Anhänger des Voodoo schwören auf die tatsächliche Wirkung von Flüchen und Zaubersprüchen und tatsächlich gibt es dokumentierte Fälle, in welchen eine zuvor verfluchte Personen unmittelbar darauf verstarben. Woran die Betroffenen tatsächlich verstorben sind, ist hingegen in den seltensten dieser Fälle nachzuweisen. Der Effekt, da sind sich Forscher indes sicher, funktioniert allerdings auch ohne Voodoo-Zauber und sprechen hierbei vom "bösen Zwillings des Placebo", dem so genannten Nocebo-Effekt.
Voodoo-Puppe
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Voodoo-Puppe (Illu.)
Nashville/ USA - Geht es um Voodoo, so genügt bei Gläubigen oft schon der in Anwesenheit des Opfers ausgesprochene Fluch, um diesen wahr werden zu lassen. Doch auch ohne direkten Zauberfluch kam es zu mysteriösen Todesfällen.

In seiner aktuellen Ausgabe berichtet der NewScientist beispielsweise von einem Fall aus den 1970er Jahren, als bei Sam Shoeman Leberkrebs im Endstadium diagnostiziert wurde und dem Patienten nur noch wenige Monate gegeben wurden. Tatsächlich verstarb Shoeman innerhalb der vorhergesagten Zeit. Die Autopsie belegte dann jedoch eine Fehldiagnose der Ärzte, war der Tumor doch in Wirklichkeit deutlich kleiner als angenommen, hatte im Gegensatz zur Diagnose der Ärzte noch nicht gestreut und war demnach auch deutlich weniger tödlich als vermutet. "Shoeman starb nicht am Krebs, er starb daran, zu glauben, dass er am diagnostizierten Krebs sterben werde", schlussfolgert Dr. Clifton Meador von der Vanderbilt School of Medicine in Nashville im US-Bundesstaat Tennessee.

Fälle wie der von Sam Shoeman, so Meador, sind Extremfälle eines weit verbreiteten Phänomens, wenn viele Patienten beispielsweise wahrscheinlich nur an schweren Nebenwirkungen von Medikamenten und Behandlungsmethoden leiden, weil ihnen zuvor von deren Möglichkeit berichtet wurde. Auch seien Personen, die davon überzeugt sind einer bestimmten Risikogruppe anzugehören, eher anfällig genau an diesen Risiken zu erkranken, wie weniger hypochondrisch Veranlagte.

Anhand umfangreicher Studien konnten Meador und Kollegen diesen Effekt, der als "Nocebo" (von lat. nocere „schaden“, nocebo „ich werde schaden“) bezeichnet wird, mittlerweile ebenso belegen, wie der vielfach beschworenen Placebo („ich werde gefallen“), der alleine durch die Behauptung der positiven Wirkung etwa eines Medikaments, diese tatsächlich herbeiführt und nicht nur psychologische sondern auch messbare physiologische Ergebnisse erbringen kann. Ebenso wie Placebo-Pillen mit einem angeblich positiven Effekt, können Nocebo-Pillen die ihnen angedichteten negativen Auswirkungen hervorrufen.

"Tod in Folge eines Voodoo-Fluches, wenn es so etwas überhaupt gibt, stellt möglicherweise eine extreme Form des Nocebo-Phänomens dar", glaubt laut dem NewScientist auch der Anthropologe Robert Hahn von den US Centers for Disease Control and Prevention (USCDCP) in Atlanta, Georgia.

Welche Personengruppen jedoch besonders anfällig für den Nocebo-Effekt sind, wird derzeit noch kontrovers diskutiert. Viele Forscher sind sich bislang jedoch einig, dass die persönliche Geisteshaltung - ob grundsätzlich positiv oder negativ eingestellt - etwas mit dieser Frage zu hat. Zudem, dies zeigen neurophysiologische Untersuchungen, haben die psychologischen Aspekte des Nocebo auch direkte physiologische Auswirkungen. Im Unterschied zu Placebos zeigte die Einnahme von Nocebos einen Einfluss auf die Ausschüttung des so genannten Glückshormons Dopamin und von Schmerz stillenden Opioiden, was für die Forscher erklärt, warum Nocebos Schmerzen verstärken und Placebos Schmerzen lindern können.

Der ultimative Auslöser des Nocebo liege jedoch nicht in der Neurochemie, sondern im Glauben selbst. Aus diesem Grund gilt auch schon die alleinige Angst einem Herzinfarkt zu erliegen unter zahlreichen Medizinern als Risikofaktor, wenn beispielsweise derartig veranlagte Patientinnen ein um das Vierfache gesteigerte Wahrscheinlichkeit aufweisen tatsächlich an einer Herzerkrankung zu sterben als Frauen, mit den sonst gleichen Risikofaktoren, jedoch ohne die Angst vor den Attacken.

"Die meisten Menschen würden heutzutage sicherlich darüber schmunzeln, wenn sie von einem Voodoo-Priester verflucht werden. Doch wie sähe die Reaktion wohl aus, wenn ein in Weiß gekleideter 'Priester' der modernen Medizin morgen vorhersagt, dass sie nur noch drei Monate zu leben haben?" Der soziale und kulturelle Hintergrund spielt eine wesentliche Rolle im Verständnis des Nocebo-Effekts, sind sich die Forscher einig. Ein mächtiger Arzt könne also durchaus auch einen "Todesfluch" aussprechen, wenn die Diagnose von dem Patienten und seinem sozialen Umfeld entsprechend aufgenommen und blindgläubig akzeptiert und nicht hinterfragt werde.

"Schlechte Nachrichten fördern schlechte physiologische Auswirkungen. Ich glaube, dass es möglich ist, einem anderen Menschen davon zu überzeugen, dass er bald sterben werde und er dann auch tatsächlich stirbt", zeigt sich Meador überzeugt. "Ich denke aber nicht, dass dies mit irgendeiner Form von Mystik einhergeht. (...) Dennoch ist es wahrscheinlich den meisten Menschen und wohl bei dem Gedanken, dass Worte oder Symbole Auswirkungen haben können, die im Extremfall sogar zu Tod führen, da diese Vorstellung unser biomolekulares Weltbild herausfordert. Vielleicht führt die Entschlüsselung der biomedizinischen Grundlage des 'Voodoo-Todes' irgendwann einmal dazu, dass die meisten Menschen diesen als Realität akzeptieren."

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Quellen: newscientist.com