investoren zunutze machten, betraf die Eröffnung geheimer Konten bei ausländischen Banken, die Geschäfte mit Mexiko machen. Seit Jahrzehnten war die exklusive Citibank die bevorzugte Bank für die Elite der Reichen und Mächtigen, die oft in Skandale verwickelt waren. In den letzten Jahren tauchte diese Bank im Zusammenhang mit zahlreichen Fällen auf, die mit der Verwaltung schmutziger Gelder zu tun hatten.«

Nach Angaben von Martínez »war die Citibank in politische Skandale verwickelt, die durch die Umleitung von Geldern durch Teile der mexikanischen Elite, darunter zahlreiche Drogenbosse, ausgelöst wurden«. Und der Kolumnist der in Mexiko-Stadt erscheinenden Zeitung Milenio Jorge Fernández Menéndez ging in seinem 1999 veröffentlichten Buch Narcotráfico y Poder (»Drogenhandel und Macht«) ausführlich auf Raúl Salinas ein:
»Die Verbindung zwischen Raúl Salinas und dem Golf-Kartell intensivierte sich vermutlich in den 1980er Jahren rasch und nahm mit Juan N. Guerra ihren Anfang. Dieser stand seit Mitte der 80er Jahre an der Spitze seiner Organisation, die sich dem Drogenhandel (vor allem mit Marihuana) und dem Schmuggel widmete. 1980 investierte Guerra zusammen mit Raúl Salinas in verschiedene Bauprojekte vor allem in Villahermosa. Aber Juan N. Guerra war bereits ein alter Mann mit schweren gesundheitlichen Problemen und daher nur noch in engen Grenzen zu visionären Aktivitäten zu bewegen. Daher schien er wenig geeignet zu sein, jenes Vorhaben in die Wege zu leiten, das aufgrund des starken Wachstums des Cali-Kartells notwendig geworden war: die Umstellung von Marihuana auf Kokain.«
Fernández bemerkte: Als das Golf-Kartell von Juan Gárcia Abrego übernommen wurde, »der persönlich die Operationen des Kartells leitete, war Raúl Salinas de Gortari für die politischen Beziehungen und die Einflussnahme des Kartells verantwortlich«.

Vor seiner Verhaftung wegen des Vorwurfs der Geldwäsche verdiente Raúl lediglich 190.000 Dollar jährlich als »Beschäftigter im öffentlichen Dienst«. Schweizerische und amerikanische Ermittler stießen dann allerdings auf illegale Bargeldvermögen in der Größenordnung von einigen Hundert Millionen Dollar. Woher stammten diese Gelder?

Neben direkten Unterschlagungen von öffentlichen Geldern, wie die Bundesanwaltschaft in Mexiko einem Bericht der Los Angeles Times vom Dezember 1995 zufolge vermutete, soll Salinas »Drogengelder in einer Höhe von mindestens 100 Mio. Dollar angehäuft haben«.

Die führende ermittelnde schweizerische Staatsanwältin, Carla del Ponte, »leitete das Ermittlungsverfahren ein, nachdem die amerikanische Drogenbekämpfungsbehörde "Drug Enforcement Administration" (DEA) Informationen übermittelt hatte, die die schweizerischen Ermittler zu den Konten in Genf führte. Dort wurde dann auch Raúl Salinas‘ Ehefrau sowie deren Bruder am 15. November 1995 verhaftet, als sie versuchten, mehr als 83 Mio. Dollar abzuheben«.

Del Ponte erklärte gegenüber der New York Times, aufgrund der Verhöre von Salinas durch die mexikanischen Staatsanwälte gehe man davon aus, dass die Gelder auf den betreffenden Konten »mutmaßlich aus der Geldwäsche von Drogengeldern stammten«. Nachdem die schweizerischen Behörden dann 1998 ihre Ermittlungen abgeschlossen hatten, berichtete die New York Times: »Nach Überzeugung der schweizerischen Polizeiermittler spielte der Bruder des früheren mexikanischen Präsidenten Carlos Salinas de Gortari eine zentrale Rolle im Kokainhandel Mexikos und strich hohe Bestechungsgelder ein, um den umfangreichen Drogenschmuggel in die Vereinigten Staaten zu schützen.«

In dem schweizerischen Bericht heißt es: »Als Carlos Salinas de Gortari 1988 mexikanischer Präsident wurde, übernahm sein Bruder Raúl Salinas de Gortari die Kontrolle über praktisch alle Drogentransporte, die durch Mexiko liefen. Aufgrund seines Einflusses und der großzügigen Bestechungsgelder, die aus Drogengeldern stammten, unterstützten und schützten Personen aus Armee und Polizei den aufblühenden Drogenhandel.«

