Das ZDF gibt zu, Pressematerial eines PR-Netzwerkes gegen "russische Propaganda" zu benutzen, das die Kiewer Regierung mittels einer Image-Kampagne unterstützen soll.

claus kleber, zdf
Das ZDF sieht schlecht auf dem Zweiten... Auge!
Das Ukrainian Crisis Media Center

Das ZDF arbeitet in seiner Berichterstattung über die Ukraine-Krise eng mit dem Ukrainian Crisis Media Center (UCMC) zusammen: einem internationalen PR-Netzwerk gegen "russische Propaganda".

Finanziert wird die PR-Kampagne u.a. von George Soros, der ukrainischen Übergangsregierung und einer ukrainischen Tochtergesellschaft von Weber Shandwick, dem weltweit führenden PR-Unternehmen.

Ziel des Ukrainian Crisis Media Center (UCMC):

Ziel des UCMC ist es, v.a. folgende Botschaften weltweit in der internationalen Presse zu verankern:
  • Die Ukraine ist Opfer einer "russischen Aggression",
  • die ukrainische Übergangsregierung ist legitim,
  • die Behauptung einer rechtsradikalen Gefahr ist Teil der russischen Propaganda,
  • der Verdacht, die Erschießungen von Polizisten und Demonstranten des Maidan seien im Auftrag der jetzigen Regierungskoalition geschehen, ist Teil der russischen Propaganda.
Das ZDF und das PR-Netzwerk des UCMC

Allein bis Mitte März hatten sich bereits 9oo ausländische Journalisten im UCMC angemeldet. Darunter auch das ZDF.

Das ZDF gibt in diesem Zusammenhang zu, dass sich die vielfältigen Angebote des UCMC für die Ukraine-Berichterstattung des ZDF "als sehr nützlich erwiesen haben". Dies bekennt Andreas Weise, Redaktionsmitglied des heute-journals, der für das heute-journal aus Kiew berichtet.

Folgende Angebote stellt das PR-Netzwerk des UCMC der internationalen Presse zum Kampf gegen "russische Propaganda" zur Verfügung:
  • tägliche Pressekonferenzen von Befürwortern der ukrainischen Übergangsregierung,
  • ausgewählte Interviewpartner, Übersetzer, ausgewähltes Video-Material, Stellungnahmen von regierungsnahen Künstlern und Akademikern wie etwa Historikern und anderen "Ukraine-Experten".
Politische Ausrichtung des Ukrainian Crisis Media Center

Kritiker der Übergangsregierung dürfen sich weder auf den täglichen Pressekonferenzen noch in anderen vom Media Center vermittelten Interviews äußern.

Das gilt für nationale Kritiker (die gesamte ukrainische Opposition) wie auch internationale Kritiker.

Dafür sorgt eine hierfür speziell eingerichtete Koordinierungsgruppe, die entscheidet, wer zu Wort kommt und welche Botschaften verbreitet werden.

Mitglied dieser Koordinierungsgruppe ist Nataliya Popovych, Präsidentin von PRP, der ukrainischen Tochtergesellschaft von Weber Shandwick und Gründungsmitglied des UCMC.

Entwaffnend ehrlich bekennt sie: "Ich bin stolz, als Bandera-Anhängerin" bezeichnet zu werden."

Die Koordination der Zusammenarbeit

Das UCMC hat eine Beobachtergruppe eingesetzt, die auf "false news" im Ausland sofort mit entsprechenden Maßnahmen reagiert. Der Begriff "false news" bezeichnet dabei sämtliche als russische Propaganda bewertete Kritik an der jetzigen Übergangsregierung.

Ein Beispiel der Zusammenarbeit des ZDF mit dem UCMC

Wie eng und vor allem schnell das ZDF mit dem Ukrainian Crisis Media Center zusammenarbeitet, zeigt sich am Beispiel des ZDF-heute-journals vom 13. März 2014:

Im Mittelpunkt steht ein berühmter Fall von "false news": Die Rede Gregor Gysis in der Bundestagsdebatte über die Ukraine-Krise am 13. März.

