Die Naturkatastrophen von 500 - 599

In diesem Artikel listen wir alle bekannten Naturkatastrophen des 6. Jahrhunderts in der damals bekannten Welt auf. Auch wenn uns viele Beschreibungen der Zeitzeugen übertrieben vorkommen mögen, sollten wir uns nicht beirren lassen und die Beschreibungen über Naturereignisse erstmal in Erwägung ziehen, bevor wir sie von vornherein als Hirngespinste abtun. Vorsicht ist jedoch bei den Inhalten geboten, wenn es um magische Zahlen wie die "7", wie z. B. 7 Tage lang Hagel, geht. Dort steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es sich zurecht gebogen wurde, um einen Glauben zu stützen oder mit dessen Hilfe etwas zu bewegen.

512 bis 517: Vulkanausbruch und Trockenheit - Das einzige, das man in dieser Zeitspanne erwähnt findet, ist ein erneuter Ausbruch des Vesuvs (Della Torre nach Cassiodor und Eutrop.) und eine Trockenheit, die sich in Palästina über fünf Jahre erstreckte (Webster).

518: Komet und Erdbeben - Im ersten Regierungsjahr des Kaisers Justinians I. hing ein Komet am Himmel, den man wegen seines Schweifes, der abwärts gerichtet war, Pogonia nannte. Ein Strahl zeigte aber auch nach Westen (Cedrenus). Auf diesen Kometen folgten Erdbeben in Mösien, durch die 24 Kastelle zerstört, Berge geteilt und Erdspalten gebildet wurden. (Baron.)

526: Erdbeben und Blitze - Die Gegend um Antiochien (in der Südtürkei) bekam ein schreckliches Ausmaß an Erdbeben zu spüren, in deren Verlauf die Stadt vollständig zerstört wurde. Der erste Ausbruch des Erdbebens geschah am 29. Mai 526 am Abend. Mit diesem Erdstoß wurde eine wellenförmige Bewegung des Bodens ausgelöst, so dass alles ringsum erschütterte und sich ein Bild der schlimmsten Zerstörung darbot. Alles, was nur minimal aus dem Boden in die Höhe ragte, wurde dem Erdboden gleichgemacht. Zusätzlich zu diesem Ausbruch unterirdischer Gewalt schlugen Blitze aus dem Himmel auf die Erde nieder, so dass die Menschen dachten, Himmel und Erdreich hätten sich vereint, um den Untergang der Stadt herbeizuführen. 500.000 Menschen fanden bei diesem Beben den Tod in den Trümmern der Stadt, darunter auch Bischof Euphrasius. Nur zweieinhalb Jahre später erbebte die Erde erneut in dieser Gegend.

528: Erdbeben und Gewitter. Flut - Wieder wurde Antiochien von Erdbeben heimgesucht. Es war der 15. November, als die Stadt unter heftigem Gewitter (gravissima tempestas) und fürchterlichem Donner (terribilis coell mugitus) eine Stunde lang durch das Beben erzitterte. Was unter dem vorigen Erdbeben nicht zu Grunde gerichtet wurde, ging jetzt unter und 4.870 Menschen fanden den Tod. (Cedrenus.)

Diese Erdbeben breiteten sich aber über die Gegend von Antiochien hinaus aus. Die Richtung ging nordwestlich nach Griechenland (Korinth) und Albanien (Durres), wo ebenso die Erde erbebte. Weiter östlich, in Edessa, trat der Fluss Daisa über die Ufer (525?) und verheerte fast die ganze Stadt. Ebenso schnell, wie das Wasser kam, ging es auch wieder zurück. Kaiser Justinian I. ließ daraufhin umfangreiche Baumaßnahmen einleiten. Webster erwähnt ähnliche Überschwemmungen des Humbers in England.

531: Komet. Hungersnot - Ein Komet von ungewöhnlicher Größe war für 20 Tage im Westen zu sehen. Er flößte den Menschen Furcht ein und hatte einen nach oben gerichteten Schweif, Man nannte ihn wegen seiner Ähnlichkeit mit einer Fackel Lampadia. Man könnte ihn für den Halley'schen Kometen halten, da seit der Erscheinungen des Kometen, der unter Julius Cäsar gesehen wurde, erst 575 Jahre vergangen waren.

