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Bei einer Schießerei im Stadtteil Halle Trotha ist am Samstagabend mindestens ein Mann schwer verletzt wurden. Die Tat ereignete sich vor einem mit den “Hells Angels” sympathisierenden Rockerclub.Halle - In Halle ist der Krieg unter verfeindeten Rockerbanden am Sonnabend offenbar wieder aufgeflammt. Vor einem mit den gefürchteten Hells Angels sympathisierenden Motorradclub im Stadtteil Trotha ist aus einem fahrenden Auto heraus gegen 19.30 Uhr auf einen 22-Jährigen geschossen worden. Der Mann wurde laut Polizei am Oberarm so schwer verletzt, dass er operiert werden musste. Er konnte deshalb noch nicht vernommen werden. Mario Sormes, Sprecher der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Süd, sagte, dass man „in alle Richtungen ermittle“. Ob rivalisierende Rockerbanden hinter der Schießerei in der Köthener Straße stecken, wollte Sormes am Sonntag weder bestätigen noch dementieren. Erst am Montag soll es dazu weitere Informationen geben.
Tatort mit Spezialkamera gefilmtWährend der schwer verletzte 22-Jährige mit einem Rettungshubschrauber in ein hallesches Krankenhaus geflogen wurde, rückte die Polizei mit einem Großaufgebot an. Die Köthener Straße wurde komplett gesperrt. Mit einer Spezialkamera haben Kriminaltechniker den gesamten Tatort gefilmt. Auf diese Weise sind Aufnahmen entstanden, die später immer wieder am Computer bis ins kleinste Detail ausgewertet werden können - selbst im Gerichtssaal. Auch mit einem Metalldetektor waren die Kriminaltechniker in der Köthener Straße unterwegs. Mit Hilfe dieser Technik konnten sie mehrere Patronenhülsen sicherstellen. Zudem fanden sie Reifenspuren, die offenbar zu dem unbekannten Auto gehören, aus dem geschossen wurde.
Auch wenn die Polizei in Halle nicht offiziell vom aufgeflammten Rockerkrieg reden will: Insider haben eine Eskalation wie am Sonnabend längst erwartet. Nach
MZ-Informationen könnten die Bandidos, Erzfeinde der Hells Angels, hinter dem Anschlag stecken. Die Rockergang hatte zwar im Januar dieses Jahres ihren Rückzug aus Halle verkündet. Nur zwei Wochen später aber teilten die Bandidos mit, dass sie die Saalestadt doch nicht aufgeben wollen und vorhaben, ein neues Chapter zu gründen - im alten Domizil an der Merseburger Straße. Zu diesem Zeitpunkt stand aber selbst für Ermittler des Landeskriminalamtes fest: Die Hells Angels weiten ihren Einfluss in Ostdeutschland aus - auch in Halle.
Die Stadt gilt seit Jahren als Brennpunkt bei Auseinandersetzungen zwischen verfeindeten Rockerbanden. Dabei geht es um Macht und Anteile in den Bereichen Prostitution, Glücksspiel, Tattoos und vor allem um die Vorherrschaft in der Türsteherszene. Mit welcher Brutalität dabei vorgegangen wird, haben die Rockerbanden in der Vergangenheit mehrfach in Halle zur Schau gestellt. Im Oktober 2010 haben sich Chicanos, eine Unterstützergruppe der Bandidos, und die Hells-Angels-nahen Underdogs eine blutige Straßenschlacht in Halle geliefert. Die Justiz musste damals tatenlos zuschauen, alle Beteiligten schwiegen. Die Ermittler warfen nach einem Jahr das Handtuch und stellten das Verfahren ein.
Kodex lässt fast Prozess platzenDer Schweigekodex, der selbst verfeindete Banden eint, hatte auch zur Folge, dass der Prozess gegen Halles Bandidos-Chef zu scheitern drohte. Der soll 2012 versucht haben, seinen Widersacher, den Präsidenten der halleschen Underdogs, mit gezielten Schüssen zu töten. Obwohl das Opfer auch vor Gericht trotz einer anfänglich belastenden Aussage schwieg, wurde der mutmaßliche Schütze zu einer achteinhalbjährigen Haftstrafe verurteilt. Dagegen hat er Revision eingelegt.
Das Anschlagopfer vom Mai 2012 könnte auch am Sonnabend Ziel des Angriffs gewesen sein. Denn er ist Präsident des erst vor kurzem neu gegründeten Clubs in der Köthener Straße - Unterstützern der Hells Angels.
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