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Spurensicherung am Tatort: Die Polizei sucht noch immer nach den Hintergründen des Verbrechens.
Das Motiv ist den Ermittlern noch völlig unklar. Eines erscheint aber als sicher: Der 38-Jährige, der an seinem Arbeitsplatz in Hilden Amok lief, feuerte nicht willkürlich auf Kollegen. Nach ersten Zeugenbefragungen steht fest: Er zielte nur auf Mitarbeiter, mit denen er im Arbeitsalltag viel Kontakt hatte.

Blutbad in der Nachtschicht: Ein bisher völlig unauffälliger Arbeiter hat in einer Fabrik in Hilden bei Düsseldorf mit zwei Pistolen gezielt auf seine Kollegen geschossen und vier Männer verletzt. Anschließend tötete sich der 38-jährige langjährige Werksmitarbeiter selbst. Die Hintergründe der Tat, die am Freitagabend zum Schichtwechsel geschah, waren auch nach Dutzenden Zeugenbefragungen unklar. "Bisher können wir kein plausibles Motiv erkennen", sagte Staatsanwalt Matthias Ridder. "Es deutet alles daraufhin, dass es gezielt war."

Ein Amoklauf mit wahllosen Opfern sei die Tat daher nicht gewesen. Der nicht vorbestrafte, als umgänglich geltende und kinderlose Arbeiter war nach einer Woche Urlaub am Freitag wieder in die Fabrik gekommen. Er hatte nach Angaben der Polizei zwei Pistolen dabei. Am Werkstor sprach er zunächst einen Kollegen namentlich an, schoss plötzlich los und verletzte ihn schwer.

Dann ging er in die Kantine und feuerte durch eine Glasscheibe drei Mal auf Kollegen seiner Schicht, die im Raucherbereich saßen. Herumfliegende Glassplitter verletzten laut Polizei zwei Männer. Im Aufenthaltsraum habe der Schütze schließlich auf seinen Vorgesetzten gefeuert, ihn schwer verletzt und sich dann selbst getötet. Die beiden schwer verletzten Arbeiter im Alter von 54 und 42 Jahren seien nach Notoperationen inzwischen außer Lebensgefahr.

Täter seit 15 Jahren in der Firma

Insgesamt habe der Mann neun Schüsse abgegeben, sagte Polizeisprecher Frank Sobotta. Er habe noch mehr Munition dabei gehabt. "Nirgendwo sehen wir ein Motiv", sagte Sobotta. Der Todesschütze habe keinen Abschiedsbrief hinterlassen. Es gebe keinen Hinweis auf Unstimmigkeiten bei der Arbeit oder in der Familie. Die Polizei habe auch Eltern und Geschwister befragt. Der Mann sei gern zur Arbeit gegangen. Er habe nie polizeilichen Kontakt gehabt.

Dass der Schütze seine Opfer inmitten einer großen Gruppe von Angestellten gezielt aus seinem direkten Arbeitsumfeld gesucht habe, hätten auch Zeugen bestätigt. Demnach habe der Mann anderen Arbeitern mit Gesten bedeutet, dass sie nicht von ihm angegriffen würden, sagte Sobotta.

"Wir können uns überhaupt nicht erklären, wie es zu dieser Handlung gekommen ist", sagte auch der Deutschland-Sprecher der betroffenen US-Firma 3M, Manfred Kremer. Der Schütze sei seit 15 Jahren in der Firma beschäftigt gewesen und habe immer gute Beurteilungen gehabt.

Seelsorger betreuen Angestellte

Mitarbeiter des Werkes standen nach der Bluttat unter Schock. "Wir sind alle wahnsinnig betroffen", sagte Kremer. "Er war ein guter Mitarbeiter." In dem betroffenen Werksteil sei die Arbeit unterbrochen worden. Die Arbeiter wurden nach Hause geschickt, die Angestellten von Seelsorgern betreut. Die zwei leicht verletzten Mitarbeiter wurden ambulant behandelt und konnten nach Hause gehen.

3M hat am Standort in Hilden 900 Mitarbeiter und produziert dort Hygieneprodukte und Spezialfolien. Hilden ist das größte Werk von 3M in Deutschland, seinen Hauptstandort hat das Unternehmen in Neuss. Bundesweit beschäftigt die Firma etwa 5500 Menschen.

Quelle: n-tv.de, dpa