In Italien, besonders in Ancona, und in Griechenland wütete eine schreckliche Hungersnot. Einerseits ausgelöst durch das Vernachlässigen der Landwirtschaft in diesen wilden Zeiten, andererseits fiel aber auch das wenige Getreide, das noch wuchs, ab, bevor es reif werden konnte. Obwohl allein in Ancona um die 50.000 Menschen starben, scheint der Auslöser alleine das Verhungern gewesen zu sein, von keiner Seuche ist die Rede. Die Menschen waren blass und abgemagert, die Reserven am Körper waren längst aufgebraucht, bis es schien, dass der Körper sogar die Muskeln verzehrte. Die Haut wurde lederartig und hing am Ende nur noch an den Knochen. Manche starben am Hunger selbst, andere, weil sie etwas aßen, denn der Körper hatte nicht mehr die Kraft, das Essen zu verdauen - man musste ganz wenig auf einmal zu sich nehmen. Manche wurden zu Kannibalen und machten sich sogar über Menschenfleisch her. Geschichtsschreiber erzählen von zwei Frauen, die in einem abgelegenen Haus wohnten und einzelne Männer zu sich einluden. Diese Männer wurden jedoch getötet und von den Frauen verspeist. So sollen insgesamt 18 Männer durch den Kannibalismus der Frauen gestorben sein. Andere machten sich daran, das Gras vom Boden zu essen. Die Leichen, die überall herumlagen, wollten nicht einmal die Raubvögel anknabbern, denn es gab für sie nichts als Knochen[14].

© unbekannt
So wie bei dieser Hungersnot 1571 in Littauen wurden auch im Jahr 531 Menschen zu Kannibalen. Wie auf diesem Bild zu sehen, werden nicht nur die Toten gegessen, sondern Menschen werden getötet, um verspeist zu werden. Wahrscheinlich, weil an ihnen noch mehr Fleisch dran ist, als an den ohnehin verhungerten. Der Kannibalismus bringt die Menschen dazu, Leichenteile zu essen und im Vordergrund mittig wird sogar ein Baby verspeist. Menschen wurden über dem Feuer gebraten oder sogar roh verspeist.
534 bis 541: Erdbeben und Vulkanausbruch - Im Jahr 534 ereignete sich in Pompejopolis ein Erdbeben und der Vesuv brodelte merklich. Sein nächster Ausbruch war jedoch erst 538. (Bagliv.) Als Theudebert mit seinen Franken gegen die Goten kämpften, brach unter den Franken eine verderbliche Dysenterie (Durchfallerkrankung) aus. Man führte dies einerseits auf das Wasser des Flusses Po zurück und andererseits auf das erbeutete Hornvieh, von dem sie sich fast ausschließlich ernährten[15].

ab 541: Krankheitswelle - Man vermutet ein ausgedehntes Erdbeben von Dyrrachium (in Albanien) bis Cilicien (Region in der Südtürkei), das aber auch eine Verwechslung mit einem früheren sein kann. In Gallien (Frankreich) erschien in der Osterzeit ein Komet. Außerdem fiel ein blutroter Regen und es erschienen wunderbar rote Flecken an den Häusern.

Die folgende Krankheitswelle ist das Produkt einer Entwicklung, die schon viele Jahre vorher angefangen hat. Das byzantinische Reich war in zahlreiche Kämpfe verwickelt worden. In Italien wurde Rom des Öfteren bedrängt und erobert und das restliche Italien hatte ebenso unter den Verheerungen der Völkerwanderung zu leiden. In diesem Jahr griffen wahrscheinlich die Pocken um sich, eine Seuche die mit Pusteln und Blasen, die auf der Haut ausbrach, beschrieben wird[16].

542: gutes Jahr und Pestepidemie - Die Witterung war ausgezeichnet, im Herbst war es so warm, dass es zum 2. Mal Obst und Trauben gab[17]. Dann breitete sich (wahrscheinlich) von Ägypten über die Süd- dann Nordtürkei nach Europa eine Seuche aus, die noch im Jahr 594 andauerte, als Evagrius seine Geschichte niederschrieb. Diese Seuche ging als "Justinianische Pest" in die Geschichte ein. Die Krankheit verbreitete sich in der Zwischenzeit im Abstand von 15 Jahren immer wieder mit gleicher Heftigkeit. Manche Städte wurden in dieser Zeit bis zu vier Mal heimgesucht, wie z. B. Antiochien (heute Antakya in der Südtürkei). Die Ausbreitung dieser Pest wurde durch nichts eingeschränkt. In jede Gegend, zu jeder Witterung, bei jedem Menschen konnte sie anschlagen. Die Menschen fühlten sich schutzlos ausgeliefert.

