Edel, hilfreich und gut sind sie, unsere »Menschenrechtler« - und natürlich über jeden Zweifel erhaben. Dabei stimmt auch für Menschenrechtler: An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Und diese Früchte sind Propaganda und Krieg...
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Da hat die US-Armee ja mal wieder eine schöne Propagandameldung herausgegeben: »Truppen der syrischen Regierung und Milizen randalieren in Städten und Dörfern, verschleppen systematisch Männer aus ihren Häusern, um sie gemeinsam zu exekutieren. Haus und Eigentum werden kaltblütig verbrannt und manchmal auch die Leichen der Getöteten. Sie schießen rücksichtslos in Wohngebiete und töten und verletzen Männer, Frauen und Kinder. Gefangene werden routinemäßig gefoltert, manchmal bis zum Tode.«

Typischer Propaganda-Duktus

Na ja - das kennen wir ja schon. Der Text weist die typischen Merkmale von Propaganda auf:
  • zahlreiche, auf die Spitze getriebene Gräuel,
  • auf engstem Raum (fünf Zeilen) zusammengedrängt,
  • Zivilisten, insbesondere Frauen und Kinder, als Opfer,
  • totale »Überdrehung« (unnatürliche Anhäufung und Verdichtung von Gräueln),
  • Darstellung des Feindes als »durchgeknallt«, »tollwütig« und »außer Rand und Band«,
  • extrem aufstachelnde Wirkung.
Ergebnis: Hetzpropaganda

Das Ergebnis nennt man »Hetzpropaganda«. Wobei die emotionale Wirkung solcher Hetze den Denkprozess inhibiert, also unterbindet. Da die geschilderten Gräuel enorme Emotionen heraufbeschwören, schließt sich das Handeln direkt an die Emotionen an; das Denken wird ausgeschaltet. Erinnern wir uns nur an die 1990 und 1991 verbreitete Gräuelgeschichte von den irakischen Soldaten, die angeblich Babys in kuwaitischen Krankenhäusern aus den Brutkästen gerissen und auf den Boden geworfen haben sollen: War das nicht so schrecklich, dass man sofort handeln musste - und zwar, ohne weitere Fragen zu stellen? Natürlich. Und so kam es dann ja auch. Die erlogene Propagandageschichte ermöglichte den USA den Eintritt in den Krieg gegen den Irak.

Auch in Sachen Syrien tritt die Propaganda nun in eine Phase ein, in der niemand mehr nachdenken kann und will. Je schlimmer die beschriebenen Gräuel, desto mehr setzt das Denken aus. Dabei hat Denken noch keinem geschadet. Werfen wir daher nochmals einen Blick auf diesen Text: Welchen Sinn würde es machen, wenn die syrische Armee die eigenen Dörfer verwüsten, Männer, Frauen und Kinder umbringen und Häuser abfackeln würde? Natürlich gar keinen. Vielmehr würde es die Zivilbevölkerung schnurstracks in die Arme der Rebellen treiben. Die Rebellen würden plötzlich als Schutzmacht gegenüber der offenbar völlig durchgeknallten Regierung erscheinen. Des weiteren würden solche Gräuel Syrien international weiter isolieren und noch etwas viel Schlimmeres heraufbeschwören, nämlich einen Krieg von Supermächten wie den USA gegen das Land. Ist es wahrscheinlich, dass Staatschef Assad und seine Militärs dies heraufbeschwören wollen? Eigentlich nicht. Daher erscheinen diese Berichte schon ohne weitere Betrachtung von Beweisen oder Nicht-Beweisen in sich unlogisch und unwahrscheinlich. Eben »durchgeknallt«.


»Knaller« am Anfang

Nun ja - das US-Militär. Wen wundert's. Natürlich möchte man nach der Umgestaltung Nordafrikas (Krieg gegen Libyen und anderes) die Speisekarte nun weiter abarbeiten und den großen Plan von einem »Greater Middle East« umsetzen, der bis zum Iran und darüber hinaus reichen soll. Und auf dem Weg nach Osten zum Iran liegt nun mal Syrien. Das heißt, Moment: Sagte ich »US-Militär«? Kleiner Irrtum: Die Hetzpropaganda stammt gar nicht von den US-Streitkräften, sondern von der »Menschenrechtsorganisation« Amnesty International. Es sind die ersten Zeilen aus einem neuen »Bericht« über die Lage in Syrien, also etwa so viel, wie die meisten Journalisten davon lesen werden. Die »Knaller« wurden am Anfang verdichtet - mehr lesen die meisten Journalisten sowieso nicht.

Vielleicht stimmen die »Fakten«, vielleicht aber auch nicht. Jedoch kann es auch Amnesty International kaum entgangen sein, was es mit der reißerischen und hetzerischen Präsentation dieser angeblichen Fakten anrichtet. Und tatsächlich wurde die Amnesty-Sensation nun von unseren »Qualitätsmedien« sofort begeistert »abgefeiert«, wie es im Journalisten-Jargon heißt:
  • »Verbrechen gegen die Menschlichkeit Amnesty-Bericht dokumentiert Gräueltaten in Syrien« (Stern Online, 14.6.2012)
  • »Kriegsverbrechen in Syrien« (Zeit Online, 14.6.2012)
  • »Amnesty wirft Syrien Verbrechen gegen Menschlichkeit vor« (Welt Online, 14.6.2012)
  • »Gewalt gegen Zivilisten: Amnesty dokumentiert syrische Kriegsverbrechen« (Spiegel Online, 14.6.2012)
  • »Neuer Amnesty-Bericht zu Syrien: Dramatische Eskalation der Gewalt« (Bild Online, 14.6.2012)
Jede Spende ist eine Spende für Kriegspropaganda

Bekanntlich kommt aber schon bald nach der Bild-Zeitung die NATO, wie ich bereits an anderer Stelle geschrieben habe. Denn Aufgabe der Medien ist es, die Öffentlichkeit der Angreiferstaaten psychologisch auf einen Krieg vorzubereiten. Und genau dafür liefert Amnesty nun die Munition. Diese Munition wird passgenau in eine laufende Propaganda-Eskalation gegen Syrien hinein platziert. Wie auch immer die Fakten aussehen: An den Händen von »Menschenrechtlern«, die auf diese Weise Öl ins Feuer gießen, klebt Blut. Denn wer Propaganda sät, wird Krieg ernten. Und eine Spende für Amnesty ist demnach eine Spende für Kriegspropaganda. Denn natürlich kommt jeder Euro in der Regel dem gesamten Propagandaapparat zugute.

Ja, aber muss man Syrien denn nicht befreien? Und wenn wirklich so viele Menschen von den Syrern ermordet werden - müssen wir dann nicht eingreifen? Gegenfrage: Wenn die Syrer tatsächlich 10.000 Zivilisten umbringen - Müssen wir dann mithilfe der NATO 100.000 oder 200.000 Zivilisten umbringen? Müssen wir die angeblichen Massaker der Syrer durch 7.500 Massaker der NATO ersetzen (Zahl der Luftangriffe im Libyenkrieg)?

Eine gute Frage. Wie auch diese: Wer ist eigentlich Amnesty International? Mehr dazu in einem meiner nächsten Artikel.