Wissenschaft und Technologie
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Binoculars

Unbekanntes Gen kann Wachstum von Gehirntumoren bremsen

Inaktivierung von Erbanlage in Geschwulst weist auf schützende Funktion hin

Hannover - Ein Forscherteam von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) hat entdeckt, dass ein Gen mit bislang unbekannter Funktion dem Wachstum von Hirntumoren entgegenwirkt. Möglicherweise spielt seine tumorunterdrückende Wirkung bei Brust- oder Darmkrebs ebenfalls eine Rolle. Die Funktionsweise des neu entdeckten Gens könne in Zukunft bei der Entwicklung von Krebsmedikamenten berücksichtigt werden, teilte die Hochschule am Dienstag mit. Ihre Erkenntnisse veröffentlichten die Wissenschafter vom Institut für Humangenetik der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) in der Fachzeitschrift Brain.

Auf die Spur des Gens kam das Team um Ruthild Weber bei der Untersuchung von Zellen, die von bösartigen Hirntumoren abstammen - von sogenannten Glioblastomen. In vielen dieser Glioblastomen lag das Gen verändert vor. "Wenn ein Gen in einem Tumor inaktiviert ist, ist das ein Hinweis darauf, dass es tumorunterdrückend wirkt", erklärte Weber. Die Genveränderungen wurde auch in Tumoren anderer Organe entdeckt.
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Neunter Planet im Sonnensystem-Zwilling entdeckt

Planetensystem um
© ESO/L. Calçada
Illustration einer Detailansicht des Planetensystems um "HD 10180".
Hatfield/ England - Im Herbst 2010 vermeldeten Astronomen an der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Chile die Entdeckung des bis dahin komplexesten Planetensystems fernab der Sonne, in dem bis zu sieben Planeten den sonnenähnlichen Stern "HD 10180" umkreisen (...wir berichteten). Neue Auswertungen der Beobachtungsdaten des 127 Lichtjahre von der Erde entfernten Systems legen nun nahe, dass dieser Stern sogar von neun Planeten umkreist wird. Damit gäbe es um den gelben Zwergstern mehr Planeten als um die Sonne. Bei drei der Planeten handelt es sich um sogenannte Super-Erden.

Mittels der Radialgeschwindigkeitsmethode fanden eindeutige Belege für sechs und einen Hinweis auf einen siebten Planeten von 1,4 bis 65 Erdenmassen, deren Größen jedoch noch nicht bekannt sind.

Während fünf dieser Planeten zwischen 12 und 25 Erdenmassen aufweisen und damit der Klasse der neptunartigen Planeten angehören, benötigt der sechste - ein saturnartiger Planet von 65 Erdenmassen - rund 2.200 Tage, um seinen Stern zu umkreisen.
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Sitz des Bewusstseins erwacht zuletzt aus der Narkose

Gehirn
© Hemera
Halbbewusste Wachzustände bei Operationen können deshalb nur schwer entdeckt werden

Forscher haben aufgeklärt, warum Patienten nach einer Narkose oft verwirrt sind und erst langsam zu sich kommen: Nach der Narkose wacht zuerst der primitivste Teil des Gehirns auf. Erst danach wird auch die Großhirnrinde - der Sitz unseres Bewusstseins - aktiv. Das zeigen Hirnscans, die die Wissenschaftler in der Aufwachphase von Probanden aufzeichneten. Diese Entdeckung könnte auch erklären, warum Anästhesisten manchmal nicht bemerken, dass Patienten während einer Operation wach werden: Ihre Messgeräte fragen nur die Aktivität der Großhirnrinde ab - und reagieren daher zu spät oder gar nicht auf diese nur halbbewussten Wachzustände. Das berichten die Forscher im Fachmagazin "The Journal of Neuroscience".

"Wir haben erwartet, dass sich die Großhirnrinde als erstes nach einer Narkose wieder einschaltet", sagt Studienleiter Harry Scheinin von der Universität Turku in Finnland. Überraschenderweise aber hätten die Aufnahmen etwas anders gezeigt: Gehirnstrukturen wie der Hirnstamm, der Thalamus und Teile des limbischen Systems seien zuerst aktiv geworden. Sie gehören zu den evolutionär ältesten Hirnteilen und verarbeiten unter anderem ursprüngliche Gefühle wie Angst und Lust, aber auch die Reaktion auf äußere Reize
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Erster Riesen-Dinosaurier mit Federn entdeckt

Früher Tyrannosaurus-Verwandter hatte bis zu 20 Zentimeter lange Federn
Dino mit Federn
© Brian Choo
So könnte der vor 125 Millionen Jahren lebende Yutyrannus huali ausgesehen haben: diese Zeichnung zeigt eine Gruppe dieser gefiederten Raubsaurier (mit gelbem Nasenkamm), vorne links sind zwei kleine Beipiaosaurier zu sehen, sie galten vor der Entdeckung des Yutyrannus als die größten Dinosaurier mit einem Gefieder.