Anfangs beschränkte sich die Pest, von Antiochien ausgehend, auf die Küstengebiete. Sie äußerte sich anfangs durch hohes Fieber mit Kopfschmerzen, Wahnvorstellungen oder Verwirrung. Manchmal waren ununterbrochenes Husten und Halsschmerzen die Folge. Einige Menschen starben, während sie aufs heftigste Blut erbrachen. Andere bekamen Gangräne (schwarze Verfärbungen von Gliedmaßen). Wie so oft in von Pest geplagten Zeiten, waren die Menschen aufs Äußerste verängstigt und hatten, noch bevor die Krankheit sie befiel, schon Wahnvorstellungen von Gespenstern der Verstorbenen, die sie verfolgten und trafen (se percussos putabant). Oder sie hörten Stimmen, die ihnen den Tod voraussagten, worauf sie dann in Kirchen rannten oder sich an abgelegene Orte begaben und ins Wasser stürzten[18].

543: Erdbeben - Das Erdbeben fühlte man in fast allen, damals bekannten, Ländern.

545: Überflutung - Das thrakische Meer trat über die Ufer und der folgende Winter war außerordentlich streng und brachte weitere, aber harmlose, Erderschütterungen mit sich. Der Nil trat alljährlich über die Ufer, doch dieses Jahr hatte er einen besonders hohen Stand und in Unterägypten blieben die Felder weiterhin unter Wasser, so dass man nicht einsäen konnte. Die Tiere starben zum großen Teil an Futtermangel. Diese Überschwemmung war so gewaltig, dass beschrieben wurde, wie Delphine aus dem schwarzen Meer nach Unterägypten heran zogen. Bei Konstantinopel soll außerdem ein ungeheurer Cetus ans Ufer getrieben worden sein[19].

546-548: Regen, Schnee und Erdbeben - Es regnete anscheinend unaufhörlich in diesem Jahr und Korn, Öl und Wein waren knapp[20]. In Konstantinopel erbebte erneut die Erde. 548 wiederholten sich Erdbeben und Regengüsse. Im Winter war die Schneemenge außergewöhnlich und es war so bitterkalt, dass sich die Vögel nicht mehr bewegen mochten und man sie mit der Hand fangen konnte[21].

550: Erdbeben und Sturmflut - In Griechenland wurden 8 Städte durch ein Erdboden zerstört. Mancherorts riss der Boden auf und schloss sich mal wieder, mal blieb er offen, so dass die Menschen weite Umwege um die zurückgebliebenen Spalten machen mussten. In Mittelgriechenland stürzte das Meer mit ungeheurer Wucht aufs Land, wo es Seen zwischen den Bergen bildete, während man ohne Probleme zu den Inseln im Meer laufen konnte, wo zuvor Wasser war. Weitere Erdbeben richteten große Schäden in Syrien und Palästina an.

ca. 551 bis 555: Erdbeben und Seuchen - Konstantinopel wurde über 40 Tage lang von einem Erdbeben durchgerüttelt. In Beirut (Libanon) erbebte die Erde noch schlimmer und es wurde ein Flutwelle ausgelöst, die dem Glanz der antiken Stadt ein Ende bereitete. Selbst in Ägypten, wo man aufgrund des sandigen Untergrundes kaum Erderschütterungen vermuten sollte, bebte die Erde. Der folgende Winter war sehr kalt. 555 sah man am Himmel im Nordwesten eine Lanze und später kamen Gewitter von kaum gekannter Heftigkeit und ein schrecklicher Südwind auf. ("Ventus Africus terribilis". Eutropius.)

Die Alemannen, die Rom erobert hatten, wurden von einer Seuche heimgesucht, die man sich damit erklärte, dass das gemächliche Leben nach dem Krieg die Menschen anfällig machte. Vielleicht ist etwas richtiges daran, wenn man bedenkt, wie ein Krieg die Kräfte und somit die Immunabwehr von Menschen aufzehren kann. Die von der Seuche befallenen waren anfangs wie benebelt, später waren sie wie tollwütig: sie schienen nichts mehr zu sehen und taumelten unter entsetzlichem Geschrei umher, ihnen quoll Schaum aus dem Mund und ihre Augen verdrehten sie grotesk. Manche bissen in ihrer Wut in die eigenen Gliedmaßen und zerfleischten diese.

Die wenigsten Alemannen kehrten aus Rom zurück. Wer nicht an der Seuche starb, erlag dem Fieber, der Apoplexie oder unerträglichen Kopfschmerzen und einer Art Ekstase. (Baron.)

