Der Chef der Hamas-Streitkräfte stirbt bei einem überraschenden Luftangriff aus Israel, doch es ist nur der Beginn einer neuen Offensive. Israel reagiert damit auf Raketenangriffe aus Gaza. Bodentruppen stehen bereit. Ministerpräsident Netanjahu spricht von einer "Botschaft an die Hamas".
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Israel greift Gaza aus der Luft an.
Israel hat die im Gazastreifen herrschende radikal-islamische Hamas angegriffen. Die Luftwaffe tötete zum Auftakt der Offensive "Säule der Verteidigung" gezielt den Chef des militärischen Arms der Hamas, Ahmed al-Dschabari. Der ranghohe Kommandeur und ein weiteres Hamas-Mitglied starben, als ihr Auto von einer Luft-Boden-Rakete getroffen wurde. Anschließend berichteten palästinensische Sicherheitskreise von mindestens 15 weiteren Luftangriffen.

Im Süden Israels gab es zugleich wegen neuer Raketenangriffe aus dem Gebiet am Mittelmeer wieder Luftalarm. Die israelischen Streitkräfte teilten mit, Bodentruppen stünden für einen Einmarsch bereit, sollte der Befehl gegeben werden. Die Sprecherin der Streitkräfte, Avital Leibovich, betonte, es handele sich um den Beginn eines längeren Einsatzes gegen terroristische Gruppen im Gazastreifen.

"Klare Botschaft gesendet"

"Wir haben heute eine klare Botschaft an die Hamas und andere Terrororganisationen übermittelt und sind bereit, den Einsatz auszuweiten, sollte dies notwendig werden", sagte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in einer Fernsehansprache. Die Hamas und andere "Terrororganisationen" hätten sich entschieden, ihre Angriffe auf die israelischen Bürger in den vergangenen Tagen zu intensivieren, fügte Netanjahu hinzu. Israel toleriere eine solche Situation nicht. Verteidigungsminister Ehud Barak sagte, Israel wolle keinen Krieg, aber "die Provokationen der Hamas in den vergangenen Wochen haben uns gezwungen, hart und entschlossen zu handeln".

Die Arabische Liga bereitet unterdessen eine Dringlichkeitssitzung der arabischen Außenminister vor. Liga-Chef Nabil al-Arabi habe Kontakt zum libanesischen Außenminister Adnan Mansur aufgenommen, dessen Land derzeit den Liga-Vorsitz inne hat, um die Sitzung vorzubereiten, erklärte ein Sprecher der Staatengruppe. Der ägyptische Präsident Mohammed Mursi zog nach Angaben eines Sprechers den Botschafter seines Landes aus Israel ab. Zudem forderte er das Außenministerium auf, den israelischen Botschafter in Kairo einzubestellen.

Rakete trifft israelisches Fahrzeug

Nach Angaben der Armee bombardierte die Luftwaffe neben Waffendepots der Hamas und anderer militanter Gruppen im Gazastreifen auch gezielt vermutete Lagerstätten von weiterreichenden Raketen. Dabei soll es sich um aus dem Iran stammende Fajr-5-Raketen handeln. Sie können bis zu 75 Kilometer weit fliegen und damit auch den Großraum Tel Aviv erreichen. Bisher wurde Israel nur mit Raketen mit einer Reichweite von bis etwa 30 Kilometern angegriffen.

Die neue Runde der Gewalt hatte am Samstag begonnen, als ein israelischer Jeep von einer Rakete aus dem Gazastreifen getroffen wurde. Dabei waren vier Soldaten zum Teil schwer verletzt worden. Bei israelischen Gegenschlägen starben sechs Palästinenser und mehr als 30 wurden verletzt. Zugleich wurden aus dem Gazastreifen mehr als 120 Raketen und Granaten Richtung Israel abgeschossen. Dabei gab es vier Verletzte.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu drohte angesichts der Gewalt schon am Wochenende mit einer härteren Gangart. "Die Welt muss verstehen, dass Israel nicht mit verschränkten Armen dasitzen wird, während man uns Schaden zufügt", sagte er. "Wir sind darauf vorbereitet, die Reaktion zu verstärken."

Hamas wollte Beruhigung

Vize-Ministerpräsident Silvan Schalom sagte nach Angaben des israelischen Rundfunks, notfalls müsse man die Armee zu einer neuen Bodenoffensive in den Gazastreifen schicken. Dies galt jedoch angesichts der bitteren Erfahrungen und hohen Verluste vor allem unter der palästinensischen Zivilbevölkerung zur Jahreswende 2008/2009 als unwahrscheinlich.

Noch am Montagabend hatte die Hamas alle militanten Palästinensergruppen zu einer Dringlichkeitssitzung in Gaza-Stadt zusammengerufen. Dabei war beschlossen worden, die Raketenangriffe auf Israel einzustellen, wenn auch Israel von weiteren Attacken absehe. Obwohl Israel zunächst keine Angriffe mehr geflogen hatte, schlugen wieder Raketen aus dem Gazastreifen in grenznahen Regionen ein.

Quelle: n-tv.de, dpa