Die amerikanische CIA gilt vielen als Geheimdienst, aber man sollte nicht vergessen, dass sie auch eine wichtige Rolle bei der Durchführung verdeckter Operationen spielte, die den Interessen der Finanzelite dienten.
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Dieser Vorwurf wird durch die Ursprünge der CIA aus Elitekreisen, ihre gut dokumentierten Verbindungen zur Wall Street und ihre schmutzige Geschichte voll von Mordanschlägen, Putschen und dem Schüren von Bürgerkriegen untermauert. Die CIA und die Finanzelite verfügten immer über gemeinsame Ziele und Interessen und hatten sozusagen den gleichen »sozialen und familiären« Hintergrund. Diejenigen, die später in Führungspositionen in Langley arbeiteten, hatten oft an denselben Universitäten studiert, gehörten denselben Verbindungen an und besuchten dieselben Clubs und Partys wie die Elite der Wall Street. Auch aus diesem Grund bezeichnet man die Welt der Geheimdienste oft als »Old Boy Network«, oder wie man hier sagen würde, als »alte Seilschaften«.

Ein gutes Beispiel für diesen Zusammenhalt ist der Werdegang und die Karriere von Allen Welsh Dulles (1893-1969). Dulles [stammte aus einer Diplomatenfamilie und] arbeitete während des Zweiten Weltkriegs als Mitarbeiter des amerikanischen Geheimdienstes Office of Strategic Services (OSS), dem Vorläufer der CIA [u.a. in Bern]. Darüber hinaus war er Seniorpartner der Rechtsanwaltskanzlei Sullivan & Cromwell, die über enge Verbindungen zur Wall Street verfügte und verschiedene amerikanische Großkonzerne in rechtlichen Fragen beriet, und gehörte dem Vorstand der international tätigen Investmentbank J. Henry Schroeder an. [Zu seinen Mandanten gehörte auch u.a. Mohammed Reza Pahlewi, der spätere Schah von Persien.] Seine internationalen Geschäfte führten während seiner Zeit als CIA-Direktor von 1953 bis 1961 zu zahllosen Interessenkonflikten.

Als Dulles damit beauftragt wurde, einen Vorschlag zum Aufbau der Organisation zu erarbeiten, die später als Central Intelligence Agency bekannt wurde, setzte er eine Beratergruppe aus einem halben Dutzend Personen ein, die alle Wall-Street-Bankiers oder -Rechtsanwälte waren. Ursprünglich wollte Dulles bereits 1949 als »Director of Central Intelligence« (DCI) Chef der CIA werden, aber als sich der damals amtierende Präsident Harry S. Truman bei den Präsidentschaftswahlen 1948 gegen den republikanischen Gouverneur von New York, Thomas Dewey, durchsetzte - dessen Redenschreiber Dulles war - , gerieten seine Pläne erst einmal ins Stocken.

Interessenkonflikte dieser Art existierten innerhalb der Geheimdienste seit ihren Anfängen. Während des Zweiten Weltkriegs rekrutierte das OSS seine Mitarbeiter fast ausschließlich aus den Eliteuniversitäten und Unternehmensvorständen. Die internationale Geschäftstätigkeit vieler amerikanischer Großunternehmen, insbesondere in der Versicherungs- und Erdölbranche, ließ diesen Personenkreis bestens für die Sammlung von Informationen und andere geheimdienstliche Aufgaben geeignet erscheinen. Diese engen Verflechtungen wurden mit der Gründung der CIA 1947 nach dem Krieg beibehalten und institutionell verfeinert.

In der Zeit des Kalten Krieges verschafften amerikanische Unternehmen CIA-Agenten routinemäßig falsche Identitäten, stellten ihnen finanzielle Mittel sowie andere Ressourcen zur Verfügung und stellten Kontakte ins Ausland her. Die CIA revanchierte sich ihrerseits dadurch, dass sie den Konzernen millionenschwere Aufträge zuspielte und sie vor der Presse schützte, indem sie »nationale Sicherheitsinteressen« vorschob, amerikafreundliche Marionettenregime an die Macht brachte und, falls erforderlich, aufmüpfige ausländische Regierungen stürzte.

Unter der Führung von Dulles kam es zu zwei wichtigen verdeckten Operationen seitens der CIA, die sehr gut illustrieren, wie die CIA die Interessen der Wirtschaft förderte.