Auch unter dem fränkischen Heer, das Leutharis aus Unteritalien zurückführte, ist eine Krankheit ausgebrochen, die ähnlich war. Hier äußerte sie sich in hohem Fieber, bei dem die Kranken bei vollem Bewusstsein dahinstarben. Oder aber die Kranken waren wie betäubt oder in einem wilden Delirium - kurz, es war ein verschiedenartiges Bild der Krankheit, bei allen aber derselbe Ausgang: der Tod[22].

557: Komet, Erdbeben und strenger Winter - Paul. Diac. erwähnt einen Kometen in Form einer Lanze, wahrscheinlich denselben, der schon zwei Jahre früher aufgeführt wurde. Bald darauf folgte ein Erdbeben, durch das in zehn aufeinander folgenden Nächten Konstantinopel erschüttert wurde, während es bei Tag jedes Mal nachließ. Auch in Antiochien gab es wieder Erdbeben und man bemerkte besonders viele Sternschnuppen.

Der Winter war so streng, dass die Hunnen unter ihrem Anführer Zaberga über die gefrorene Donau setzen und mit ihrer Reiterei Moesien, Thrakien und Griechenland bis an die lange Mauer verheeren konnten.

ab 558: Beulenpest - Mit dem Eintritt des Frühlings und mit dem Anfang des zweiten fünfzehnjährigen Zyklus kehrte in Konstantinopel die Seuche zurück und zwar von Antiochien her, wie es scheint. Dieses Mal bildete die Seuche aber einen neuen Charakter aus: die Beulen. Zum ersten Mal wird der Name "Pestis inguinaria" genannt. Es wird in diesem Zusammenhang erwähnt, dass damals die Bubonen hauptsächlich bei Kindern ausbrachen[23].

560 bis 561: Erdbeben und Folgeerscheinungen - Berytus, Cos, Tripolis und Balbus wurden erschüttert und dem Erdbeben folgte allgemeine Trockenheit. Weiterhin soll es einen ganzen Tag lang dunkel gewesen sein. Krankheiten breiteten sich in Italien und Cilicien aus, besonders in Anazarbus, wo auch um dieselbe Zeit Erdbeben vorkamen. Diese Krankheiten werden aber immer als "Pestilenzen", nicht als "Pestis inguinaria" (Beulenpest) aufgeführt.

ab 565: Beulenpest - Die Beulenpest erschien in Italien und Gallien erst im Jahr 565 und breitete sich von dort bis in die nördlichsten Gegenden aus, jedoch so, dass sie auch an den entlegendsten allemannischen und bojoarischen Grenzen immer nur die dort befindlichen Römer befiel[24].

Der folgende Winter war sehr streng; die Erde blieb 5 Monate lang mit Schnee bedeckt. (Marii Epist. Chron.) In demselben Jahr sah man noch drei Nebensonnen und einen Kometen in Form eines Schwertes, der beinahe ein ganzes Jahr lang sichtbar war. Ein gewaltiger Bergsturz hemmte den Lauf der Rhone, die sich staute und eine gewaltige Überschwemmung verursachte, die fast bis nach Genf reichte[25].

Nach einem Jahr nahm dann die Beulenpest überhand. Im Verlauf der Krankheit fingen die Drüsen in den Leisten oder unter den Achseln an, auf Größe einer Nuss oder Dattel zu schwellen. Gleichzeitig trat ein unerträgliches Fieber ein und die Kranken verloren die Besinnung. Der Tod erfolgte meist am dritten Tag, wer jedoch diesen Tag überstand, der kam mit dem Leben davon. Wohin man blickte sah man nichts als Trauer und der Schrecken war so groß, dass die Menschen sich sofort auf die Flucht begaben, sobald sie vom Ausbruch der Krankheit erfuhren. Es kam vor, dass der Sohn die Leiche des Vaters unbegraben ließ oder die Eltern ihre Kinder vergaßen. Wer sich aber an diese Pflichten hielt, bezahlte seine Pietät oft mit dem Leben. Da die Flucht vor der Krankheit so eilig vor sich ging, dass die Fliehenden alles, selbst das Vieh in den Ställen, zurück ließen, konnte es geschehen, dass dichtbevölkerte Ortschaften im Nu menschenleer wurden.

Es entstand eine Stille, wie sie nur zu der Zeit vorkam, bevor der Mensch anfing, auf die Natur einzuwirken. Auch die Ernte blieb unberührt und die Trauben hingen noch an den Stöcken, nachdem die Blätter abgefallen waren.

569: Gesegneter Jahrgang - Die Bodenerzeugnisse gediehen in diesem Jahr besonders gut[26]. Als die Langobarden ein Jahr zuvor ankamen, waren die Umstände schlechter. Zumindest schreibt Marianus Scotus, es hätten bei ihrer Ankunft Hunger und Seuche gewütet. (Das Jahr, das er angibt, datiert aber auf 10 Jahre später.)

