Betätigungen wie Lesen, Schreiben und Spielen gehen mit einer besser erhaltenen weißen Substanz des Hirngewebes einher
Schach
© Lee Daniel Crocker, gemeinfrei
Brettspiele wie Schach halten das Gehirn auf Trab.
Chicago (USA) - Lesen, Schreiben, Brettspiele und ähnliche Beschäftigung des Kopfes helfen, den Geist im Alter fit und wach zu halten. Das spiegelt sich auch unmittelbar in einer gesunden Hirnstruktur wider: Die aus den Nervenfasern bestehende sogenannte weiße Substanz bleibt besser erhalten bei Senioren, die sich häufiger geistigen Aktivitäten widmen. Diesen Zusammenhang konnten US-Forscher nun mithilfe einer speziellen Hirnscanmethode zeigen, wie sie auf der Jahrestagung der „Radiological Society of North America (RSNA)“ in Chicago berichteten. Ihr Ergebnis vertieft das bestehende Wissen über die Verknüpfung zwischen geistiger Beschäftigung und geistiger Fitness.

„Die Zeitung zu lesen, Briefe zu schreiben, eine Bibliothek zu besuchen oder Brettspiele wie Schach oder Dame zu spielen, das sind alles einfache Aktivitäten, die zu einem gesünderen Gehirn beitragen können“, erklärte Konstantinos Arfanakis vom Rush University Medical Center. Arfanakis und seine Kollegen hatten insgesamt 152 Senioren befragt, wie häufig sie sich im vergangenen Jahr geistig anspornenden Tätigkeiten gewidmet hatten. Die Probanden mit einem Durchschnittsalter von 81 Jahren litten weder unter Demenz noch unter einer leichteren Form von Gedächtnisproblemen. Außerdem untersuchten die Forscher die Teilnehmer mit einer speziellen Form der Magnetresonanztomografie, mit der sie Rückschlüsse auf deren Hirnstruktur ziehen konnten.

Die sogenannte Diffusions-Tensor-Bildgebung erfasst die Bewegung von Wassermolekülen durch das Gehirn. Die Flüssigkeit bewegt sich leichter parallel zu den Nervenfasern als senkrecht zu ihnen, so dass sich anhand der Messwerte eine virtuelle Rekonstruktion der Nervenfaserverbindungen erstellen lässt. Ein Maß dafür, wie frei sich das Wasser im Hirngewebe bewegt, ist die sogenannte Diffusionsanisotropie. „In gesundem Gewebe der weißen Substanz kann sich Wasser nicht so sehr in Richtungen senkrecht zu den Nervenfasern bewegen“, erläuterte Arfanakis den Nutzen der Technik. Bei einer geringeren Dichte der Nervenfasern aber hat das Wasser mehr Freiheit, so dass man eine verringerte Diffusionsanisotropie messen kann. „Niedrigere Werte gehen mit dem Altern einher.“ Dieser Prozess beginnt bereits ab einem Alter von etwa 30 Jahren, so der Forscher.

Die Wissenschaftler stellten einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Häufigkeit mentaler Beschäftigung und einer höheren Diffusionsanisotropie fest. „Etliche Bereiche im ganzen Hirn, einschließlich Regionen, die wichtig für die Wahrnehmung sind, zeigten mit häufigerer kognitiver Aktivität im späteren Leben eine höhere mikrostrukturelle Integrität“, sagte Arfanakis. Die höhere Diffusionsanisotropie bei Senioren, die sich häufig geistig fordernden Beschäftigungen widmen, lege nahe, dass diese Menschen auch Hirn-Eigenschaften besitzen, die denen Jüngerer ähneln. Die Forscher planen, einige der Probanden weiter zu beobachten und die zeitlichen Veränderungen der Diffusionsanisotropie-Werte zu erfassen. Sie erhoffen sich, dann auch eine Aussage über einen ursächlichen Zusammenhang machen zu können. „Wir haben gezeigt, dass es eine Verbindung gibt zwischen der kognitiven Aktivität im späten Leben und der strukturellen Integrität“, erklärte der Forscher. „Aber wir haben nicht gezeigt, dass das eine das andere verursacht.“

Quelle: „Late Life Cognitive Activity Is Associated with Greater Diffusion Anisotropy in Brain White Matter”, K. Arfanikis et al.; Annual meeting of the Radiological Society of North America (RSNA), Scientific Formal (Paper) Presentations, CODE: SSA16-06