1953 stürzte die CIA in Zusammenarbeit mit dem britischen Geheimdienst MI6 unter dem Vorwand, es drohe eine kommunistische Machtübernahme, die demokratisch gewählte iranische Regierung unter Ministerpräsident Mohammad Mossadegh. Aber diese Bedrohung war frei erfunden. Die Sowjetunion hatte sich 1945 aus dem Land zurückgezogen, und die iranische kommunistische Tudeh-Partei war geschwächt und überhaupt nicht in der Lage, die Macht an sich zu reißen.

Der wirkliche Grund für den Sturz Mossadeghs, der die noch junge Demokratie des Iran im Keim erstickte und stattdessen den diktatorisch regierenden Schah an die Macht brachte, war die Absicht des Ministerpräsidenten, die Erdölwirtschaft wieder zu verstaatlichen. Diese Politik hätte zwar die erhofften Gewinne der britischen und amerikanischen Erdölkonzerne zunichte gemacht, stellte aber in keiner Weise eine Bedrohung der Sicherheit der Vereinigten Staaten dar.

Auch der von der CIA 1954 herbeigeführte Sturz der ebenfalls demokratisch gewählten Regierung von Jacobo Árbenz Guzmán in Guatemala wurde mit dem Kampf gegen den Kommunismus gerechtfertigt. Aber auch in diesem Fall gab es keine reale kommunistische Bedrohung. Die Regierung Árbenz war mit dem amerikanischen Unternehmen United Fruit [später Chiquita Brands Int.] aneinandergeraten, als sie eine Landreform durchsetzte, die Entschädigungsleistungen aus dem immensen Vermögen des Unternehmens vorsah. Die CIA warf Árbenz vor, Kommunist zu sein, inszenierte einen Putsch, der zu seinem Sturz führte, und setzte an seiner Stelle den brutalen Diktator Oberst Castillo Armas als Machthaber ein. Diese Operation wurde von der CIA und dem Vorstand von United Fruit als eindeutiger Erfolg gefeiert, erwies sich aber für die Bevölkerung Guatemalas als verheerende Katastrophe, da diese Ereignisse einen 40 Jahre andauernden Bürgerkrieg nach sich zogen.

Wie zu erwarten war, hörten diese wirtschaftlichen Interessen dienenden verdeckten Operationen der CIA keineswegs auf, als Dulles 1961 aus dem Amt schied.

Zwölf Jahre später, 1973, war die CIA wiederum führend daran beteiligt, einen gewählten Regierungschef zu stürzen - diesmal in Chile und der Präsident hieß Salvador Allende. Allende hatte es sich im Zusammenhang mit der Verstaatlichung wichtiger wirtschaftlicher Bereiche des Landes, wie etwa den Kupferbergwerken und den Telefongesellschaften, mit der amerikanischen Finanzelite verdorben. Die CIA reagierte mit einem Putsch, in dessen Verlauf Allende getötet und General Augusto Pinochet an die Macht gebracht wurde. Pinochets brutale Diktatur hielt sich 15 weitere Jahre. Während dieser Zeit wurden Tausende politischer Gegner und deren Familien gefoltert und ermordet.

1987 erklärte der frühere CIA-Resident in Angola, John Stockwell, die CIA sei seit ihrer Gründung für einige Zehntausend verdeckte Aktionen und Destabilisierungsoperationen verantwortlich. Seiner Schätzung nach seien bei diesen verdeckten CIA-Operationen mehr als sechs Millionen Menschen ums Leben gekommen. Der frühere Mitarbeiter des US-Außenministeriums und Autor William Blum bezeichnete dies als »amerikanischen Holocaust«.

Dabei kann es kaum überraschen, dass dieses Bündnis zwischen Geheimdiensten und Wirtschaftsinteressen zu solchem Unheil, Chaos und Blutvergießen überall auf der Welt führte. Geheime Operationen im Namen der »nationalen Sicherheit« ermöglichten es sowohl der CIA als auch der amerikanischen Wirtschaft, sich ihrer Verantwortung zu entziehen, sich über das Gesetz zu stellen und so ihren Macht und ihre Profite zu vergrößern.