In China haben Forscher erstmals Fossilien einer gigantischen gefiederten Dinosaurierart entdeckt. Der frühe Verwandte des Tyrannosaurus rex lebte vor 125 Millionen Jahren und wog ausgewachsen fast eineinhalb Tonnen. Er gehörte damit zu den größten Raubsauriern seiner Zeit. Sein Körper war dicht mit mehr als 15 Zentimeter langen, fadenartigen Federn bedeckt. Das belegen gut erhaltene Federreste an drei Skeletten der neuen Art. Die Wissenschaftler tauften den gefiederten Raubsaurier daher Yutyrannus huali - Mandarinchinesisch für "schöner Federtyrann". Die Entdeckung des Yutyrannus liefere den ersten Beleg dafür, dass es auch sehr große Dinosaurierarten mit einem Federkleid gab, berichten die Forscher im Fachmagazin "Nature".

Der größte bisher bekannte gefiederte Dinosaurier war der in der frühen Kreidezeit lebende Beipiaosaurus, der nur etwa 2,20 Meter lang wurde und 80 Kilogramm wog. "Es gab zuvor keine Fossilien, die die Präsenz von Federn bei den großen Tyrannosauriern zeigten", schreiben Xing Xu vom Institut für Wirbeltierpaläontologie und Paläoanthropologie der chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking und seine Kollegen. Daher sei man davon ausgegangen, dass die großen Raubsaurier nicht gefiedert waren. Der Fund des Yutyrannus werfe nun ein neues Licht auf die Entwicklung der Federn bei den Dinosauriern.
Holly

Cannabisähnliche Substanz hilft beim Vergessen

Berner Wissenschafter finden neuen Mechanismus

Eigentlich sollte man es wissen, aber das Vokabel will einem einfach nicht einfallen: Was beim Vergessen von Informationen im Gehirn abläuft ist bis heute nicht vollständig geklärt. Schweizer Wissenschafter haben nun einen Mechanismus entdeckt, der möglicherweise Licht in die Frage bringt. Eine Hauptrolle bei ihrer Erklärung spielt ein vom Gehirn selbst produzierter cannabisähnlicher Stoff.

Das Phänomen des Vergessens ist uns wohlbekannt. Doch was passiert dabei im Gehirn? Die Forscher Thomas Nevian und Rogier Min vom Institut für Physiologie der Universität Bern sind dem zugrunde liegenden Mechanismus einen Schritt näher gekommen: Sie haben herausgefunden, dass Sternzellen - sogenannte Astrozyten -, denen bislang nur eine passive Rolle als Stütz- und Versorgungszellen für die Nervenzellen zugeschrieben wurde, womöglich eine entscheidende Rolle beim Vergessen spielen. Die Sternzellen greifen durch einen körpereigenen Stoff, der dem Cannabis sehr ähnlich ist, in die Chemie des Gehirns ein. Die Ergebnisse sind nun im Wissenschaftsjournal Nature Neuroscience publiziert.

Aufgabe des Gehirns ist es, Informationen über die Sinnesorgane aufzunehmen, zu verarbeiten, Informationen zu speichern und schließlich durch Impulse an die Muskeln unser Verhalten zu steuern. Das Aufnehmen, Aussenden, Verarbeiten und Speichern von Informationen findet in den Nervenzellen statt. Diese Nervenzellen sind über Kontaktstellen, die Synapsen, jeweils mit unzähligen anderen Nervenzellen verbunden. Über diese Synapsen werden Informationen auf elektrisch- chemischem Weg von einer Nervenzelle an die nächste weitergegeben.
Mr. Potato

Hoffnung für unfruchtbare Frauen

Pregnant Woman
© Live Science
Die Wissenschaft feiert eine kleine Sensation. Forscher entdeckten in weiblichen Stammzellen neu entstandene Eizellen. Zunächst gingen sie davon aus, dass die Eizellen mit dem Alter abnehmen.

Die Entdeckung könnte zu ganz neuen Methoden führen, um Unfruchtbarkeit bei Frauen zu behandeln. Damit stösst die Studie der Forscher um Professor Jonathan Tilly vom Massachusetts General Hospital in Boston ein medizinisches Dogma um. Bisher galt: Frauen kommen mit einer festgelegten Zahl von Eizellen zur Welt. Diese nimmt mit dem Alter ab und sie können nicht neu gebildet werden.

Das US-Team isolierte aber aus Eierstöcken von Frauen im gebärfähigen Alter Stammzellen und setzte diese in unreife Eizellen ein. Die Stammzellen wurden anschliessend mit einem fluoreszierenden grünen Protein gekennzeichnet und in menschliches Eierstockgewebe eingepflanzt. Daraufhin entstanden neue Eizellen, von denen einige grün leuchteten. Das deutete darauf hin, dass sie von den Stammzellen abstammten. Andere wiederum leuchteten nicht, was vermuten liess, dass sie bereits zuvor im Gewebe vorhanden waren.
Bulb

Stromgenerator in Schuhkarton-Format

Um bei Stromausfällen wie nach dem verheerenden Erdbeben vor einem Jahr gewappnet zu sein, ist in Japan ein mit Gas betriebener Stromgenerator entwickelt worden. Gerade einmal so groß wie ein Schuhkarton und auf Knopfdruck einsatzbereit ist der neuartige Generator der Unternehmensgruppe IHI. In dem handlichen Kasten befindet sich ein vergleichsweiser leiser Motor, der dank einer Gasturbine bis zu 400 Watt Leistung erbringt und drei Stunden ununterbrochen durchlaufen kann. Danach muss das Gas nachgefüllt werden.

