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Jimmy Savile
Es ist Großbritanniens größter Missbrauchsskandal: Jahrzehntelang verging sich BBC-Kultmoderator Jimmy Savile systematisch an über 200 Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Seine wohl widerlichste Tat: Unter seinen Opfern soll auch ein elfjähriger Junge sein - der in einem Krankenhaus im Sterben lag.

Die Missbrauchsfälle des pädophilen Radiomoderators Jimmy Savile erschüttern Großbritannien, immer neue Details kommen dabei heraus: Nun ist einem polizeilichen Bericht zu entnehmen, dass Savile in seinem perversen Treiben nicht einmal vor sterbenden Kindern Halt gemacht hat.

Die britische Boulevard-Zeitung The Sun berichtet in ihrer Onlineausgabe, dass Savile einen elfjährigen Jungen, der in einem Londoner Kinderkrankenhaus im Sterben lag, sexuell missbraucht haben soll. Das Opfer vertraute sich noch vor seinem Tod einem Angehörigen an, so die Zeitung weiter. Dieser Angehörige meldete sich nach der Enthüllung des Missbrauchsskandals bei der Polizei.

Mindestens 214 Straftaten

Am Freitag veröffentlichte die Polizei einen Untersuchungsbericht, der das gigantische Ausmaß der Verbrechen von Savile enthüllt. Demnach hat der 2011 gestorbene Savile, der als Moderator der BBC-Sendung „Top of the Pops“ auch international bekanntwurde, mindestens 214 Straftaten begangen. Es ist der wohl größte Missbrauchsskandal, von dem Großbritannien je erschüttert wurde.

Insgesamt hatten sich 450 Menschen bei der Polizei gemeldet, die Savile missbraucht haben soll. Nicht alle wurden von der Polizei vernommen. In fast drei Viertel der Fälle waren die Opfer zum Tatzeitpunkt noch Jugendliche. „Saviles Profil als Täter ist riesig, opportunistisch und ausbeuterisch“, heißt es in dem Bericht. Er habe sich seine Prominenz für seine Taten zunutze gemacht.

Verurteilung? Nur posthum

Der Moderator starb 2011 und kann nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden. Die Polizei untersucht Vorwürfe von 150 weiteren potenziellen Opfern und ermittelt auch gegen andere Tatverdächtige - teils Saviles Umfeld. Mindestens acht Männer waren in den vergangenen Wochen unter dem Vorwurf sexueller Straftaten vorläufig festgenommen, dann aber gegen Kaution wieder freigelassen worden. Die Affäre war von der BBC lange Zeit verschwiegen und erst am 4. Oktober vergangenen Jahres vom Konkurrenzsender ITV in einer Dokumentation ans Licht gebracht worden. Als dies bekanntwurde, musste der damalige BBC-Generaldirektor George Entwistle gehen. Die Affäre erschütterte die BBC bis ins Mark. Die Sendeanstalt bangt um ihren Ruf. Es soll untersucht werden, wie eine der bekannteste Fernsehfiguren des Landes so lange unerkannt - oder gar von Kollegen gedeckt - sein Unwesen treiben konnte. „Er hat ein Doppelleben geführt“, sagte Ermittler Spindler.

jr/dpa