Unter dem Deckmantel einer »unauffälligen Funktion in der Behörde für Nahrungsmittelverteilung«, so die schweizerischen Ermittlungsbeamten, habe »Raúl Salinas regierungseigene Lastwagen und Güterwaggons auf Staatskosten zu Drogentransporten in Richtung Norden eingesetzt und mehr als 500 Mio. Dollar an Kosten hintertrieben. An besonderen Tagen, die frühere Mitarbeiter als ›Tage der grünen Welle‹ bezeichneten, organisierte er die Drogentransporte durch Mexiko so, dass diese nicht befürchten mussten, von der Armee, der Küstenwache oder der Bundespolizei angehalten und durchsucht zu werden«.

Aber ohne die Komplizenschaft der größeren Banken, die die Gelder einsammeln und dann verstecken, wäre eine solche Ausplünderung unmöglich. Und hier betritt die Abteilung für vermögende Privatkunden der Citibank die Bühne.

In einem Bericht des amerikanischen Bundesrechnungshofes GAO aus dem Jahr 1998 wird direkt auf die Citibank Bezug genommen. Die Prüfer hatten herausgefunden, »dass Salinas in der Lage war, zwischen 1992 und 1994 90 bis 100 Mio. Dollar im Rahmen einer exklusiven Privatkundenbeziehung mit der New Yorker Citibank, die seit 1992 bestand, zu transferieren. Die Gelder liefen über die Citibank Mexiko und die Citibank New York und landeten auf Investitionskonten für besondere Privatkunden bei der Citibank London und der Citibank Schweiz«. Mit Duldung der Bankenvertreter war Salinas 1992 in der Lage, die Herkunft dieser Gelder und ihren Verbleib wirksam zu verschleiern.

Aufgrund der hohen Gebühren, die für diese besondere Betreuung für ihren gutvernetzten Kunden Salinas fällig wurden, eröffnete »die Citibank ein Offshore-Unternehmen für Privatinvestitionen mit dem Namen ›Trocca‹, das sich mit der Verwaltung des Vermögens von Salinas befasste, wobei man sich Konten bei Cititrust (Cayman-Inseln) und Investmentkonten bei der Citibank London und der Citibank Schweiz bediente«.

Unter Missachtung aller Bestimmungen des BSA oder von Legitimationsprüfungen (»KYC«, »Kenne deinen Kunden«) verzichtete »die Citibank auf Bankauskünfte über Salinas und legte auch kein Finanzdossier über ihn an oder forderte eine Verzichtserklärung für das Dossier, was eigentlich im Rahmen der Legitimationsprüfung der Citibank erforderlich gewesen wäre« und »ermöglichte Salinas die Verwendung eines falschen Namens, um Geldüberweisungen in Mexiko durchführen zu können«.

Allein dies hätte schon die Alarmglocken beim OCC schrillen lassen müssen, aber wie es heute auch bei den Bankenskandalen im Zusammenhang mit Wachovia, der HSBC und JPMorgan Chaseder Fall ist, legten die amerikanischen Bankenaufseher die Hände in den Schoß und unternahmen nichts. Aber weil man eben so auf die hohen Gebühren versessen war, die man von einem fragwürdigen Kunden einzustreichen hoffen konnte, musste der stellvertretende Vorstandschef und Leiter der Rechtsabteilung der Citibank gegenüber den GAO-Prüfern einräumen, die Bank habe »nur« einen Aspekt der Legitimationsprüfung nicht erfüllt, indem sie darauf verzichtet habe, ein Finanzprofil von Salinas anzufertigen.

Demgegenüber kam ein Bericht des »Ständigen Senats-Unterausschusses zu Ermittlungen« zu dem Komplex »Privatbanken und Geldwäsche« zu dem Schluss, dass »die Privatbanken von einer Kultur der Geheimhaltung durchdrungen sind«. »So verheimlichte«, berichteten die Prüfer des Senats, »die Privatbank im Falle von Raúl Salinas die Eigentümerschaft Salinas‘ an Trocca, indem sein Name aus den Unterlagen bei der Unternehmensgründung entfernt wurde und stattdessen andere Strohfirmen als Anteilseigner, Direktoren und Vorstandsmitglieder auftauchten. In bankinternen Mitteilungen wurde auf Salinas immer wieder unter dem Decknamen ›Confidential Client Number 2‹ oder ›CC-2‹ (›vertraulicher Kunde Nummer 2‹) Bezug genommen. Die schweizerische Niederlassung der Privatbank eröffnete unter dem Decknamen ›Bonaparte‹ ein vertrauliches Konto für ihn«.

