Spuren der rechtsextremistischen Zwickauer Terrorzelle führen offenbar nach Ludwigshafen. Ein dortiger Neonazi soll Kontakte zur NSU gehabt haben und wird offenbar verdächtigt, ein mörderisches Feuer gelegt zu haben.
ludwigshafen, trauer
© dpa3. Februar: Bei einem Wohnhausbrand in Ludwigshafen kommen neun Menschen ums Leben. Alle Toten sind Türken, unter ihnen fünf Kinder. Es kommt die Vermutung auf, dass ein fremdenfeindlicher Brandanschlag verübt wurde. Die Ermittlungen können diesen Verdacht jedoch nicht bestätigen.

Die Frankfurter Rundschau berichtet, dass der Neonazi Malte R. Kontakt zu der Terrorvereinigung NSU gehabt haben soll. In Ludwigshafen habe er eine maßgebliche Rolle bei der Nazigruppe „Lunara“ gespielt und Schießübungen im Ausland organisiert. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe bestätigte, dass Spuren nach Rheinland-Pfalz geprüft werden. Allerdings sei Malte R. bisher nicht Teil des Ermittlungsverfahrens gegen die NSU.

Dem Zeitungsbericht zufolge gibt es Ermittlungsdokumente, nach denen Malte R. auch der Brandstiftung an einem Ludwigshafener Wohnhaus verdächtigt wird. Bei dem Feuer im Februar 2008 starben neun türkische Bewohner. Ein Sprecher der Bundesanwaltschaft sagte, dass es keine „zureichend tatsächlichen Anhaltspunkte“ dafür gebe, dass die NSU etwas mit dem Feuer zu tun gehabt hätte. Dennoch werde allen Hinweisen nachgegangen.

Akten wurden neu geprüft

Der Brand hatte damals international für Aufsehen gesorgt, weil die Behörden die Ermittlungen eingestellt haben und nicht von einem ausländerfeindlichen Hintergrund ausgegangen sind. Die genaue Ursache des Feuers ist bis heute unbekannt. Bei den Ermittlungen im Zusammenhang mit den von Rechtsterroristen verübten zehn Morden wurden die Akten jedoch erneut geprüft.

Malte R. gilt der Zeitung zufolge als wichtige Figur der militanten rechten Szene in Süddeutschland. Die Ermittler zählten ihn zur internationalen Naziorganisation „Hammerskin Nations“ (HSN). Der Ludwigshafener soll auch Kontakte zu dem inzwischen inhaftierten NPD-Funktionär Ralf Wohlleben gehabt haben. Das rheinland-pfälzische Innenministerium hatte Verbindungen der Zwickauer Zelle nach Rheinland-Pfalz in der Vergangenheit immer verneint.

Zschäpe offenbar mehr als eine Helferin

Unterdessen gibt es Hinweise, dass Beate Zschäpe, die inhaftierte, mutmaßliche Rechtsterroristin, Mitglied der NSU war. Laut Focus hat die Bundesanwaltschaft inzwischen Belege, die den Verdacht stützen, dass Zschäpe Mitglied und nicht nur Helferin der Gruppe war. Am 4. November hielt sie sich in unmittelbarer Nähe des Wohnmoblis auf, in dem sich die beiden anderen Mitglieder der Zwickauer Terrorzelle, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos, töteten.

as/dapd