55 Prozent der registrierten amerikanischen Wähler sehen den früheren Mitarbeiter der National Security Agency (NSA) Edward Snowden als »Whistleblower« - d.h. als jemanden, der unter hohem persönlichen Risiko Missstände und/oder kriminelles Verhalten aufdeckt, das bisher als geheim eingestuft oder vertuscht wurde - , und nur 34 Prozent halten ihn für einen Verräter. Dies steht im krassen Gegensatz zu den Versuchen der Politiker, ihn als »Verräter« zu brandmarken.
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Nach einer Umfrage der Quinnipiac University hält die Mehrheit der Amerikaner Snowden für einen Menschen, der die maßlosen Überwachungsprogramme der amerikanischen Regierung offengelegt hat, und nicht für jemanden, der seine Pflichten verletzt habe. »Diese Wertung, Snowden sei keinesfalls ein Verräter, widerspricht der einhelligen Überzeugung des politischen Establishments des Landes«, schrieb Peter Brown, stellvertretender Leiter der Demoskopie-Abteilung der Quinnipiac University im US-Bundesstaat Connecticut, in einer Presseerklärung.
Sowohl demokratische als auch republikanische Abgeordnete und Senatoren, darunter auch der republikanische Präsident des Repräsentantenhauses John Boehner, haben Snowden verunglimpft und als Verräter verteufelt, weil er als geheim eingestuftes, für die Sicherheit des Landes wichtiges Material enthüllt habe. Auch die demokratische Senatorin und Vorsitzende des Geheimdienstausschusses Diane Feinstein aus Kalifornien [zugleich Mitglied der Trilateralen Kommission und des Council on Foreign Relations] bezeichnete Snowdens Vorgehen als »Verrat«, und ihr Kollege Angus King aus Maine hält Snowden sogar für »gefährlich«. »Er ist kein Held, er hat Menschenleben gefährdet«, sagte er im Juni gegenüber den Medien.
Aber wie die Quinnipiac-Umfrage zeigt, wird dies von der Mehrheit der amerikanischen Bevölkerung offensichtlich ganz anders gesehen. Angesichts der jüngsten Enthüllungen über die massiven Überwachungspraktiken der NSA in den USA geben viele der Befragten ihre Ablehnung der Regierungspolitik zu erkennen. Dabei war der Anteil der Zustimmung bei ungebundenen Wählern am höchsten - 58 Prozent dieser Gruppe bezeichneten ihn als Whistleblower. Bei den Republikanern lag der entsprechende Wert bei 55 Prozent und bei den Demokraten bei 49 Prozent.
Aus den Umfrageergebnissen geht auch hervor, dass 45 Prozent der Wähler der Ansicht sind, die Regierung habe im Rahmen ihrer Terrorbekämpfung die Bürgerrechte zu stark eingeschränkt. Eine ähnliche Umfrage vom Januar 2010 ergab, dass damals nur ein Viertel der Befragten glaubte, das Vorgehen der Regierung gegen Terrorismus sei weitreichend genug oder sogar zu weitreichend. »Dieser grundlegende Wandel in der Einstellung der Öffentlichkeit zu Bürgerrechten und dem Vorgehen der Regierung im Kampf gegen Terrorismus sowie die öffentliche Einschätzung, Edward Snowden sei eher als Whistleblower und nicht als Verräter einzustufen, sind als Reaktion der Öffentlichkeit und als Schockreaktion auf die Erkenntnis zu werten, wie ungeheuer weit die Regierung gegangen ist, um potenzielle zukünftige Terroranschläge zu verhindern«, erläuterte Brown und hob hervor, dass sowohl Demokraten als auch Republikaner darüber intern zerstritten seien, ob die USA mit ihren Maßnahmen zur Terrorbekämpfung nicht zu weit gegangen seien. »Die Tatsache, dass es praktisch nur geringe Unterschiede entlang der jeweiligen innerparteilichen Konfliktlinien im Zusammenhang mit der Terrorbekämpfung im Allgemeinen und Bürgerrechten sowie bei der Bewertung von Snowden gibt, ist für ein Land, das ansonsten praktisch in allen Fragen strikt entlang der politischen Lager der beiden großen Parteien gespalten ist, an sich schon extrem ungewöhnlich«, fügte er hinzu.
Andere Umfragen hatten ergeben, dass mehr Amerikaner Snowdens Vorgehen verurteilten als billigten, aber die Quinnipiac
-Umfrage legt nahe, dass in der öffentlichen Meinung ein Umdenken stattfindet, je mehr Einzelheiten über die massiven Überwachungs- und Spionageprogramme der NSA ans Licht kommen. Die Universität hatte 2014 registrierte Wähler befragt. Die Fehlerquote liegt dabei bei 2,2 Prozent nach oben oder unten. »Die Veränderung der Einstellung der Öffentlichkeit ist außergewöhnlich und durchgängig; und sie steht angesichts dessen, was seit 2010 bekannt wurde, offensichtlich nicht nur im Zusammenhang mit den Enthüllungen der Telefonabhörmaßnahmen«, sagte Brown weiter. »Aber es wäre naiv, diese Zahlen als etwas anderes zu interpretieren als den Beleg für ein Umdenken der Bevölkerung in Bezug auf den Ausgleich zwischen Sicherheit und Bürgerrechten.«
Die USA verlangen die Auslieferung Snowdens, der sich immer noch im Transitbereich des Moskauer Flughafens Scheremetjewo aufhält. Der Journalist Glenn Greenwald, der den NSA
-Skandal über seine Veröffentlichungen ins Rollen brachte, erklärte am Dienstag, Snowden werde aller Wahrscheinlichkeit nach nach Venezuela ausreisen wollen. Die dortige Regierung hatte ihm bereits politisches Asyl angeboten.
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