Für seine Freundin färbte sich Wesley die Haare, ließ sich einen Ohrring stechen - und gab einen Mord in Auftrag. Nun sind beide verurteilt worden, weil sie nach einer Lästerei auf Facebook den Tod der 15-jährigen Winsie Hau geplant hatten. Ein Fall von tiefem Hass und falsch verstandener Liebe.
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Tatort im niederländischen Arnheim: "Unbegreiflich und unbeschreiblich"
Als die Urteile gesprochen waren, hörte man Chun Nam Hau leise seufzen. Seine Tochter ist tot, ermordet von einem Jugendlichen, einziger Grund: Sie soll auf Facebook Gerüchte verbreitet haben.

Winsie Hau, 15, wurde im Januar an ihrer Haustür im niederländischen Arnheim von Jinhua K. niedergestochen und starb später im Krankenhaus. Ihr Vater wurde mit mehreren Messerstichen verletzt. Der heute 15-jährige Jinhua wurde wegen Mordes bereits Anfang September verurteilt.

Beauftragt wurde er von seinen Freunden, dem Teenager-Pärchen Wesley und Polly. Ein Gericht in Arnheim hat sie nun wegen Anstiftung zum Mord verurteilt; zu zwei Jahren Jugendhaft und der Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung, nach dem Jugendstrafrecht ist das die Höchststrafe.

"Ich musste sie zufriedenstellen"

Der Fall sorgte als "Facebook-Mord" international für Aufsehen, weil er zeigte, wie soziale Medien zum Verstärker für Gefühle werden können. Aus bloßem Geschwätz war ein Mord geworden. Es ist nicht nur ein Fall von großem Hass - sondern auch von großer Liebe, die zwei Jugendlichen komplett den Verstand raubte, mit fatalen Folgen.

Wesley, heute 18, erklärte laut Lokalmedien vor zwei Wochen dem Gericht, er habe alles im Auftrag seiner Freundin Polly getan. "Ich musste sie zufriedenstellen", erklärte er, "sonst hätte sie Schluss gemacht." Er habe sich die Haare für sie blond gefärbt und einen Ohrring stechen lassen. Er sollte erzählen, Mitglied der Mafia zu sein, weil Polly das cool fand.

Total verliebt sei er damals gewesen, sagte Wesley. Jetzt sei er das nicht mehr. "Sie ist ein schlechtes Mädchen." Sie habe gekifft und viel getrunken, habe andere angeschrien. Im Januar, kurz vor dem Mord, habe er die Beziehung beenden wollen. "Aber dann hat sie versucht, sich die Pulsadern aufzuschneiden." Er habe ihr helfen wollen - aus Liebe.

Gemeinsam haben Wesley und Polly zwischen November 2011 und Januar den Mord geplant. Polly habe Informationen über ihre Freundin gesammelt, wann sie wo ist, dass sie am vereinbarten Tag um 14 Uhr Klavierstunde habe. Sie hielten alles auf einem Zettel fest, den Wesley an Jinhua weitergab - "weil der immer ein Messer dabei hat", so seine Erklärung. Am 14. Januar fuhr Jinhua nach Arnheim, klingelte an der Tür und stach zu.

Ein "lächerliches Urteil", so der Vater

"Wesley und Polly haben mit Absicht gehandelt", verlas die Richterin am Montag. "Die beiden waren die Initiatoren, die Organisatoren des Mordes an Winsie Hau." Wer dazu die Idee hatte, spiele keine Rolle. Die Richter befanden sowohl Wesley als auch Polly für schuldig.

"Dass eine Mädchenfreundschaft umschlagen kann in so tiefen Hass, ist unbegreiflich und unbeschreiblich", befindet das Gericht. Zwischen Winsie und Polly hatte es Streit gegeben, weil Winsie über ihre Freundin im Internet gelästert habe. Die Fernsehsendung "Nieuwsuur" rekonstruierte den Mord, sprach mit anderen Freundinnen und veröffentlichte die Facebook-Nachrichten. Winsie soll demnach über Polly geschrieben haben: "Oh mein Gott, wie schlampenhaft kann man sein."

Am Ende des Streits war Winsie tot, die Beziehung zwischen Polly und Wesley zerbrach, drei Jugendliche sitzen in Haft - und der Vater trauert, weil er seine Tochter "für nichts" verloren hat, wie er selbst sagt. Das heutige Urteil findet Chun Nam Hau "lächerlich". Gehofft hatte er, dass die beiden Anstifter nach dem Erwachsenenstrafrecht verurteilt würden. "Ein rabenschwarzer Tag" sei heute, sagte er nach dem Urteil.

Jennifer Nicholson vom Gericht in Arnheim sagte, sowohl Polly als auch ihr Freund seien für ihr Alter um Jahre unterentwickelt, was Gefühle und Mitgefühl angeht. "Sie konnten die Folgen nicht abschätzen."

Angehörige und Freunde des Opfers hatten vor einigen Tagen den Journalisten von "Nieuwsuur" ein Video von der Abschiedsfeier gezeigt. Die Clique lässt ein Licht in den Himmel steigen. Auf dem Handy-Video zu sehen: Die Auftraggeberin Polly, wie sie mit den anderen um Winsie trauert.