Ist es heute wahrscheinlicher als vor 20 Millionen Jahren, dass die Erde von einem Geschoss aus dem All getroffen wird? Forscher haben das Einschlagsrisiko neu untersucht - und einen beunruhigenden Trend aufgespürt.
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Folgen Asteroideneinschläge einem erkennbaren zeitlichen Muster?

Düsseldorf. Es war ein Killer von globalem Ausmaß, der vor 65 Millionen Jahren im Gebiet der Halbinsel Yucatan im heutigen Mexiko niederging. Seine enorme Zerstörungskraft, entsprechend 100 Millionen Megatonnen TNT, bedeutete das Aus für zahllose Tier- und Pflanzenarten - allen voran die Dinosaurier, deren Vorherrschaft auf der Erde ein jähes Ende fand.

Doch der Asteroid, der den riesigen Chicxulub-Krater vor der Küste Yucatans verursachte, war beileibe nicht der einzige Massenkiller aus dem All. Fast 200 Krater auf der Erdoberfläche, einige davon Hunderte von Kilometern im Durchmesser, sind uns als Zeugen kosmischer Zusammenstöße erhalten geblieben. Und die größten dieser Geschosse verursachten Massensterben, die sich bis heute in den Ablagerungen vergangener Erdzeitalter nachweisen lassen.


Kommentar: Wahrscheinlich sind es "nur" 200 Krater die gefunden wurden, das lässt aber dennoch die Überkopfexplosionen aus (zu dem das Tunguska-Ereignis von 1908 dazu gehört), die auch erheblichen Schaden anrichten und ebenso Zivilisationen auslöschen könnten.


Lange haben Wissenschaftler darüber gerätselt, ob sich die Wahrscheinlichkeit für Asteroideneinschläge im Lauf der Erdgeschichte verändert hat. Manche Forscher glauben, aus den Einschlagspuren ein regelmäßiges Muster ablesen zu können, in dem die Wahrscheinlichkeit für Geschosse aus dem All über Millionen Jahre hinweg periodisch zu- und wieder abnimmt.


Kommentar: Die Zyklen sind bei weitem geringer als Millionen von Jahren, es wird angenommen, dass manche Perioden eine Zeitdauer von ca. 3.600 Jahren haben.


Einer der Mechanismen, die für solch periodische Variationen vorgeschlagen wurden, ist die Bewegung unseres Sonnensystems relativ zur Scheibenebene unserer Heimatgalaxie, der Milchstraße. Bei dieser Bewegung verändert sich der Schwereeinfluss, den die umliegenden Sterne auf die Objekte in der Oort'schen Wolke ausüben - eine gigantische Ansammlung riesiger Brocken aus Eis und Staub, die das Sonnensystem im Abstand von rund einem Lichtjahr umhüllt. Aufgrund dieser Veränderungen verlassen einmal mehr, dann wieder weniger Objekte die Oort'sche Wolke und machen sich als Kometen auf den Weg in das innere Sonnensystem - und damit auf möglichen Kollisionskurs mit der Erde.

Spektakulärer ist die Annahme, unsere Sonne besäße einen bislang noch nicht direkt nachgewiesenen Begleitstern, der provisorisch auf den Namen „Nemesis“ getauft wurde. Nemesis, so die Vermutung, sollte eine lang gestreckte Umlaufbahn besitzen, die sie mit der Zeit immer wieder in die Nähe der Oort'schen Wolke führen und dadurch wiederum die Anzahl der Kometen beeinflussen würde, die Kurs auf die Erde nehmen.
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Der Barringer-Krater in Arizona entstand vor rund 50.000 Jahren beim Einschlag eines Nickel-Eisen-Meteoriten.

Coryn Bailer-Jones vom Max-Planck-Institut für Astronomie hält von solchen Vermutungen eher wenig. „Menschen neigen dazu, auch dort Muster zu sehen, wo gar keine existieren“, so der Wissenschaftler. „Und in manchen Situationen kann traditionelle Statistik den Anwender leider in dieselbe falsche Richtung führen.“


Kommentar: Lesen Sie diesen Artikel (leider nur auf Englisch), dass die Hypothese eines Planeten-X oder besser Sonne-X gar nicht so unwahrscheinlich ist, wie von Brailer-Jones angenommen.


Der Wissenschaftler hat sich dem Problem mit einer speziellen Methode zur Berechnung von Wahrscheinlichkeiten genähert, der sogenannten Bayes'schen Statistik. Und kommt damit zu einem eindeutigen Ergebnis: Ein periodisches Auf und Ab lässt sich bei Astroideneinschlägen nicht nachweisen. Stattdessen zeigen die Daten eine allgemeine Tendenz: Von vor rund 250 Millionen Jahren bis zur Gegenwart hat die Einschlagwahrscheinlichkeit stetig zugenommen.

Dafür gibt es zwei mögliche Erklärungen: Die nachgewiesene Tendenz kann schlicht darauf beruhen, dass wir größere, jüngere Krater einfacher nachweisen können als kleinere, ältere. Bailer-Jones: „Wenn wir nur Krater betrachten, die größer als 35 km und jünger als 400 Millionen Jahre sind und bei denen die Erosion daher eine geringere Rolle spielt, finden wir keine solche Tendenz.“

Andererseits könnte zumindest ein Teil des Anstiegs real sein. Es gibt Untersuchungen an Einschlagkratern auf dem Mond, die einen ähnlichen Trend zeigen. Dort spielen die auf der Erde vorherrschenden Erosionsmechanismen keine Rolle.

Was immer sich als Grund für den Trend herausstellen mag - ein regelmäßiges Muster, in dem die Einschlagwahrscheinlichkeit über Millionen Jahre hinweg periodisch zu- und wieder abnimmt, lässt sich aus den Daten nicht ablesen. Spannend bleibt allerdings die Frage, was die Ergebnisse des Max-Planck-Forschers für die Berechnung des aktuellen Einschlagsrisikos bedeuten könnten. Bestätigt sich die Zunahme der Einschlagswahrscheinlichkeit, müsste manch ein Katastrophenszenario wohl überarbeitet werden.