Frankreichs Staatskasse ist leer. Bei den Gesundheitsausgaben, bei der Sozialversicherung, an vielen Stellen müssen Defizite ausgeglichen werden. Eine Erhöhung der Biersteuer soll deshalb 480 Millionen Euro zusätzlich in die Staatskasse spülen.
© AFP ImageForum
Die Brauerei Meteor im elsässischen Hochfelden.
Strassburg. Das hat in dieser Woche die Pariser Nationalversammlung beschlossen. Der Protest aus dem Elsass, der wichtigsten französischen Bierbrauerregion des Landes, war vergeblich.

Michel Haag, dem Generaldirektor der elsässischen Brauerei Meteor, geht so viel Ungerechtigkeit deutlich zu weit. "Warum um alles in der Welt soll die Bierbranche plötzlich mehr Steuern zahlen, Wein und hochprozentige Alkoholgetränke hingegen bleiben verschont?" Haags Brauerei in Hochfelden nördlich von Straßburg mit einer Jahresproduktion von 500 000 Hektoliter schuldet dem Fiskus bei einem Jahresumsatz von 38 Millionen Euro fortan nicht mehr nur 4,5 Millionen Euro. Die Rechnung dürfte in Zukunft auf satte zwölf Millionen Euro lauten. Pro Bier (0,25 cl) schlägt der Preis im Verkauf um fünf Cent auf. Die Mehrwertsteuer von derzeit 19,6 Prozent für Bier bleibt indes unverändert.

Am Donnerstag, dem Tag der Abstimmung, gingen die Mitarbeiter von Meteor auf die Straße, weil sie um ihre Arbeitsplätze fürchten. "Uns allen ist klar, dass die Regierung Geld braucht", sagt Alain Daeffler, Finanzchef von Meteor, "aber wir verlangen, dass die Lasten auf alle gleich verteilt werden."

Dass Wein, mit einem Anteil von 52 Prozent am Alkoholkonsum in Frankreich gegenüber 17 Prozent für Bier, eine größere Lobby hat, stößt im Elsass, das traditionell Wein- und Bierregion zugleich ist, auf Unverständnis. Weil hier fast 60 Prozent des französischen Biers gebraut werden, ist die Region zudem stärker betroffen als jede andere. Das sahen auch jene 91 Abgeordneten aus dem gesamten Parteienspektrum so, die im Vorfeld der Abstimmung versuchten, Druck auf die Regierung auszuüben.

"Bei den Betroffenen handelt es sich um Grenzregionen", warnte der konservative Abgeordnete Gérard Darmanin. "Wenn Belgien und Deutschland ihr Steuerniveau beibehalten, wird die Konkurrenzsituation noch verschärft." Philippe Bies, der elsässische Interessen aufseiten der Sozialisten in der Nationalversammlung vertritt, verteidigte die Biersteuer: "Frankreich liegt bei den Steuersätzen auf Bier im europäischen Vergleich ganz und gar nicht an der Spitze." Ohnehin dürfte der Grenzverkehr nur einen geringen Teil des Verbrauchs ausmachen.

Aber die Branche steht insgesamt unter Druck. Zwei Drittel des in Frankreich getrunkenen Biers werden im Land selbst produziert. In den vergangenen Jahren machten insbesondere im Elsass Brauereischließungen und Stellenabbau Schlagzeilen. Meteor trotzte, abgesehen von Kleinbrauereien, die sich auf Spezialitäten konzentrieren, als Einzige den Übernahmen durch Branchenriesen wie Heineken und Carlsberg und beschäftigt seit Jahren konstant 200 Mitarbeiter.

Vom ursprünglichen Entwurf ist die Regierung unter Premier Jean-Marc Ayrault immerhin in einem Punkt abgerückt. Kleinere Betriebe mit einer Jahresproduktion von unter 200 000 Hektoliter sollen von der Steuererhöhung ausgenommen werden. "Das allein verringert allerdings den Schaden nicht, den die Biersteuer in der Branche anrichtet", räumt Eric Trossat von der Brauerei Uberach im Nordelsass ein, die just von dieser Einschränkung profitiert. Pascal Chèvrement vom französischen Brauereiverband meint: "Unsere Einwände stellt das nicht infrage: In den großen Brauereien stehen auch viele Arbeitsplätze auf dem Spiel."