Trotz aller medizinischen Erkenntnisse ist Heilung ein Wunder. Obwohl wir wissen, dass die Selbstheilungskräfte angeborene Überlebensmechanismen unseres Körpers sind, bleibt jener Anteil im Menschen ein Rätsel, der letztlich darüber entscheidet, ob und in welchem Umfang sie anspringen. Das gilt vor allem für schwere Erkrankungen, für als aussichtslos eingestufte Fälle - für Menschen im Endstadium von Krebs und die geheimnisvollen Fälle von Spontanheilungen.
© Unbekannt
Körper, Geist und Seele sind eins
Das ist der größte Fehler bei der Behandlung von Krankheiten, dass es Ärzte für den Körper und Ärzte für die Seele gibt, wo beides doch nicht getrennt werden kann.
Platon


Diese Worte des griechischen Philosophen Platon stammen aus dem vierten vorchristlichen Jahrhundert und doch klingen sie, als seien sie in unserer Zeit ausgesprochen worden. Das Wissen um die Verbindung von Körper, Geist und Seele geht weit in der Geschichte der Menschheit zurück und wird heute neu entdeckt, nachdem ein wissenschaftlich-mechanistisches Weltbild auch in der Medizin die Führung übernommen hatte. Was bereits in alten spirituellen und religiösen Systemen wie den indischen Veden, dem Christentum und Buddhismus vermittelt wurde, und was in Gesundheitslehren wie dem Ayurveda, der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), bei Heilern der Antike und den Schamanen in aller Welt als Grundvoraussetzung galt, wird inzwischen von den Wissenschaften belegt: die untrennbare Einheit von Körper, Geist und Seele. In diesem Körper-Seele-Geist-System stehen alle Ebenen in Wechselwirkungen und das eine ist der Ausdruck des anderen.

Körper und Geist beeinflussen, was und wie wir fühlen, und unsere Gefühle und seelischen Regungen beeinflussen, was wir denken und unsere körperliche Verfassung. Jede emotionale Reaktion ist von körperlichen Vorgängen begleitet. Vor allem der Neurobiologie ist zu danken, dass dieser Zusammenhang für uns verständlicher und greifbarer wurde. Es waren Neurobiologen, die herausfanden, warum Glaube heilt, was gute Gefühle in unserem Gehirn und in der Folge mit unserem Körper machen, weshalb der Wunsch danach, sich im Leben entfalten und verwirklichen zu können, fundamental für unsere seelische, geistige und körperliche Gesundheit ist, und vieles mehr.

Epigenetik - nicht alles ist vorherbestimmt
Es gibt mehr Leute, die kapitulieren, als solche, die scheitern.
Henry Ford
Die Grundlage für Symptome, Erkrankungen und Schmerzen wird oft schon sehr früh im Leben gelegt, manchmal schon im Mutterleib. Es ist nicht nur die genetische Veranlagung, die darüber entscheidet, welche Krankheiten wir bekommen oder nicht, sondern auch die Lebensgeschichte und wie sie erlebt wird. Wie die Epigenetik zeigt, muss sich eine Erbanlage nicht zwingend realisieren, und wenn sie sich realisiert, kann dies wieder verändert werden. Eine genetisch bedingte Krankheit ist kein unentrinnbares Schicksal. Die Vorsilbe »epi« kommt aus dem Griechischen und bedeutet »danach«, »hinterher«, »zusätzlich«: Erbinformationen können im Nachhinein an- oder abgeschaltet werden. Epigenetische Prozesse lösen eine Anpassung an die Lebensumstände aus, die positiv oder negativ ausfallen kann. Diese Anpassung kann zum Beispiel ebenso zur Entstehung von Krebs führen wie zu dessen Heilung, auch dann, wenn eine bestimmte Form von Krebs oder einer anderen Erkrankung Teil der Familiengeschichte und damit der Erbanlage ist. Was sich von unseren genetischen Anlagen verwirklicht, wird also in hohem Maß von der Lebensgeschichte bestimmt, vor allem aber davon, wie der einzelne Mensch die Erfahrungen seines Lebens erlebt und deutet und welche Konsequenzen er tief innerlich aus ihnen für sein weiteres Leben zieht.

