Ein Erdbeben der Stärke 7,4 hat Guatemala erschüttert und mindestens 50 Menschen das Leben gekostet, darunter viele Kinder. Zahlreiche Opfer werden noch unter den Trümmern verschütteter Häuser vermutet. Es war das stärkste Beben in Guatemala seit 40 Jahren.
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Guatemala-Stadt - Nach dem zerstörerischen Erdbeben im Westen Guatemalas steigt die Zahl der Toten immer weiter an. Nach neuesten Angaben sind mindestens 50 Menschen ums Leben gekommen, unter ihnen 16 Kinder. Und noch immer versuchen Helfer, Opfer aus den zerstörten Häusern zu retten. Rund 20 Einwohner werden derzeit vermisst. Rund 150 Menschen wurden verletzt, teilte der Katastrophenschutz des mittelamerikanischen Landes nach Medienberichten vom Donnerstag mit.

Rund 30 Nachbeben versetzten die Bevölkerung seitdem immer wieder in Angst und Schrecken. Die Regierung ordnete eine dreitägige Staatstrauer an.

Das Erdbeben der Stärke 7,4 habe sich vor der Pazifikküste Guatemalas ereignet, teilte die US-Erdbebenwarte mit, und vor allem im Westen Guatemalas an der Grenze zu Mexiko schwere Schäden verursacht. Im mexikanischen Bundesstaat Chiapas wurden einige Gebäude beschädigt. Das Zentrum des Bebens lag vor der Küste Guatemalas im Meer. Vorübergehend galt für Teile der mittelamerikanischen Pazifikküste eine Tsunami-Warnung.

Pérez reist in Krisenregion

Am stärksten trafen die Erdstöße das Department San Marcos, in dem 40 Menschen ums Leben kamen. In der Ortschaft San Cristóbal starben zehn Mitglieder einer Familie, die unter den Trümmern ihres Hauses begraben wurden. In El Arenal wurden sieben Arbeiter eines Kieswerks von einer umstürzenden Mauer erschlagen, wie die Zeitung La Prensa Libre berichtete.

Zahlreiche Lehmhütten in der Region stürzten ein, Strom und Wasserversorgung fielen aus. Erdrutsche blockierten mehrere Straßen. "Es fällt schwer, so viel Leid und Trauer ansehen zu müssen", sagte Präsident Otto Pérez, der mit einem Hubschrauber in das Gebiet flog, um sich persönlich ein Bild der Lage zu verschaffen.

Häftlinge müssen verlegt werden

Auch der Sitz der Regionalregierung, die Polizeizentrale und das Gefängnis von San Marcos wurden schwer beschädigt, wie Gouverneur Aroldo Rivera sagte. Fast 100 Häftlinge hätten in andere Gefängnisse verlegt werden müssen. Die Regierung mobilisierte rund 2000 Soldaten und 500 Polizisten, um bei den Aufräumarbeiten zu helfen.

Wegen der Schäden vor Ort gebe es Kommunikationsprobleme. So seien Telefonverbindungen unterbrochen und es gebe Stromausfälle. Augenzeugen berichteten laut örtlichen Medien von eingestürzten Mauern, deren Trümmer zum Teil auf Autos gestürzt seien. Trümmerteile und Erdrutsche hätten außerdem Straßen unpassierbar gemacht. Energieminister Erick Achila teilte mit, dass das Beben Zehntausende Haushalte von der Stromversorgung abgeschnitten habe.

Das Erdbeben am Mittwochvormittag war das schwerste Beben in Guatemala seit dem im Jahr 1976, als mehr als 20.000 Menschen ums Leben kamen. Damals betrug die Stärke 7,5.

dpa, rtr