569: Pocken und Kuhpocken? - Nachdem schon 541 eine Seuche erwähnt wurde, in deren Verlauf Exantheme (pustulis et vesicis) auftraten und die die Menschen sterben ließ, erschien im Jahr 569 schon der Name variolae[27]. Die Pocken haben sich dann zusätzlich zu einer Diarrhoe in Italien und Frankreich gesellt. Und zusätzlich zu den "Menschenpocken" grassierten auch unter dem Hornvieh Krankheiten, die manche auf die Idee brachten, die Kuhpocken könnten zur selben Zeit wie die Menschenpocken entstanden sein[28]. Über den Verlauf und die Erscheinungen der Kuhpocken wurde wenig angegeben und nach Ducange kam das Wort variola erst im 11. Jahrhundert regelmäßig vor; so kann man Moores Auffassung, ein späterer Abschreiber hätte diesen Namen interpoliert, auch in Erwägung ziehen.

Wenn man die Schriften von Marius mit denen des Gregorius von Tours vergleicht, fällt auf, dass dieser wahrscheinlich die selben Epidemien beschreibt, sie aber auf 10 Jahre später datiert. Aber auch er beschreibt an drei verschiedenen Stellen die Erscheinung von Hautausschlägen um jene Zeit, die zugleich durch ihre Witterungsbeschaffenheit ausgezeichnet war. Um das Jahr 575 ungefähr führt er einen durch seine Frömmigkeit und seine Entsagungen gerühmten Presbyter Patroolus auf, der im heutigen Berry lebte und der denen, die an Pustulis frigoriticis und anderen Krankheiten litten, durch sein Gebet Genesung verschaffte[29].

576: Meteorische Erscheinungen -

Dieses Jahr zeichnete sich durch die Häufigkeit von Gewittern und meteorischer Erscheinungen aus. Man bemerkte häufig Sternschnuppen, Nebensonnen und Mondregenbogen. Sogar der Mond selbst war manchmal dunkel gefärbt und auf seiner nicht beleuchteten Fläche beim Zu- oder Abnehmen wollte man einen Stern gesehen haben,[30] was vielleicht mit den Sternschnuppen in Verbindung stand.

580: Regenfälle (und Pocken?) - Der Regen hielt zwölf Tage lang an und es fiel ein große Verheerungen anrichtender Hagel. Nach den durch den Regen verursachten Überschwemmungen trieben die Bäume im September wieder neue Blüten auf. Bei Tours gab es eine eigene Leuchterscheinung mit einem auf die weiteste Entfernung hin sich verbreitenden Knall. Von Bordeaux bis über die spanische Grenze bemerkte man ein Erdbeben, bei dem in Bordeaux viele Scheunen von selbst in Brand gerieten und in den Pyrenäen viele Felsen einstürzten. Auch Antiochien wurde in diesem Jahr heftig erschüttert, ohne dass jedoch Gebäude einstürzten. (Nicephor.) In diesem Jahr begann nun fast durch ganz Gallien im August eine Dysenterie[30], bei der die Kranken mit heftigen Kopf- und Magenschmerzen befallen wurden und eine grüne, zähe Materie zu erbrechen anfingen, wo bei weiterem Verlauf aber rote Pusteln (wie Korallen) entstanden, mit deren Erscheinung die Krankheit sich vorteilhaft entschied, so dass die ärztliche Behandlung, diesen Gang der Natur nachahmend, sich hauptsächlich auf die Anwendung von Ventosen beschränkte. Ein Umstand, der neben dem auf die Pocken so wohl passenden Erbrechen noch weiter auf diese Krankheit deuten könnte, wäre auch der, dass hauptsächlich Kinder von ihr befallen und weggerafft wurden.

581: Tollwut unter den Wölfen, Windstoß und Komet - In diesem Jahr, in dem die Seuchen noch andauerten und Wölfe wie betäubt in die Städte rannten, wo sie sich totschlagen ließen, gab es wieder Überschwemmungen besonders der Loire und des in sie mündenden Cher. Im selben Jahr riss ein Luftstrom von nur 7 Jauchert Breite mit noch nie gesehener Heftigkeit eines Nachts Häuser, Wälder und Menschen nieder[31]. Dieses Ereignis wäre ganz beispiellos, wenn man nicht annehmen müsste, dass es ein sogenannter Wetterwirbel, Turbo, eine bei Nacht seltene Erscheinung, gewesen sei.

