Die bekannte Hackergruppe Anonymous plant als Reaktion auf den Ausfall des Internets in Syrien Angriffe auf die Internetseiten der syrischen Regierung weltweit. Zwei Tage lang waren alle Internetdienste, Mobiltelefonnetze und viele Festnetztelefone abgeschaltet. In einer Twitter-Kurzmeldung von Anonymous hieß es am Freitag: »Die syrische Regierung kappt landesweit den Internetzugang - Anonymous geht auf den Kriegspfad.«
Guy Fawkes Maske, Anonymous
© Rob Kints/Shutterstock
Anonymous fand auch schnell einen Namen für seine neue Kampagne: »Opsyria« . Um 2:00 Uhr GMT (Greenwich Mean Time) begannen sie damit, alle noch im Internet erreichbaren Internetportale und -seiten der syrischen Regierung vom Netz zu nehmen. Nachdem der Internetzugang in Syrien abgeschaltet worden war, richteten sie ihre Angriffe auch gegen Internetdomänen, die von Anhängern der syrischen Regierung betrieben werden.

Zu den syrischen Einrichtungen und Unternehmen, die von Anonymous gehackt wurden, gehören die syrische Eisenbahn, das syrische Parlament, das syrische Fernsehen und die syrische Botschaft in China. Darüber hinaus gelang es den Hackern, ein Gigabyte vertraulicher Memoranden und E-Mails des syrischen Außenministeriums in ihren Besitz zu bringen. Darunter befinden sich Einzelheiten über Bargeldladungen aus Russland und Waffenlieferungen aus der Ukraine, die Anonymous in Netz stellt, um sie der weltweiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Hackerangriffe seitens dem syrischen Regime nahestehender Kräfte, die zuvor Server von Al-Dschasira und der Nachrichtenagentur Reuters angegriffen hatten, ließen in den letzten Tagen spürbar nach. Dies geht, so berichtet das mit Online-Sicherheit befasste Internetportal Security Week, auch auf den Blackout des syrischen Internets zurück. Es ist allerdings aufgrund des Internet-Blackouts praktisch unmöglich, viele dieser Behauptungen zu überprüfen.
Um den syrischen Internet-Blackout zu umgehen, wurde das gleiche Twitter-Konto »Speak2Tweet« wieder geöffnet, das von Google und Twitter vor knapp zwei Jahren eröffnet wurde, als in Ägypten der Internetzugang gekappt worden war.

Google und Twitter haben Einwahlnummern veröffentlicht, über die sich Internetnutzer in Syrien zumindest solange wieder ins Internet einwählen können, wie die Festnetzleitungen offen sind. Nach Angaben der Technik-Internetseite Next Web kann darüber jeder, der über eine Sprachverbindung verfügt, wieder über Twitter kommunizieren. Sollte allerdings das gesamte syrische Telefonnetz abgeschaltet werden, wären auch diese Einwahlnummern nicht mehr benutzbar.

Korrespondenten der französischen Nachrichtenagentur AFP berichteten, die Telefonverbindungen sowohl über Handy als auch über das Festnetz seien zwar in der syrischen Hauptstadt Damaskus unterbrochen, im Rest des Landes aber noch offen. »Es ist derzeit sehr schwierig, Menschen per Telefon zu erreichen. Aber uns wurde berichtet, dass es möglich sei, zwischen bestimmten Regionen über Festnetzleitungen zu kommunizieren«, erklärte Rami Abdul-Rahman, Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Auch auf die Internetseite der offiziellen staatlichen syrischen Nachrichtenagentur SANA konnte zeitweise nicht mehr zugegriffen werden, und die Nachrichtensendungen konnten noch am Freitag nicht wieder ausgestrahlt werden. Allerdings behauptet das syrische Staatsfernsehen, das immer noch senden konnte, nicht das ganze Land sei vom Ausfall betroffen gewesen.

Die syrische Opposition nutzt das Internet und die Mobiltelefonnetze in hohem Maße, um untereinander zu kommunizieren und ihre Sicht der Dinge vor Ort in Syrien international zu verbreiten.

Nach Ansicht von Internetexperten muss man aufgrund der Art und Weise, wie das Internet in Syrien abgeschaltet wurde, davon ausgehen, dass die Regierung und nicht die alles andere als homogene Opposition dahinter steht. »Syrien verfügt über vier Kabelverbindungen, die das Land mit dem Rest der Welt verbinden. Bei dreien davon handelt es sich um Unterwasserkabel, die in der an der Mittelmeerküste gelegenen Stadt Tartus (etwa 65 Kilometer nördlich von Tripolis) das Land erreichen. Das vierte Kabel ist ein Überlandkabel, das über die Türkei verläuft. Um die Internetverbindungen im ganzen Land abzuschalten, müssten alle diese vier Kabel gleichzeitig unterbrochen werden«, erklärte das auf Internet-Sicherheit spezialisierte Unternehmen Cloudfare in einem Internetblog.


Quelle:
RussiaToday