
Nachdem er durch türkische Kollegen von der Kontroverse um die Interpretation des Gemäldes erfahren hatte, machte sich Schmitt selbst ein Bild der Situation vor Ort. Schnell zweifelte auch er, dass die Leoparden-Theorie nicht alle Details der Darstellung erklären könne. Stattdessen fiel auch ihm die Ähnlichkeit des geometrischen Musters mit den Grundmauern von Catalhöyük auf. Die beiden Kegel deutete er als den benachbarten Berg Hasan Dag.
Die Idee, das Wandgemälde könne nicht nur die Siedlung sondern auch die Bergkette und zugleich einen einstigen Vulkanausbruch zeigen, lies den Geologen nicht ruhen - hatte er doch die Mittel und Werkzeuge, diese Theorie zu überprüfen.

Mit Hilfe des in der Erdkruste vorkommenden und sehr lange haltbaren und uranhaltigen Minerals Zirkon, konnten die Wissenschaftler anhand des Uranzerfalls das Alter der Gesteins- und Bodenproben bestimmen. "Die Zirkon-Datierung ist ein neues Datierungswerkzeug", erläutert Schmitt und führt weiter aus: "Die Kohlenstoffdatierung (C-14) kann nicht auf nichtorganische Materialien wie vulkanisches Gestein angewandt werden."
Die Datierung bestätigte, dass der Hasan Dag vor etwa 8.970 Jahren (+/- 640 Jahre) ausgebrochen war. Dadurch erscheint es für die Forscher durchaus plausibel, dass das Wandgemälde genau diese vulkanische Aktivität abbilden könnte.
"Zusammengenommen belegen unsere Analyseergebnisse magmatische Aktivität auf dem Hasan Dag und stellen damit die erste radiometrische Bestätigung für eine explosive Eruption dar, die von Menschen in der Gegend beobachtet wurde", so Schmitt. "Geologisch und geochronologische Indizien und Beweise stützen damit die Interpretation (des Gemäldes), wonach die Bewohner von Catalhöyük hier einst den Ausbruch des Hasan Dags dargestellt haben."
Mit der neuen Datierungsmethode will Schmitt sich nun auch anderen prähistorischen und antiken Darstellungen - etwa auf römischen Münzen - annehmen, die ebenfalls als Abbildungen von Vulkanausbrüchen interpretiert werden. "Ein weiteres Beispiel ist die Schilderung des griechischen Geschichtsschreibers Strabon, der Feuer in Verbindung mit einem Berg beschreibt. Bislang gibt es dazu jedoch keine wissenschaftlichen Daten. Diese kann ich jetzt liefern."
- Den vollständigen Artikel finden Sie HIER
Quelle: ucla.edu




Kommentare von Lesern
für unseren Newsletter an