Das Körpergedächtnis

Frühe Einflüsse können die Grundlage für Stressempfänglichkeit und einen Körper im Alarmzustand legen. Im späteren Leben entwickeln sich daraus chronische Schmerzen, Allergien, Entzündungen, Autoimmunkrankheiten, Depressionen und mehr. Traumatisierende Erfahrungen wie ein Krankenhausaufenthalt, Trennung von der Mutter, ein Unfall, Zwickmühlen, bei denen das Kind es nicht richtig machen und nur verlieren kann, vor allem aber körperliche und seelische Gewalt brennen sich in das Schmerzgedächtnis ein und verändern die neuronale Struktur im Gehirn. Die damals entstandenen Traumen beeinflussen auch später die Reaktionen, Empfindungen und Handlungen eines Menschen, und zwar meist mehr als ihm bewusst ist. Immer dann, wenn eine Situation die Erinnerung an eine alte, schmerzvolle Erfahrung auslöst, antworten Körper und Psyche mit ähnlichen Reaktionen, und die gegenwärtige Situation wird so erlebt, als sei sie dieselbe wie damals. Der hohe Stresspegel, den kleine Kinder während traumatischer Erfahrungen entwickeln, kehrt zurück und versetzt den Körper in Alarmzustand.

Nicht nur körperlich erlebte Schmerzen wiederholen sich, auch seelische Schmerzen werden zu körperlichen Schmerzen oder drücken sich in unterschiedlichen Krankheiten und Symptomen wie Kopfschmerzen, Tinnitus, Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems und mehr aus. Die Art, wie wir das Leben erleben, wie wir auf Erfahrungen reagieren, welche Rolle wir uns selbst zuweisen und wie wir mit uns umgehen, hat einen entscheidenden Einfluss auf unser Lebensgefühl und die Gesundheit. »Das persönliche Geheimnis der Heilung«, schreibt Joachim Faulstich, Regisseur wissenschaftlicher Dokumentationen und Medizinjournalist, »führt nur selten in ein neues Gebiet, das vollkommen unbekannte und noch von niemandem entdeckte Muster birgt. Die meisten Menschen werden in Landschaften fündig, die sie schon lange kennen, wenn auch die Erinnerungen manchmal verzerrt oder sogar vollständig verschwunden waren: Es sind die Landschaften ihrer Kindheit, die Ebenen der frühen Erfahrungen, in denen sich die uralten Bilder lange vergangener Epochen verbergen. Diese Bilder sind manchmal zum Greifen nah, denn sie finden sich in den Märchen, Legenden und Mythen, und sie warten darauf, gleichsam aus dem Dornröschenschlaf zu erwachen und wieder lebendig zu werden.« 