Aber obwohl der Bericht des Senatsausschusses betonte, »die Bankenaufsicht der Federal Reserve erkläre in internen Dokumenten, die Privatkundenabteilung der Citibank hinke hinter anderen von ihnen überprüften Privatbanken hinterher« und die schweizerische Zentrale der Citibank habe »1995 die schlechteste Bewertungsstufe erhalten«, diese niedrige Einstufung sei aber innerhalb der Privatbank »einfach beiseite gewischt worden«, es wurden keine behördlichen Maßnahmen ergriffen.

Zwei Jahre später schrieb ein Prüfer der Federal Reserve: »Die Wirtschaftsprüfer bilden ein wichtiges Element der Privatbanken. Allerdings wurde bei den Jahresprüfungen immer wieder auf Probleme hingewiesen, aber es wurde nichts geändert. 1992 fielen 66 Prozent der Prüfungen bei der Privatbank positiv aus; 1997 waren nur 62 Prozent der Prüfergebnisse positiv... Offenbar ziehen schlechte Prüfergebnisse solange keine Folgen nach sich, wie die Gewinnerwartungen der Privatbank erfüllt werden.« - Bingo!

Der für das Time Magazine tätige investigative Journalist S.C. Gwynne berichtete damals, für die Citibank, die bald darauf mit der ebenfalls gigantischen "Travelers Group" zur Citigroup fusionierte (diese Fusion war nach dem Glass-Steagall-Gesetz eigentlich verboten, aber das ist eine andere Geschichte, die mit der Aufhebung dieses Gesetzes durch die verbrecherischen Clintons und ihre republikanischen Mitverschwörer im Kongress zusammenhängt), bilde das Privatkundengeschäft mit den Reichen und Superreichen (Vermögensverwaltung und -Beratung), die leicht einmal eben eine Mio. Dollar investieren können, »nun das Kronjuwel in der Wachstumsstrategie des neuen Finanzgiganten«.

Diese Strategie, so Gwynne weiter, »zwingt die Citibank und ihr Mutterunternehmen Citigroup dazu, ihre Abhängigkeit von zyklischen Unternehmens- und Immobilienkrediten, die tendenziell ein hohes Risiko bei relativ geringem Gewinn aufweisen, abzubauen. Die Bank wird verstärkt in das Geschäft mit den mit niedrigerem Risiko behafteten, aber gewinnbringenderen Verbraucherkrediten einsteigen - und sich insbesondere dem Allfinanzgeschäft mit dem weltweit wachsenden Kundensegment der neuen Reichen widmen«.

Erinnern wir uns, Gwynne schrieb dies 1998, also bevor die Immobilienblase platzte und sich die Wall-Street-Bankster noch auf die fragwürdige Geldmaschine »der privaten Baufinanzierung« stürzten, die die kapitalistische Wirtschaft in einer schier endlosen Aufeinanderfolge von Betrug und Korruption fast völlig untergehen ließ, wobei diese Gefahr immer noch nicht endgültig abgewendet ist.

»Bei Citigroup und ähnlich ausgerichteten Institutionen auf der ganzen Welt«, bemerkte Gwynne damals, »finden die Leute mit ihren sechs- bis siebenstelligen Portfolios nicht nur die traditionellen Dienstleistungen der Banken wie Scheck- und Sparkonten, sondern können sich darüber hinaus strategischen Rat in Finanzdingen einholen: eine Einführung in hohe Gewinne erzielende Anlagevehikel wie Hedgefonds, Beratung in Steuerfragen und Buchführung, Immobilienplanung und alle Arten von Versicherungen. Sie können sich auch beraten lassen, wie sie ihr Vermögen vor dem Zugriff potenzieller Anspruchsberechtigter wie Gläubigern oder früheren Ehefrauen in Sicherheit bringen können, und dies schließt möglicherwiese auch ein, Gelder diskret von Land zu Land zu verschieben«.

Und tatsächlich waren diese Fonds der Privatkunden besonderer Art »Teil des 17 Billionen Dollar umfassenden Geldpools, über den die, wie es die Banker euphemistisch nannten, ›Einzelpersonen mit einem hohen Nettowert‹ verfügten - dieser Geldpool bescherte den Banken Jahreseinnahmen in Höhe von 150 Mrd. Dollar«.

Gut versteckte Schlupfwinkel auf den Cayman-Inseln oder in anderen entsprechenden Örtlichkeiten, die dazu benutzt werden, illegale Gelder verschwinden zu lassen - dazu gehören auch das weltweit größte Schwarze Finanzloch, der amerikanische Bundesstaat Delaware sowie die City of London - , sind weiterhin attraktive Aufbewahrungsstätten für die Beute, die von den unterschiedlichen weltweiten Drogenkartellen eingesackt wird.