AFP
Butterfly

Delfine besitzen im Tierreich einzigartige Sozialstruktur

Delphine
© The Dolphin Alliance Project
Zwei Delfin-Männchen in der Shark Bay
Männchen pflegen lose, vielschichtige Allianzen

Delfine besitzen ein im Tierreich einzigartiges Sozialverhalten - und sind darin menschenähnlicher als gedacht. Denn die Delfin-Männchen bilden einerseits Allianzen untereinander und leben andererseits in einer offenen, opportunistisch wechselnden Sozialstruktur. Diese komplexe, vielschichtige Sozialstruktur haben Forscher jetzt erstmals an Delfinen in der Shark Bay in Australien nachgeweisen. Wie sie im Fachmagazin "Proceedings of the Royal Society B" berichten, gibt die Erforschung solcher tierischer Sozialstrukturen wertvolle Hinweise auf die Evolution unseres eigenen Sozialverhaltens.

Studien in den 1990-er Jahren zeigten bereits, dass zwei bis drei männliche Delfine sehr eng miteinander kooperieren, um weibliche Delfine zur Verpaarung von der Großgruppe zu isolieren. Diese sogenannten Allianzen erster Ordnung schließen sich manchmal zusammen, um Weibchen, die von anderen Allianzen monopolisiert werden, zu stehlen. Diese Verbindung unter Männchen auf höherer Ebene ist jedoch teilweise höchst opportunistisch und kann je nach Kontext wechseln. Die Bildung von Allianzen bei Delfinen ist in ihrer Komplexität nur mit derjenigen von Menschen vergleichbar.
Magnify

Anthropologen-Streit: Wo entwickelte sich der aufrechte Gang des Menschen?

Über viele Jahrmillionen bevorzugten die Vorfahren des Menschen die Fortbewegung mittels Armen und Händen. Sie gingen auf allen Vieren. Doch eines Tages richtete sich der erste Mensch auf. Was bewog ihn zu dieser ziemlich verändernden Tat? Dies fragen sich viele Wissenschaftler und manch einer glaubt, dass er die Antwort gefunden hat. Eine Lösung könnte die sogenannte Ufertheorie des Humanbiologen Carsten Niemetz sein. Sein „AHA-Erlebnis“ liegt jetzt ca. 10 Jahre zurück. Er beobachtete an einem Berliner Badesee, wie sich große und kleine Menschen am und im Wasser vergnügten: Sie lagen am Strand, einige wenige schwammen im Wasser und sehr viele wateten im seichten Wasser.

Niemetz geht davon aus, dass die Liebe zum Wasser - inbesondere zum flachen Wasser - tief im Menschen verwurzelt ist und bis zu den Anfängen des Menschseins zurückreicht. Der Leiter der Arbeitsgruppe für Humanbiologie und Anthropologie an der Freien Universität Berlin (Deutschland) sammelt seit diesem Tag Belege aus allen Disziplinen, die beweisen, dass die Urmenschen den aufrechten Gang in unmittelbarer Ufernähe von Gewässern entwickelt haben müssen. Damit widerspricht Niemetz all jenen Kollegen, die glauben, dass sich der Mensch in der Savanne aufrichtete, um besser sich anschleichende Feinde bemerken zu können. Die Savannen-Theorie hat es mittlerweile sogar in die Geschichtslehrbücher geschafft.

Die Mehrheit der Forscher sieht die Ufertheorie allerdings noch immer sehr kritisch. Doch davon lässt sich Niemetz nicht beeindrucken und setzt seine Forschungen fort. Dies wiederum nehmen WDR und Arte zum Anlass und zeigen am Donnerstagabend einen Film, der die Ufertheorie näher beleuchtet. Die unter Forschern umstrittene Dokumentation heißt „Das Geheimnis des aufrechten Gangs“.
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DNA liefert nur begrenzt Aussagen über Krankheitsrisiko

dna
© unbekannt
Aus dem Erbgut eines Menschen lässt sich nur begrenzt das Risiko für häufige Krankheiten wie Krebs vorhersagen. Das haben Wissenschaftler durch Zwillingsforschung herausgefunden.

Aus dem gesamten Erbgut eines Menschen lässt sich nur begrenzt das Risiko für häufige Krankheiten wie Krebs vorhersagen. Zu diesem Ergebnis kommen US-Forscher nach der Auswertung von Daten von Zwillingen. «Wir glauben, dass Genomtests kein Ersatz für gängige Strategien zur Krankheitsvorbeugung sein werden», sagte Bert Vogelstein vom Johns Hopkins Kimmel Cancer Center (Baltimore, USA). Das Team um Vogelstein, Kenneth Kinzler und Nicholas J. Roberts präsentiert seine Daten im Fachjournal Science Translational Medicine und auf einer Krebstagung in Chicago.
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