An anderen Orten sah man den Himmel in Flammen und es erschien ein Komet. Dieser war ohne Zweifel derselbe, der auch im folgenden Jahr erwähnt wird und der im Westen Abends gesehen wurde. Der Komet hatte keinen Schweif, sondern schien aus einem dunklen Hof heraus, als wenn er Rauch verbreitete. Um Ostern sah man zwei Leuchterscheinungen am Himmel, die nach zwei Stunden ineinander zerflossen (factaque magna pharo) und verschwanden.

581: Blutregen - Bei Paris hat es an drei verschiedenen Orten eine rote Substanz geregnet, die ganz wie Blut aussah und wenn sie auf die Kleider fiel, nahmen diese einen solch ekelhaften Geruch an, dass sie unbrauchbar wurden. An einem anderen Ort wurde ein Haus gesehen, das mit dieser roten Substanz ganz überzogen war. Außerdem grassierte die Beulenpest in Narbonne und durchzog dort jeden Winkel der Stadt. Im Zuge dieser Krankheit entwickelte sich ein frieselähnlicher Ausschlag mit Beulen und Blasen (milinae cum pusulis et vesicis), der viele Menschen tötete aber auch einige, die sich einer sorgfältigen Kur unterwarfen, verschonte[32].

583: Feuerball - In diesem Jahr ereigneten sich wieder Erdbeben in Anjou und Bordeaux. Am 31. Januar erschien in der Nähe von Tours am frühen Morgen bei Regenwetter ein großer Feuerball, der eine große Strecke des Firmaments durchzog und eine Helligkeit wie bei Tag verbreitete. Dann trat er hinter eine Wolke, worauf es so finster wie bei Nacht wurde. Die Überschwemmungen, die sich um jene Zeit ereigneten, waren ganz ungewöhnlich stark, vor allem die Seine hatte solches Hochwasser, dass es mehrere Schiffbrüche zwischen der Stadt und der Basilika des heiligen Laurentius gab[33].

584: Heuschreckenschwärme - Die Heuschrecken, die Kastilien verheerten, verbreiteten sich in diesem Jahr besonders weit, so dass man nirgends mehr einen grünen Fleck entdecken konnte. Phänomene: Am nächtlichen Himmel sah man viele Sternschnuppen. Die Sonne war umgeben von einem Ring in verschiedenen Farben. Ein Nordlicht wurde auch gesehen. In nördlicher Richtung wurde zwei Stunden lang eine Feuersäule (pharus magna per coelum) gesehen. In Anjou geschah ein erneutes Erdbeben. Ungewöhnliche Witterung: Noch denkwürdiger waren die Folgen für die Vegetation. Nachdem der Frost, später die Dürre und der Hagel alles verdorben hatten, setzten im September die Bäume wieder neue Blüten an und an den Weinstöcken zeigten sich auch neue Sprösslinge, die Rudimente von Trauben bildeten (Palmites cum uvis deformatis). In Narbonne herrschte seit drei Jahren eine verheerende Krankheit, die auch diejenigen ergriff, die der Krankheit entflohen waren und jetzt wieder zurück kehrten. Ähnliche Verheerungen richtete sie im albigensischen Gebiet an. Viehseuche: Unter dem Vieh wütete ein solches Sterben, dass beinahe keines übrig blieb[34].

585: Hungersnot - Auf solche Witterungen konnte eine Hungersnot nicht ausbleiben. Das Elend stieg im Jahr 585 auch so, dass die Menschen aus den fremdartigsten Dingen, z. B. Farrenkrautwurzeln und den Blüten der Haselstauden, Mehl bereiteten und sich durch den Genuss schädlicher Pflanzen so schadeten, dass ihr Leib ganz aufgedunsen war. Die Not wurde aber auch noch verschlimmert durch diejenigen, die mit Lebensmittenl handelten und deren Preise in die Höhe trieben[35].

Nordlichter: Während dieser Zeit erschienen immer noch zum Teil mehrere Nächte hintereinander Nordlichter, die sich einmal über das gesamte Himmelsgewölbe verbreiteten und dieses erleuchteten[36].

586: Nasser Sommer - Der Sommer war so verregnet und rauh, dass er dem Winter sehr glich. Die Flüsse traten über die Ufer und die Überschwemmungen richteten weite Teile der Landschaft zu Grunde. Weitere denkwürdige Ereignisse waren der Untergang von zwei Inseln samt ihren Bewohnern, nachdem sie 7 Tage lang von vulkanischen Eruptionen erschüttert wurden.

