
Kampanien und seine Vulkane
Die bis heute andauernde Drehung der italienischen Halbinsel führte im Westen zur Dehnung und Verdünnung der Erdkruste und letztendlich zur Bildung des Tyrrhenischen Beckens vor 7 - 8 Mio. Jahren. Darauffolgend senkte sich auch die tyrrhenische Küste ab und die Ebene von Kampanien entstand. Die dabei hervorgerufenen tiefen Störungen und Brüche in der Erdkruste erleichterten den Aufstieg von Magma aus dem oberen Erdmantel und der tieferen Erdkruste. Entlang der Küste bildete sich dadurch eine Reihe von Vulkanen.
Somma-Vesuv

Seit 25.000 Jahren erschüttern hoch explosive Ausbrüche des Somma-Vesuv die Region am Golf von Neapel. Sie folgen in der Regel langen Ruhephasen, die sich mit Zeiten geringerer Aktivität abwechseln. Während der Ruhephasen ist der Förderkanal des Vulkans geschlossen und aufsteigende Magma (Gesteinsschmelze) sammelt sich in einer 5 - 7 km tief liegenden, sich immer weiter ausdehnenden Kammer an, bis der Druckanstieg einen explosiven Ausbruch bewirkt, wie 79 n. Chr., als Pompeji und Herculaneum zerstört wurden. In Zeiten geringerer Tätigkeit fließt bei offenem Schlot Lava aus - so der Fall zwischen den weniger explosiven Eruptionen 1631 und 1944.
Seine bis heute typische Form erhielt der Vesuv bei der Eruption 79 n. Chr., als der Berg dabei geradezu in die Luft gesprengt wurde (s. Abb. 3). Innerhalb weniger Stunden begrub eine meterhohe Schicht aus Asche, Bimsstein und Schlamm die blühende Landschaft rund um den Vesuv (s. Abb. 4). Dieser Ausbruch ist der älteste von Augenzeugen dokumentierte Vulkanausbruch. Zwei Briefe, die Plinius der Jüngere 106 n. Chr. an den Historiker Tacitus schrieb, sind ein bedeutsamer und eindrücklicher Bericht über den Verlauf der Katastrophe. Plinius’ Beschreibungen lassen auf mehrere verschiedene vulkanische Prozesse während der Geschehnisse von 79 n. Chr. schließen, die durch die Untersuchungen der vulkanischen Ablagerungen in Pompeji und Herculaneum bestätigt wurden. Daher werden hoch explosive Eruptionen von der modernen Vulkanologie als »plinianisch« bezeichnet. Anhand eines Vergleichs der ausführlichen Briefe mit der Stratigraphie der vulkanischen Ablagerungen im Vesuv-Gebiet war es Vulkanologen möglich, die zeitliche Abfolge der verschiedenen Eruptionsphasen relativ genau zu rekonstruieren (s. Abb. 5). Momentan ruht der Vesuv. Nur Erdbeben an der Erdoberfläche und Dampfwolken (Fumarolen), die an den Flanken des Vulkans und aus dem Krater aufsteigen, erinnern an die tief im Erdinnern schlummernde Gefahr. Die Dauer dieser Ruhephase lässt sich nicht annähernd bestimmen. Seit dem letzten Ausbruch 1944 sind aber bereits mehr als 60 Jahre vergangen und der Schlot ist verschlossen - ein Indiz dafür, dass bei Wiedererwachen des Vesuv mit einem explosiven Ausbruch zu rechnen ist.

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- G. Orsi - L. Civetta - M. De Lucia
Der Somma-Vesuv: Ein Vulkan zwischen Urgeschichte und Geschichte, in: Harald Meller und Jens-Arne Dickmann (Hrsg.), Pompeji - Nola - Herculaneum - Katastrophen am Vesuv (München 2011) 24-35.
- M. Barth
Der Ausbruch des Vesuv 79 n. Chr., Chronologie einer Katastrophe, in: Harald Meller und Jens-Arne Dickmann (Hrsg.), Pompeji - Nola - Herculaneum - Katastrophen am Vesuv (München 2011) 73-81.






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