Troposphäre
© Natasha DeLeon-Rodriguez et al., gatech.edu
Probenentnahme in der Troposphäre.
In der mittleren und oberen Troposphäre, also in etwa 6 bis 10 Kilometern oberhalb der Erdoberfläche, haben US-Wissenschaftler bedeutende Mikrobenpopulationen entdeckt, die hier sogar das Klima beeinflussen könnten.

Atlanta (USA) - Während die Studie selbst laut den Forschern die erste ihrer Art sei, ist bislang noch nicht bekannt, ob die Mikroben die besagte Atmosphärenschicht tatsächlich von Natur aus bewohnen und sich hier von vorhandenen Kohlenstoffverbindungen ernähren, oder ob sie von der Erdoberfläche lediglich passiv hierher transportiert wurden und werden.

Die Mikroorganismen wurden im Rahmen der NASA-Mission Genesis and Rapid Intensification Processes (GRIP) in Proben aus der Troposphäre gefunden, die mit einem DC-8-Drohne sowohl über Land als auch über der Karibik und dem Atlantik während und nach den tropischen Wirbelstürmen "Earl" und "Karl" 2010 entnommen wurden.

Von der Erforschung dieser Lebewesen und ihres Lebensraumes erhoffen sich die auch von der NASA unterstützten Wissenschaftler neue Erkenntnisse darüber, ob diese Mikroben auch die Eisbildung in der Troposphäre und damit das Klima beeinflussen können. Zudem könnte das Studium der Bakterien für Modelle der Übertragung von Krankheiten nützlich sein.

Wie die Forscher um Kostas Konstantinidis, Natasha DeLeon-Rodriguez und Athanasios Nenes von der Georgia Institute of Technology aktuell im Fachjournal Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) berichten, fanden sich in den Über-Land-Proben vorwiegend irdische Bakterien, während die Proben, die über dem Meer mittels Filtern genommen wurden, vorwiegend marine Bakterien beinhalteten. Zudem konnten die Proben zeigen, dass die Stürme erheblichen Einfluss auf die Verteilung und Dynamik der Mikroorganismen hatten.
Bakterienprobe
© Gary Meek, gatech.edu
Natasha DeLeon-Rodriguez zeigt eine Bakterienprobe aus der Troposphäre.
Insgesamt machten die 17 von den Forschern bestimmten Bakterienarten rund 20 Prozent der in den Höhenschichten herausgefilterten Kleinstpartikel aus. Damit überstiegen sie deutlich die erwarteten Werte. Alle gefundenen Bakterien sind hinzu in der Lage von atmosphärischen Kohlenstoffverbindungen zu leben.

Aufgrund der unerwartet großen Menge der Mikroorganismen vermuten die Forscher nun, dass diese auch einen bislang ungeahnten Einfluss auf die Wolkenbildung haben könnten, in dem sie nichtbiologische Partikel, die sonst als Kerne der Kristallbildung dienen, ergänzen oder ersetzen. In die Troposphäre selbst, könnten die Bakterien durch die gleichen Prozesse gelangen, die auch Staub und Meersalz gen Himmel tragen.

Zudem, könnten sich die Bakterien in der Troposphäre wahrscheinlich sogar vermehren: "Für diese Organismen sind die dortigen Bedingungen wahrscheinlich gar nicht so unwirtlich, wie man annehmen könnte", erläutert Konstantinidis. "Ich wäre nicht überrascht wenn es in den Wolken aktives Leben und Wachstum geben würde - noch können wir dies aber nicht mit Sicherheit sagen." Weitere Untersuchungen sein nun notwendig um das Leben in der Atmosphäre und seine Konsequenzen besser verstehen zu können.


Quelle: gatech.edu