Darüber hinaus lieferte die Destabilisierung so genannter Dritte-Welt-Länder den Abteilungen für verdeckte Operationen, die sich selbst als »Fun-and-Games Branch«, also etwa »Abteilung für Spiel und Spaß«, bezeichneten, ein breites Operationsfeld. In den verschiedenen Krisenregionen blühten zur Freude der westlichen Geheimdienste der Waffen- und der Drogenhandel. Diese Konflikte hatten nichts mit »nationaler Sicherheit« zu tun, aber sie sorgten dafür, dass die Agenten was zu tun hatten und verschafften einigen wenigen Waffenhändlern riesige Gewinne. Und wenn Millionen von Menschen darunter zu leiden hatten und ihr Leben in sinnlosen Kämpfen ließen, hieß es: »C’est la guerre! So ist der Krieg eben!« 

Der ehemalige CIA-Agent Philip Agee, der später mit seinem Buch CIA Intern. Tagebuch 1956 - 1974 eines der ersten Enthüllungsbücher über die CIA verfasste, machte diese aufschlussreiche Beobachtung:
 »Für die Menschen, die für sie arbeiten, heißt die CIA nur ›The Company‹. Diese Big-Business-Mentalität durchdringt alles. Mitarbeiter werden als ›Assets‹, als ›Aktivposten‹ bezeichnet. Und über denjenigen, der die Abteilung Vereinigtes Königreich (UK) leitet, sagt man, er verfüge über das ›UK-Konto‹...

Die amerikanischen multinationalen Großkonzerne haben überall auf der Welt ihre ungeheuren Beteiligungen und Interessen aufgebaut, und man kann sicher sein... wo immer man auf amerikanische Geschäftsinteressen stößt, ist die CIA nicht weit... Die multinationalen Konzerne wollen einen friedlichen Status quo in den Ländern, in die sie investiert haben, denn nur dann verfügen sie über einen ungestörten Zugriff auf billige Rohstoffe, billige Arbeitskräfte und stabile Märkte für ihre Endprodukte. Auch den Bankiers ist ein solcher Status quo angenehm, denn ihr Geld bleibt sicher und vermehrt sich. Und natürlich sind auch die kleinen herrschenden Cliquen, die die CIA im Ausland unterstützt, Nutznießer des Status quo, denn sie sind nur daran interessiert, sich selbst an der Spitze der sozioökonomischen Pyramide und die Mehrheit ihrer Bevölkerungen unten zu halten. Aber ist Ihnen klar, was es in den meisten Teilen der Welt bedeutet, ganz unten in der Gesellschaft zu leben? Unwissenheit, Armut und oft den Tod durch Verhungern oder Krankheit.« 
Während des Kalten Krieges diente die CIA den Interessen der Finanzelite, indem sie die militärische Stärke der Sowjetunion künstlich aufbauschte. Diese massiven Fehleinschätzungen sicherten die Zustimmung des Kongresses für immer höhere Militär- und Rüstungsausgaben, was die Gewinne des militärisch-industriellen Komplexes vervielfachte.

Nach dem Ende des Kalten Krieges stand die CIA auf einmal ohne Gegner da und musste schnell ein neues Aufgabengebiet aus dem Ärmel schütteln: die Wirtschaftsspionage. Der Journalist Robert Dreyfuss schrieb dazu:
 »Nach Ende des Kalten Krieges wurde in Washington ausführlich darüber diskutiert, die CIA zur Wirtschaftsspionage einzusetzen. Lässt man die Beschönigungen einmal beiseite, so bedeutet Wirtschaftsspionage nichts anderes, als dass amerikanische Agenten ausländische Unternehmen wie Toyota, Nissan und Honda ins Visier nehmen und dann gestohlene Geschäftsgeheimnisse und Technologien an die amerikanischen Unternehmensvorstände weitergeben würden.« 
Das Vorgehen der CIA ist aber beileibe keine amerikanische Erfindung, sondern geht mindestens bis in die Zeiten der britischen Ostindiengesellschaft zurück und gehört zum »großen Spiel« der Weltmächte. Allen, die tiefere Einsichten darein gewinnen wollen, wie dieses »Spiel« gespielt wird, empfehle ich die Bücher Family of Secrets: The Bush Dynasty, America's Invisible Government, and the Hidden History of the Last Fifty Years von Russ Baker und Bekenntnisse eines Economic Hit Man: Unterwegs im Dienst der Wirtschaftsmafia von John Perkins.