Eine Studie mit grönländischen Frauen gibt Hinweise darauf, dass perfluorierte Substanzen Brustkrebs auslösen. Eine Toxikologin fordert Aufklärung der Verbraucher.

STOCKHOLM taz | Sie stecken in Pizzakartons, Chipstüten und Backblechpapier, in Zahnseide, Lebensmittelverpackungen, Regenkleidung und Teflonpfannen. Perfluorierte Substanzen (PFC) weisen Fett und Wasser ab. Aber sie sollten nicht im menschlichen Körper landen.
Denn sie beeinflussen den Hormonhaushalt, stehen unter Verdacht für die Hyperaktivitätsstörung ADHD mitverantwortlich zu sein, können negativen Einfluss auf die Entwicklung des menschlichen Fötus haben und in Laborversuchen mit Ratten wurde ihr krebserregendes Potenzial konstatiert.

Eine jetzt in der Zeitschrift Environmental Health veröffentlichte Studie mit grönländischen Frauen hat nun erstmals gezeigt, dass diese Substanzen offenbar das Brustkrebsrisiko deutlich erhöhen.

Denn die perfluorierten Chemikalien gelangen in den menschlichen Körper. Sei es direkt über die zahlreichen alltäglichen Anwendungen und den Kontakt mit Lebensmitteln, sei es, weil sie über Gewässer und Kläranlagen in den Nahrungsmittelkreislauf geraten und so wieder aufgenommen werden

Und im Blut von an Brustkrebs erkrankten Frauen wurde ein doppelt so hoher Gehalt gewisser Typen von perfluorierten Stoffen gemessen als in einer Vergleichsgruppe von Nichterkrankten.
"Entgegen der bisherigen Annahme, dass diese PFC-Stoffe - weil nicht fettlöslich - im Körper nicht gespeichert werden und sich daher nicht anreichern, tun sie genau das", sagt Eva Cecilie Bonefeld-Jørgensen.

Die Professorin für Toxikologie und Leiterin des Zentrums für arktische Umweltmedizin an der dänischen Universität Aarhus leitete eine Studie, bei der sie zusammen mit Kollegen aus Kanada und Grönland grönländische Frauen untersuchte, bei denen Brustkrebs diagnostiziert worden war.

"Wir hatten damit gerechnet, hohe Gehalte an PCB und organischen Pestiziden zu finden", sagt Bonefeld-Jørgensen. "Und das war tatsächlich bei einem Viertel der untersuchten Frauen der Fall. Aber es waren die Werte an perfluorierten Stoffen, die bei allen Brustkrebserkrankten am deutlichsten aus dem Rahmen fielen."

Das habe nicht nur überrascht, sondern sei auch außerordentlich problematisch: "Schließlich finden sich diese in Produkten, die unseren Alltag sehr erleichtern und von denen sich also nun herausstellt, dass sie für unsere Gesundheit negative Konsequenzen haben können", so Bonefeld-Jørgensen

Größere Studien

Die Schwäche der Studie - auf die die Toxikologin auch selbst verweist: Mit 31 untersuchten Erkrankten und 115 Frauen aus einer Kontrollgruppe ist die statistische Unterlage sehr schwach. Als nächstes steht daher eine Studie mit an Brustkrebs erkrankten dänischen Frauen an.

Doch erscheint den Verfassern die jetzt gefundene Relation schon so deutlich, dass Bonefeld-Jørgensen als "logische Konsequenz" unbedingt zur Vorsicht beim Umgang mit PFC mahnt.

Was leichter gesagt als getan sei, weil hierzu die Produzenten oder auch die Gesetzgeber gefordert sind: "Wenn wir nun also wissen, dass die Verpackungen gesundheitsschädlich sein könnten, müssten die Verbraucher natürlich darüber aufgeklärt werden, was die enthalten", fordert die Wissenschaftlerin.

Zwar gebe es mittlerweile beispielsweise PFC-freies Backblechpapier und Imprägnierungsmittel, die nicht auf Fluor, sondern auf Wachs-Paraffin-Grundlage beruhten. Aber ansonsten habe man als Konsument "keine Chance" zu wissen, ob sich perfluorierte Stoffe in Verpackungsmaterialien oder Kleidung und Schuhen verstecken oder nicht, beklagt die Toxikologin.