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Pflegende Kinder sind im Schnitt 12,5 Jahre und leiden stärker als ihre Altersgenossen unter gesundheitlichen Problemen

Wien - In Österreich pflegen 3,5 Prozent der Fünf- bis 18-Jährigen in Österreich einen Angehörigen - und schweigen meist darüber: "Ich hab sehr lange gar nicht darüber sprechen können. Ich hab eigentlich immer dann zum Weinen angefangen, wenn ich über meine Mutter geredet habe", wird eine Person, die als Kind die Mutter umsorgt hat, in der Studie zur Situation pflegender Kinder in Österreich zitiert. Das Institut für Pflegewissenschaften der Uni Wien hat die Untersuchung diese Woche fertiggestellt.

Das pflegende Kind als "Mädchenphänomen"

"Die Verborgenheit der Situation hat mich überrascht", sagte Studienleiter Martin Nagl-Cupal am Freitag zu den Ergebnissen. 42.700 Kinder und Jugendliche in Österreich sind der Studie zufolge in die Pflege Angehöriger involviert, doch sie reden kaum darüber - "entweder aus Scham oder weil es einfach als normal empfunden wird".

Die Studie zeigt: Ein pflegendes Kind ist im Durchschnitt 12,5 Jahre alt, hilft häufiger im Haushalt als Kinder, die nicht in der Pflegesituation sind. Es leidet öfter an Kopf- oder Rückenschmerzen, an Schlafproblemen oder unter teils existenziellen Ängsten. Migrationshintergrund, Haushaltseinkommen, Stadt- oder Landsituation spielen laut Nagl-Cupal kaum eine Rolle.

Deutlich sichtbar ist aber: "Es ist ein Mädchenphänomen." 70 Prozent der jungen Pflegenden sind Mädchen. Die sich kümmernden Kinder erhalten oft vom anderen Elternteil Hilfe, manchmal von Geschwistern, selten von außen.

Sozialminister redet im Jänner mit Experten

Daran will das Sozialministerium, das die Studie in Auftrag gegeben hat, demnächst etwas ändern. Minister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) möchte in der zweiten Jännerhälfte mit Experten und Organisationen zusammentreffen, um über entsprechende Maßnahmen für pflegende Kinder zu beraten. Niederschwellige Beratungseinrichtungen und ein Online-Angebot seien denkbar, sagte er am Freitag im Ö1-Gespräch.

Bis Frühling soll es zumindest ein ambulantes Angebot geben. Die Diakonie teilte in einer Aussendung mit, mit "superhands" bereits vor einigen Monaten eine Internetplattform speziell für junge Pflegende geschaffen zu haben - die allerdings auf private Spenden angewiesen ist. Pflegefit-Workshops des Jugendrotkreuzes gibt es seit März 2012, diese haben bisher knapp 1000 Schüler absolviert.