587: Nasse Witterung - Im Herbst herrschte unaufhörlich Regen, was zu Überschwemmungen und somit zu großen Schäden führte. Außerdem erschienen Nordlichter und eine Stadt ging durch Erdbeben unter.

588: Kälteeinbruch - Das Frühjahr war sehr feucht. Danach fingen schon Trauben und Baumfrüchte an auszutreiben, als ein Kälteeinbruch alles wieder zerstörte. Aber es starben auch Vögel wie Schwalben, die über den Winter von hier fortflogen und die Kälte dieses Frühsommers nicht erwarten konnten. Man beobachtete, dass die Kälte am meisten Schaden dort anrichtete, wo sie im Winter keine großen Schäden hinterließ[37].

Pest: Aus Spanien wurde die Beulenpest wahrscheinlich auf einem Wagen, der stark nachgefragte Waren transportierte, nach Marseille gebracht. Eine ganze Familie von acht Personen starb unmittelbar an der Krankheit. Die Pest sprang dann aber nicht auf andere Personen über, sondern loderte nur an vereinzelten Stellen der Stadt auf. Diese Welle der Beulenpest dauerte nur zwei Monate und zog sich bis nach Lyon hin. Wenn aber die Flüchtlinge nach diesen zwei Monaten die Stadt wieder betraten, so wurden auch von ihnen einige von der Krankheit ergriffen[38]. Sie fiel wahrscheinlich in die Sommermonate, denn es steht geschrieben, dass die Ernte auf dem Feld zugrunde ging, weil es an Händen fehlte, sie einzusammeln[39].

Erdbeben: 61 Jahre nach dem denkwürdigen Erdbeben in Antiochien wurde diese Stadt in der dritten Stunde der Nacht unter einem ungeheuren Knall erschüttert und durch das Aufblühen des Bodens ihre Gebäude in den Grundfesten bewegt[40].

589: Anomale Witterung und Überschwemmungen - Auch in diesem Jahr dauerten die Störungen im Blühen und Früchte-Ansetzen der Bäume an: man sah im September Rosen und Apfelbäume blühen. Es traten aber auch Überschwemmungen im September in vielen Gegenden auf. Schlimme Überflutungen gab es in Venezien und Ligurien. Große Landsitze, sogar ganze Städte wurden in Seen verwandelt und eine unzählige Menge an Mensch und Vieh fand ihren Tod in den Fluten. Auch wurden die meisten Heerstraßen und Wege zerstört. Die Etsch trat so weit über die Ufer, dass das Wasser am 15. Oktober an der Kirche des heiligen Zeno, die außerhalb Veronas Mauern liegt, bis zu den oberen Fenstern reichte. Die Mauern der Stadt stürzten daraufhin größtenteils ein. Während der Überschwemmungen kamen heftige Gewitter auf, wie sie für die Sommerzeit äußerst selten sind. Der Tiber richtete durch seine Überschwemmungen eben solchen Schaden an. Viele Autoren stimmen darin überein, dass nach den Überschwemmungen eine Menge von Schlangen zum Vorschein kamen (...).

590: Pest in Rom - Unmittelbar nach den Überschwemmungen trat in Rom erneut die Beulenpest auf, woran als einer der ersten Papst Pelagius II. (4. Februar 590) starb. Die Seuche wütete ebenso in Avignon und in Vivarais, während die Witterung kalt und nass blieb. Bei Nacht erschienen häufig Lichter und Feuerkugeln sollen bei Tage gesehen worden sein. Am 14. Mai brach ein Erdbeben bei Tagesanbruch aus und im August gab es eine fast vollständige Sonnenfinsternis. Im Herbst dieses Jahres waren die Gewitter ungewöhnlich heftig[41].

591 oder 592: Trockenheit und Influenza - Nach sieben Jahren feuchter und kalter Witterung folgte von Januar bis September eine ungeahnte Trockenheit[42], bei der fast alle Feldfrüchte außer dem Wein, der vorzüglich wurde, eingingen. Danach kamen Heuschreckenschwärme auf und kehrten im folgenden Jahr zurück. Mit der wärmeren Witterung bekommen wir auch Nachrichten aus Spanien, Frankreich, Italien und anderen Ländern, die die Geschehnisse zu dieser Zeit aufzeichneten, von einer Influenza, die Mensch und Tier befiel.