Dem Geheimnis der Heilung auf der Spur
Wunder geschehen nicht im Widerspruch zur Natur, sondern im Widerspruch zu dem, was wir von der Natur wissen.
Augustinus
Das Geheimnis der Heilung liegt in der Einheit von Körper, Geist und Seele und jeder Mensch hat seine eigene Art, sie zu verbinden. Jeder Bereich, so verwoben sie sind, hat seine eigenen Notwendigkeiten und Bedürfnisse. Jeder Bereich braucht Nahrung, jedem muss ausreichend Genüge getan werden. Wir dürfen Körper, Geist und Seele nicht länger als getrennte Bereiche behandeln. Obwohl dieses Wissen inzwischen Allgemeingut zu sein scheint, ist es doch noch viel zu wenig Grundlage der alltäglichen Praxis, weder im Leben der Menschen noch in der medizinischen Behandlung. Wir nicken, wenn jemand diese Tatsache erwähnt, doch welche Konsequenz hat sie für unser Leben? Welche Auswirkungen hat diese Tatsache auf die medizinische Versorgung? Eine wachsende Zahl von Ärzten und Heilpraktikern bemüht sich darum, sich auf den Menschen als Ganzes einzustellen, an der Tagesordnung ist es bei weitem nicht. Eine solche individuelle Behandlung ist zeitintensiv und wird von den Krankenkassen nicht honoriert, nicht nur deshalb widerspricht sie dem Praxisalltag. Der gesunde oder kranke Mensch wird jedoch immer als Ganzheit reagieren - auf die Aufmerksamkeit, die ihm gewidmet wird, auf das Vertrauen in die eigene Heilungskraft, das ihm vermittelt oder abgesprochen wird, auf heilende oder zerstörende Worte, ob vom Arzt oder einer wichtigen Bezugsperson, darauf, ob er als Mensch gesehen wird oder als Fall.

Das Geheimnis der Heilung lässt sich nicht vollständig rational und mit wissenschaftlichen Methoden systematisieren, in eine Bedienungsanleitung verwandeln und zu Papier bringen. Dank der Forschung wissen wir viel, doch wir werden vielleicht niemals alles wissen. Denn in jedem Menschen gibt es etwas, das auf eine unerklärliche Weise darüber entscheidet, was aus ihm wird. Aus diesem Grund zeigt eine ritualisierte Medizin wie sie zum Beispiel von Schamanen angewendet wird, eine erstaunliche Wirksamkeit. Sie aktiviert den ganzen Menschen, seine Gefühle, seine inneren Bilder, seine Gedanken und alle damit verbundenen körperlichen Prozesse. Und aus diesem Grund kann das schlichte Auflegen der Hände Veränderungen bewirken, die über Medikamente weit hinausgehen. Entscheidend sind die seelisch-geistigen Prozesse, die im Patienten, aber auch in der behandelnden Person ablaufen.

Heilhindernisse
Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.
Johann Wolfgang von Goethe
Aus allem, was Wissenschaft und Erfahrung zusammengetragen haben, lässt sich resümieren, dass das wohl größte Hindernis für Heilung die innere Einstellung ist. Wir alle haben Glaubenssätze und innere Bilder entwickelt, meist schon in vorsprachlicher Zeit als gefühlte innere Zustände, die hilfreich oder blockierend sein können. Dazu gehört auch die Einstellung, die Ärzte »Katastrophisieren« nennen. Sie chronifiziert und verschlimmert den Krankheitsverlauf. Aussagen wie »Das bringt ja sowieso nichts« und »Es wird immer schlimmer« führen dazu, dass die Betroffenen resignieren, nichts mehr unternehmen und probieren und oft sogar wütend reagieren, wenn ihnen eine andere Person Mut machen oder etwas vielleicht Hilfreiches vorschlagen will. Umgekehrt kommen wir nicht wirklich weiter, wenn wir positives Denken falsch verstehen und ignorieren, was ist. Die beste innere Haltung ist vermutlich eine, bei der wir anerkennen, was ist - eine Erkrankung und ihre Begleitumstände annehmen - und gleichzeitig festen Willen und Vertrauen in eine Verbesserung und Heilung setzen.

Meist müssen Einstellungen, Sichtweisen, Gedankenmuster und innere Bilder geändert werden. Diese Veränderung, gleich ob in Lebens- oder Gesundheitsfragen, bedeutet, die Fenster der Wahrnehmung zu öffnen und den frischen Wind neuer Gedanken und Vorstellungen darüber, was möglich ist, einzulassen, und Altem zu erlauben, zu gehen. Unsere Erinnerungen, sagte einmal der bekannte Therapeut und Autor Wayne Dyer, sind nichts anderes als das Kielwasser des Bootes, in dem wir unterwegs sind. Der frische Wind seelischer und körperlicher Gesundheit weht in jedem von uns, wenn es uns gelingt, wichtige Menschen und Erlebnisse neu zu sehen und zu deuten. Denn jede unserer Erfahrungen kann auch eine andere Bedeutung haben als die, die wir ihr geben - und der Grund für Leid, Kummer, Krankheit und Schmerz kann entfallen.

