Wissenschaft und Technologie
Karte

Telescope

Sternflecken: Erstmalige Vermessung von Temperatur- und Magnetfeldverteilungen auf einem rotierenden Stern

Astronomen haben erstmals das Magnetfeld eines fernen dunklen Sternflecks ermittelt, wie sie als "Sonnenflecken" auf unserem eigenen Mutterstern der Sonne zu beobachten sind. Den Forschern ist damit der lange erwartete Nachweis gelungen, dass diese aktiven Regionen Orte besonders hoher Magnetfelddichte sind.
© aip.de
Magnetfeld- und Temperaturkarte der Oberfläche der mit einigen Millionen Jahren noch "jungen Sonne" V410 Tauri.
Potsdam (Deutschland) - Das Feld, so berichten die Astronomen um Thorsten Carroll und Klaus G. Strassmeier vom Leibniz-Institut für Astrophysik (AIP, aip.de) aktuell in der Fachzeitschrift Astronomy & Astrophysics, erreicht lokal eine etwa fünfzig- bis hundertfach größere Stärke als auf der restlichen Oberfläche des Sterns. Der Nachweis wurde möglich durch die am AIP entwickelte neue tomografische Analysesoftware iMap.

Blue Planet

Vorfahren des großen Pandas lebten in Spanien

Kiefer und Zähne belegen frühe Anpassung dieser Bärengruppe an harte Pflanzenkost

In Spanien haben Paläontologen Überreste des ältesten bekannten Vorfahren des Großen Panda entdeckt. Der Kretzoiarctos getaufte Bär lebte vor 11,6 Millionen Jahren und war bereits daran angepasst, harte Pflanzenteile zu fressen. Das sei an den im Vallès-Penedès Becken im Nordosten Spaniens gefundenen fossilen Kiefern und Zähnen erkennbar, berichten die Forscher im Fachmagazin "PloS ONE".
Bild
© Rob / CC BY 2.0
Abbildung eines Pandas im Zoo
Der urzeitliche Bär ähnelt damit im Fressverhalten bereits seinem einzigen heute noch lebenden Nachfahren, dem Großen Panda, der sich vorwiegend von Bambus ernährt. Der neue Fund verschiebe nicht nur den Ursprung der ersten Pandas weiter in die Vergangenheit, er deute auch darauf hin, dass diese heute nur in China vorkommende Bärengruppe einst in Westeuropa entstanden sein könnte, sagen die Wissenschaftler.

Water

Analysewerte deuten auf einstiges Trinkwasser auf dem Mars hin

Während schon frühere Analysen der beiden Zwillings-Rover "Opportunity" und "Spirit" im Rahmen der NASA-Mission "Mars Exploration Rover" (MER) Spuren einstigen Wassers auf dem Mars gefunden hatten (...wir berichteten), deuteten alle Analysewerte bislang daraufhin, dass dieses Wasser wahrscheinlich stark säurehaltig und damit eher lebensfeindlich war. Jetzt hat der Rover "Opportunity" erstmals die Reste einer einstigen wässrigen Umgebung auf dem Mars entdeckt, die durchaus die Voraussetzungen für Leben ja sogar Trinkwasser geliefert haben könnte.
© NASA/JPL-Caltech/ Cornell Univ./Arizona State Univ.
Der "Whitewater Lake"-Felsen (Bildmitte) ist etwa 80 Zentimeter groß.
San Francisco (USA) - "Das ist unsere allererste Ansicht von (den Resten) einer Umwelt auf dem einstigen Mars, die eindeutig aus einer Chemie hervorging, die Leben ermöglicht haben könnte", so der MER-Chefwissenschaftler Steve Squyres auf dem diesjährigen Herbsttreffen der American Geophsical Union (AGU).

Die hier nun gefundenen Tonerdenablagerungen deuten auf eine andere Art von (einstigem) Wasser hin. "Dieses Wasser", so zeigt sich Squyres begeistert, "hätten wir sogar trinken können."

