Normalerweise geht man nicht davon aus, dass ein primärer Brustkrebs (gemeint ist ein bösartiger Tumor in der Brust, der noch nicht gestreut hat) neurologische Probleme verursacht. Denn wie sollte es auch dazu kommen, wenn der Krebs noch nicht auf das Gehirn übergegriffen hat? Dennoch sehen sich die Forscher gezwungen, der Frage nachzugehen, weil sich in den letzten Jahren die Hinweise mehren, dass bei Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind, ein erhöhtes Risiko besteht, und zwar nicht nur von Problemen mit der Funktion des Gehirns, sondern mit tatsächlichen Veränderungen der Gehirnstruktur.
Mammographie
© Unbekannt
Laut einem soeben in der Novemberausgabe der Zeitschrift Archives of Neurology veröffentlichten Bericht ist vermutlich nicht der Krebs selbst, sondern vielmehr die Brustkrebsbehandlung - namentlich die Chemotherapie - die Ursache für die ganz erheblichen neurologischen Beeinträchtigungen, die bei Brustkrebspatientinnen beobachtet werden.

Dr. Shelli R. Kesler und Kollegen von der Standard University School of Medicine in Kalifornien haben in einer empirischen Studie untersucht, ob sich die Muster der Gehirnaktivität bei Brustkrebsüberlebenden, die chemotherapeutisch behandelt worden waren, von denen der Frauen unterschied, die keine Chemo erhalten hatten. Außerdem verglich das Forscherteam die Hirnaktivität dieser Brustkrebsüberlebenden mit der von gesunden Frauen, die nicht an Krebs erkrankt waren.

Insgesamt umfasste die Studie 25 Frauen mit Brustkrebs, die chemotherapeutisch behandelt worden waren, 19 Frauen mit Brustkrebs, die keine Chemo erhalten hatten, und 19 gesunde Frauen als Kontrollgruppe. Altersmäßig und in Bezug auf andere Variablen waren alle Probanden vergleichbar. Den Frauen wurden verschiedene Aufgaben gestellt, per Kernspintomografie ermittelten und dokumentierten die Forscher dabei die Aktivierung bestimmter Gehirnareale.

Bildgebende Verfahren zeigen Schädigung bestimmter Hirnareale

 »Bei Frauen mit Brustkrebs zeigte sich im Vergleich zur Kontrollgruppe eine erheblich eingeschränkte Aktivierung des dorsolateralen präfrontalen Cortex und des prämotorischen Cortex«, schrieben die Forscher in ihrem Bericht. »Die Gruppe der chemotherapeutisch Behandelten zeigte darüber hinaus im Vergleich zu den beiden anderen Gruppen eine deutlich eingeschränkte Aktivierung des linken caudalen lateralen präfrontalen Cortex sowie vermehrte immer wiederkehrende Fehler und eine verlangsamte Verarbeitung.« 

Was heißt das genau? Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass ein primärer Brustkrebs zwar zu einer messbaren Schädigung des Gehirns führen kann, dass sich die Chemotherapie aber deutlich negativ auf die Gehirnfunktion auswirkte. Die Schädigung durch die Chemotherapie trat häufiger bei älteren Frauen und bei Frauen mit geringerem Bildungsgrad auf.

 »Bei chemotherapeutisch behandelten Frauen können zusätzlich präfrontale Defizite auftreten, sie haben größere Schwierigkeiten, neurobiologische Veränderungen auszugleichen. So zeigten sie beispielsweise exekutive Funktionsstörungen«, bemerkten die Forscher abschließend.

Insbesondere Letzteres ist besorgniserregend, denn die exekutive Funktion ist ein entscheidender Teil der normalen Gehirnfunktion. Zur exekutiven Funktion gehört ein Arbeitsgedächtnis und Abrufbarkeit (die Fähigkeit, Fakten bei der Problembehandlung zu berücksichtigen und auf im Langzeitgedächtnis gespeicherte Fakten zurückzugreifen); Aufmerksamkeit und das Vermögen, Aufgaben zum Abschluss zu bringen; emotionale Kontrolle wie das Nachdenken vor dem Sprechen und Handeln; Selbstgespräche zur Verhaltenskontrolle sowie komplexe Problemlösung einschließlich von Analyse und Entwicklung neuer Ideen.

Quellen für diesen Artikel waren u. a.:

Archneur.ama-assn.org
Pubs.ama-assn.org
NaturalNews