Was wir tun können, um uns zu heilen

Auch wenn wir das letzte Geheimnis der Heilung nicht lüften können, gibt es viel, was wir dafür tun können, um Heilung herbeizuführen oder gesund zu bleiben. Alles beginnt damit, etwas für Körper, Seele und Geist zu tun. Vielleicht ist es die Ernährung, die einer Umstellung bedarf - dann können wir uns außerdem fragen, weshalb wir an dem Punkt stehen, diese Umstellung zu brauchen. War es Bequemlichkeit, die uns daran hinderte, besser einzukaufen, zu kochen und zu essen? War es Stress, der uns dazu trieb, zu essen und trinken was uns im Augenblick Erleichterung verschaffen konnte, langfristig aber Stoffwechsel und Gesundheit ruinierte? Fehlt etwas Wichtiges in unserem Leben, das unbedingt gelebt werden muss, so sehr es nur möglich ist? Müssen wir uns aus einer Situation verabschieden, so schwer es uns fällt? Geht es darum, Altes zu verabschieden? Zum Glauben zu finden? Zu schätzen, was wir haben? Was ist es, das wir brauchen, um die notwendigen Veränderungen vorzunehmen? Und oft genug braucht es eine Veränderung nur in unserem Inneren. Das Beste, was wir tun können, ist, ein Symptom oder eine Krankheit nicht nur direkt mit medizinischen Mitteln anzugehen, sondern uns »darum herum« zu behandeln oder behandeln zu lassen. Bei einer solchen Lebenseinstellung oder Behandlung werden Körper, Geist und Seele genährt. Dies kann heilender Glaube sein, denn »das Gebet ist das Atmen der Seele« (Ellen White), oder Vergebung zu üben, wieder Sinn im Leben zu finden, soziale Kontakte zu entwickeln oder zu pflegen, ein neues Interessensgebiet zu erschließen, sich zu erlauben, mehr zu träumen und auch sich mehr dem Sonnenlicht auszusetzen, sich zu bewegen, anders zu essen. Heilung kann bedeuten, neue Wege auszuprobieren, die wir vielleicht bisher belächelt haben: von der Klopfakupunktur (EFT) über Homöopathie bis zur Quantenheilung spannt sich ein weiter Bogen an Möglichkeiten.


Kommentar: Im Artikel wird immer wieder erwähnt, dass Glauben heilen kann, jedoch sollte festgestellt werden, dass jeglicher Glaube der nicht konform mit der objektiven Realität ist, vermutlich auf lange Sicht mehr Schaden hervorbringen kann als dass er heilt. Für jeden der auf der Suche nach der Wahrheit ist, ist Glaube nicht wirklich erforderlich oder günstig. Oftmals schränkt Glaube uns ein, Dinge so zu sehen wie sie wirklich sind, deshalb ist eine Sichtweise der Welt um uns herum basierend auf Wahrscheinlichkeiten und nicht in der Form von dogmatischen Glaubenssystemen ein Schlüssel zur Heilung und schlussendlich zur objektiven Realität.


Und vor allem braucht Heilung Zeit und Zuwendung zu uns selbst und dem Körperbereich, der erkrankt ist. Da »Krankheit den Menschen nicht wie ein Blitz aus heiterem Himmel überfällt, sondern die Folge fortgesetzter Fehler wider die Natur ist« (Hippokrates von Kos), ist Gesund werden meist auch kein Prozess, der sich in wenigen Tagen oder Wochen vollzieht.