Behindert durch eine »laufende Ermittlung des Justizministeriums«, ein juristischer Winkelzug, der verhindern soll, dass kriminelle Machenschaften von Unternehmen jemals ans Licht kommen, war es den Prüfern des GAO nicht möglich, »zu beurteilen, ob das Vorgehen der Citigroup gegen Gesetze oder gesetzliche Bestimmungen verstößt«.

Auch die Federal Reserve war wenig mitteilsam und erklärte, man gebe keine Stellungnahme dazu ab, ob »das Vorgehen der Citibank als Rechtsverletzung zu werten ist, da die damals verfügbaren Informationen zum Zeitpunkt der Untersuchung unzureichend waren und eine abschließende Beurteilung nicht zuließen«.

Nach Stellungnahmen der offenbar mit offenen Augen schlafenden Bankprüfer des GAO verstieß das »Verhalten der Citibank nicht gegen zivilrechtliche Aspekte des BSA, da die Legitimationsprüfungen der Privatbanken nach den damals geltenden Vorschriften freiwillig erfolgten und nicht durch Gesetze oder Bestimmungen geregelt waren«.

Demgegenüber berichtete das wöchentlich erscheinende mexikanische Nachrichtenmagazin Proceso 2001 während der Salinas-Affäre, die »Citibank transferierte Gelder des Juárez-Drogenkartells nach Uruguay und Argentinien, wo der mexikanische Drogenboss Armado Carillo Fuentes und seine Mitstreiter in aller Ruhe unter dem Schutz lokaler Politiker und Geschäftsleute ihren Geschäften nachgingen. Nur wenig später ergaben Ermittlungen, dass im Zeitraum 1998-99 mehr als 300 Mio. Dollar, die den mexikanischen Drogenbossen gehörten, durch die Citibank geflossen waren«.

Und als der selbsternannte »Herr des Himmels«, wie es in El Universal Gráfico hieß, Zuflucht in Südamerika suchte, verfügte er über »das Konto mit der Nummer 36111386 bei der Citibank New York. Von dort aus lenkten die Finanzakteure der Drogenhändler große Geldsummen in Millionenhöhe zu Geisterbanken wie der "MA Bank" in der Steueroase der Cayman-Inseln«. Als der schon erwähnte Ständige Senatsunterausschuss bei Ermittlungen Ende 2000 erneut die gegen die Citibank erhobenen Geldwäschevorwürfe prüfte, wurde er von argentinischen Abgeordneten darüber informiert, dass es ihrer Ansicht nach eine »gigantische politisch-finanzielle Verschwörung gibt, an der sogar Citibank-Vorstandschef John Reed beteiligt ist«.

Einige Jahre später wurden diese Behauptungen untermauert, als eine amerikanische Ermittlungsoperation mit dem Namen "Operation Casablanca" »ergab, dass Gelder des Juárez-Kartells über zwei Konten der Citibank und andere Scheinkonten auf den Cayman-Inseln und den Bahamas nach Argentinien geschleust worden waren«.

Juan Miguel Ponce, Chef der mexikanischen Interpol-Abteilung, »nutzte die Ermittlungsergebnisse der Operation Casablanca dazu, die Geldkanäle der Verbündeten des Juárez-Kartells in Argentinien zu untersuchen. Er behauptet, in Mexiko Dokumente entdeckt zu haben, die beweisen, dass große Spenden des Kartells 1999 in den argentinischen Wahlkampf des peronistischen Präsidentschaftskandidaten Eduardo Duhalde und seines Vizepräsidentschaftskandidaten Ramon ›Palito‹ Ortega flossen«, schrieb Proceso.

Wie James Petras 2001 berichtete, erklärte Salinas‘ persönliche Bankberaterin bei der Citibank, Amy Elliot, nachdem Salinas verhaftet und »seine immensen Unterschlagungen von Regierungsgeldern ans Tageslicht gekommen waren, in einem Telefongespräch mit Kollegen (die Mitschrift dieses Gesprächs wurde den Ermittlern des Kongresses zur Verfügung gestellt), dieser Skandal reiche ›bis in die alleroberste Etage der Bank. Das alles war dem Vorstand bekannt. Wir waren nur kleine Spielfiguren in dieser ganzen Angelegenheit‹«.

Zurück in die Gegenwart: Mehr als 120.000 Mexikaner verloren aufgrund des grausigen Drogenhandels ihr Leben, und die amerikanische Bevölkerung befindet sich immer noch in der Gewalt der Bankster der »Plutonomie«, deren »Reichtumswellen« durch den perversen Einfluss entstanden, der durch den Ozean an Drogengeldern geschaffen wurde, der das völlig korrupte kapitalistische System überschwemmt.