Auf die von Gysi u.a. geäußerte Kritik an der Zusammenarbeit der Bundesregierung mit Rechtsradikalen der Swoboda reagiert in Kiew die Beobachtergruppe sofort in Kooperation mit dem ZDF:

Auf der Pressekonferenz des Ukrainian Crisis Media Center lässt sie noch am selben Tag den Swoboda-ChefOleg Tjagnibok zu Gysis Faschismus-Vorwurf Stellung nehmen. Und genau diesen Ausschnitt der Pressekonferenz aus dem UCMC gibt Andreas Weise im heute-journal vom 13. März in einer Aufzeichnung aus dem UCMC wieder:
  • Die von Gysi zitierte Äußerung Tjagniboks sei 10 Jahre her,
  • die Äußerung sei ungenau zitiert,
  • alle negativen Aussagen über die Swoboda würden von Mitgliedern ehemals kommunistischer Parteien stammen.
Das ZDF als Sprachrohr der Swoboda?

Man beachte Folgendes:

Vor dieser Einspielung hatte das heute-journal einen Beitrag über eben diese Bundestagsdebatte zur Ukraine gesendet.

ZDF-Reporter Lars Seefeldt kommentierte dabei die Kritik der Linken folgendermaßen:
  • Die von Gysi angeführte Äußerung Tjagniboks sei 10 Jahre her,
  • die Äußerung Tjagniboks ungenau zitiert,
  • Sahra Wagenknecht - die Gysis Kritik teilte - sei eine "radikale Linke".
Zu 100 Prozent deckungsgleich sind die Aussagen des ZDF-Reporters Seefeldt mit der Stellungsnahme Tjagniboks, die das heute-journal dem Bericht über die Bundestagsdebatte am 13. März folgen ließ.

Das heute-journal vom 13. März zeigt anschaulich, wie - scheinbar in Form einer ausgewogenen Berichterstattung - Kritik seitens "Putin-Verstehern" (Zitat des ZDF-Reporters Seefeldt) an der Kiewer Regierung in den deutschen Medien zwar zu Wort kommt, zum Teil sogar von deren Vertretern selbst eingeräumt wird, aber nur um dieselbe Kritik sofort zu relativieren, zu entkräften und gemäß der Zielrichtung des UCMC als russische Propaganda zu kennzeichnen. Dies ließe sich auch anhand zahlreicher Beispiele aus dem weiteren Verlauf eben dieser Sendung belegen.

Es ist nicht auszuschließen, dass ein Großteil des vom ZDF zur Ukraine-Krise verwendeten Pressematerials (Übersetzungen, Interviews, Bild-und Videomaterial) vom UCMC vermittelt wird.

So erklärt sich auch das, was weite Teile der deutschen Bevölkerung seit Wochen mit zunehmender Sorge beobachten: eine einseitige, emotionalisierende Berichterstattung, die auch vor Falschmeldungen nicht zurückschreckt.

In welchem Maße auch die ARD, Phoenix, aber auch die privatwirtschaftlich betriebenen Medien in dieses PR-Netzwerk eingebunden sind, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht sicher beurteilt werden.

Quellen des Artikels:

ZDF Heute Journal
  • "Comms volunteers form Ukraine Crisis Media Center to counter Russia", prweek.com vom 06. März 2014
  • "PR gets trodden underfoot as sands shift in Ukraine", prweek.com vom 07. März 2014
  • "Ukrainian comms pros launch crisis media center as russian offensive proceeds", mediabistro vom 07. März 2014
  • "Ukrainian PR executives create crisis media center to combat Russian propaganda", kyivpost.com vom 09. März 2014
  • "Inside fledgling Ukraine Crisis Media Center", prweekus.com vom 13. März 2014
  • "Crisis Media Center springs into action", kyivpost. com vom 14. März 2014