Diese Influenza zeichnete sich durch ihre Bösartigkeit aus. (...)In Tours und der Normandie befiel sie Menschen mit Kopfschmerzen, durch das manche Menschen besinnungslos zu Boden fielen. Am häufigsten trat der Tod unter Nießen oder Gähnen auf. (...) Aber nicht nur Menschen wurden Opfer dieser Influenza, sondern ebenso Haustiere und sogar die wilden Tiere des Feldes, die in den entlegendsten Gegenden tot aufgefunden wurden[43].

Kalter Winter: Nach der Trockenheit des Sommers brach wieder eine grimmige Kälte ein, wobei sich die ältesten Personen nicht an kältere Winter erinnern konnten. Außerdem kam wieder ein Blutregen auf und Bäche verwandelten sich in Blutströme.

Bubonenpest: In Ravenna, Istrien und Oberitalien verheerte die Beulenpest ganze Landstriche und zwar im selben Verhältnis, wie es dreißig Jahre zuvor schon dort der Fall war[44].

595 oder 596: Kometen - Den ganzen Januar über sah man morgens und abends Kometen.

Ende des 6. Jahrhunderts: Krankheiten - In Italien und Nordafrika herrschten die letzten Jahre dieses Jahrhunderts Krankheiten. Auch unter dem Avarenheer unter dem Khan Bajan bei Konstantinopel wüteten Krankheiten. Außerdem sah man ein riesiges Nordlicht und einen Kometen, den man seiner Form wegen Xiphias nannte[45].

Fußnoten

[14] Procop. de belle goth. II, 22.

[15] Fauchet antiquités gauloises et francaises III, 3.

[16] Secutae variae clases et inalae valetudines cum pustolis et vesicis populos aftlixerunt. Sigb. Gembl.

[17] Procop. de bello goth. IV, 15.

[18] Procop. de bello pers. II, 22.

[19] Procop. de bello goth. III, 29.

[20] Histor. miscell. XVI.

[21] Gregor. Turon. III, 27.

[22] Agathias de bello goth. Lib II.

[23] Cedreni Compend. histor. Venet. 1729. Fol. p. 304. (Ed. Par. p. 385.)

[24] Et haec quidem mala intra Italiam tantum usque ad fines gentium Allamannorum et Bojoariorum solis Romanis acciderunt.

[25] Gregor. Turon. IV, 31.

[26] Cedren. Comp. Histor. p. 332.

[27] Hoc anno morbus validus, eu(?) profluvio ventris et variola Italian Galliamque afflixie; et animalia bubula per loca suprascripta maxime interierung. Und im folgenden Jahr: Hoc anno infanda infirmitas atque glandula, cujus nomen est pustula, in suprasoriptis regionibus innutnerabilem populum devastavit. Marii Epikcoy. Chron.

[28] Biblioth. britannique, Vol. XVIII, p. 202.

[29] Gregor. Turon Hist. V, 10.

[30] in medio lunae stella fulgens vista es, ac super et subter Lunam aliae stellae propinquae apparuerunt. Gregorius Turon. V, 23.
Eine ähnliche Beobachtung machte auch Ulloa bei einer Sonnenfinsternis und glaubte, der Mond sei ausgehölt. Phil. Transact. 1779, p. 116.
Auch Humboldt sah Lichterscheinungen auf dem Mond, die er für Gewitter hielt. Reise in die Aequinoctial Gegenden IV. Buch, Note A. Eine andere vulkanische Eruption im Mond beschreibt Capit. Kater. Morgbl. 1821. Nro. 301.

[31] ventus auster nimium violenter cucurrit, ita ut sylvas prosterneret, domos eruerct, saepes efferret, ipsosque homines ad internecionem usque volutaret. Erat enim spatium ejus in latitudinem quasi jugera septem. Gregor. V, 41.

[32] Gregor. Turon. VI, 14.

[33] Gregor. Turon. VI, 25.

[34] Gregor. Turon. VI, 44. VII, II.

[35] idem VII, 45.

[36] Gregor. Turon. VIII, 8 u. 17.

[37] Illud etiam admirabile fuit, quod ubi aunquam gelu nocuit, tunc omnia abstulit: et eo ubi consueverat laedere, non accessit. Gregor. Turon. IX, 17.

[38] Gregor. Turon. IX, 22.

[39] Papon. chron. hist. des Pestes, p. 262.

[40] Nicephor. XVIII, 13.

[41] Gregor. Turon. X, 19.

[42] Siccitas nimium gravis. Paul. Diac. Warnefried IV, 2.

[43] Gregor. Turon. X, 30. Murator. Script. rer. ital. Mediol. Fol. Tü I. p. 180.

[44] Paul. Diac. de Gest. Longob. IV, 4.

[45] idem - 25-26.