
© AFPYves Lorentz (links) and Patrice Strub jubeln auf dem Balkon des Straßburger Rathauses.
Yves Lorentz und Patrice Strube feiern ihre Eheschließung auch als Sieg für die Gleichheit.Strassburg. Sie sind im Hof des Straßburger Rathauses aus einer pinkfarbenen Stretchlimousine gestiegen, haben, von ihren Familien und Freunden bejubelt, Hand in Hand den Trausaal betreten und sich wie andere Paare das Jawort gegeben. Und dennoch sind Yves Lorentz und Patrice Strub kein gewöhnliches Paar. Oberbürgermeister Roland Ries hat die beiden am Samstag als erstes homosexuelles Paar in seiner Stadt getraut. Vor wenigen Wochen erst, am 23. April, hatte die Pariser Nationalversammlung ein entsprechendes Gesetz verabschiedet. "Dies ist das Ende eines langen demokratischen Prozesses, es ist ein Sieg der Gleichheit der Rechte für jeden Bürger", betonte Ries in seiner Hochzeitsansprache.
In Frankreich wurde das Recht für die Ehe zwischen Partnern gleichen Geschlechts in monatelangem Ringen zwischen bürgerlich konservativen Kreisen und der Linken aufs Heftigste erkämpft. Die Proteste dagegen waren massiv. Dass ihre Partnerschaft nun vom Staat als rechtmäßige Ehe abgesegnet ist, gilt dem Liebespaar aus Straßburg auch als persönlicher Sieg. "Wir haben selbst lange dafür gestritten, dass wir heute hier stehen können", sagte Yves Lorentz (41). Ihm und seinem Lebenspartner (31) sieht man an: Sie sind glücklich und stolz. Lorentz ist der Vorsitzende von Festigays, einem Verein, der Straßburgs Parade der Homosexuellenszene organisiert. Strub ist ihr Schatzmeister. "Anderswo auf der Welt wandern Menschen wegen ihrer sexuellen Ausrichtung ins Gefängnis", sagte Strub nach der Trauung. "Wir haben das Glück, dass wir es einfach tun können." Da glitzerten die Tränen in Lorentz’ Augen und in denen seiner 21-jährigen Tochter aus erster Ehe. Sie hat den Vater als Trauzeugin in den neuen Lebensabschnitt begleitet. In diesem Moment bricht die Hochzeitsgesellschaft im Saal des Stadtpalais’ neben der Straßburger Oper in Jubel aus.
Ein anderes Paar aus der Region ist Lorentz und Strub übrigens still und heimlich zuvorgekommen. Während die Straßburger ihre standesamtliche Trauung als öffentlichkeitswirksames Spektakel am Tag der Straßburger "Gay Pride" geplant hatten, hatte ein anderes Männerpaar in Lingolsheim bei Straßburg im privaten Kreis gefeiert.
In der Straßburger Innenstadt warteten während der Trauung mehrere Busse der Nationalpolizei in Bereitschaft. Solange das Gesetz noch nicht verabschiedet war, hatten Homosexuelle überall in Frankreich immer wieder Drohungen erhalten. "Ich war fest davon überzeugt", sagt Strub, "dass wir friedlich würden feiern können." Der Straßburger "Marsch der Sichtbarkeit" zog am Samstagnachmittag laut und fröhlich durch die Innenstadt - mit dem frischgetrauten Paar Lorentz/Strub an der Spitze des Zuges aus mindestens 10 000 Gleichgesinnten.
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