Mars

Komplexe Chemie und erste Hinweise auf organische Verbindungen auf dem Mars entdeckt

Nach zwei Wochen der Spekulationen über die vom leitenden Wissenschafter der NASA-Mission "Mars Science Laboratory" (MSL) einst angekündigte "historische Entdeckung" des Rovers "Curiosity"(...wir berichteten. s. Links), hat die US-Raumfahrtbehörde nun offiziell die Hintergründe der Ankündigung bekannt gegeben. Demnach hat die mobile Laboreinheit komplexe Chemie und tatsächlich erstmals Hinweise auf organische Verbindungen auf dem Roten Planeten gefunden. Letztere gilt es nun noch genauestens zu überprüfen und auf ihren Ursprung hin zu untersuchen. Während organische Verbindungen auch nichtbiologischer Natur oder sogar irdischer Herkunft sein könnten, können sie auch als Bausteine des Lebens dienen.
© NASA/JPL-Caltech/MSSS
Grabungsspuren des Mars-Rovers "Curiosity" im "Rocknest", so der Name des Grabungsortes auf dem Mars.
Pasadena (USA) - Zum ersten Mal, so die NASA-Wissenschafter auf der Pressekonferenz im Rahmen des Herbstreffens der "American Geophysical Union" (AGU) in San Francisco, habe der Rover seine gesamtes Instrumentarium eingesetzt, um Bodenproben vom Mars zu analysieren. Dabei habe er in den Proben komplexe chemische Vorgänge nachweisen können, in dem neben anderen Bestandteilen und Inhaltsstoffen der sandigen Bodenprobe Wasser, Schwefel und chlorhaltige Substanzen nachweisbar waren.

Jupiter

Schwefeldioxid-Zunahme auf der Venus ein Hinweis auf aktive venusische Vulkane?

Während die Venusoberfläche mit Hunderten von Vulkanen übersät ist, konnte bislang noch kein Beweis für noch immer aktive Vulkane gefunden werden. Sechs Jahre lang haben Wissenschaftler mit der europäischen Sonde "Venus Express" die "höllische Schwester der Erde" beobachtet und glauben nun anhand atmosphärischer Messungen Hinweise für aktive Vulkane gefunden zu haben.
© Data: E. Marcq et al. (Venus Express); L. Esposito et al. (earlier data); background image: ESA/AOES
Anstiege und Rückgänge der Schwefeldioxid-Werte, gemessen von den Sonden "Pioneer Venus" (l.) und "Venus Express" (r.), in der oberen Atmosphäre deuten auf aktuell aktive Venusvulkane hin.
Paris (Frankreich) - Wie die Forscher um Dr. Emmanuel Marcq vom Laboratoire Atmosphères, Milieux, Observation Spatiales (LATMOS) im Fachmagazin Nature Geoscience berichten, wären derzeitig aktive Vulkanausbrüche "eine faszinierende mögliche Erklärung" für die nachgewiesenen starken Veränderungen in der Schwefeldioxidkonzentration in der Venus-Atmosphäre.

Satellite

Voyager 1 ist in die Grenze zwischen der äußeren Region des Sonnensystems und dem interstellaren Raum eingetreten

Messungen der NASA-Raumsonde "Voyager 1" belegen, dass die Sonde als erstes irdisches Raumschiff in die Grenze zwischen der äußeren Region des Sonnensystems und dem interstellaren Raum eingetreten ist.
© NASA
Die Raumsonde Voyager 1 am Rande kruz vor dem Eintritt in den interstellaren Raum (Illu.)
Pasadena (USA) - Die nun erreichte Region bezeichnen Wissenschaftler als "magnetische Autobahn" für geladene Partikel, da hier die magnetischen Feldlinien der Sonne auf jene des interstellaren Raumes treffen.

Aus dem Umstand, dass sich die Ausrichtung der magnetischen Feldlinien noch nicht verändert hat, schließen die Wissenschaftler jedoch, dass sich Voyager noch innerhalb der Heliosphäre und damit einer vom Sonnenwind selbst erzeugten Blase befindet, die das Sonnensystem vor einwirkender interstellare Materie abschirmt.

Piggy Bank

Schweine haben Supernasen

Erbgut-Entschlüsselung liefert Neues über Evolution und Sinne der Haus- und Wildschweine

Die Gene der Schweine erklären, warum sie so gute Trüffelsucher sind: Sowohl Haus- als auch Wildschweine besitzen mehr Geruchsgene als die meisten anderen Säugetiere. Das zeigt die bisher umfassendste Analyse des Schweine-Erbguts, durchgeführt von einem internationalen Forscherteam. Mehr als 1.300 Gene seien beim Schwein nur für die Funktion der verschiedenen Duftsensoren zuständig. Dies spiegele wieder, wie stark diese Tiere sich bei der Nahrungssuche auf ihren Geruchssinn verlassen, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin "Nature".

Bild
© Don Hamerman
Junge Hausschweine der Sorte Duroc beim Fressen.
Der Geschmacksinn allerdings ist bei den Schweinen eher unterentwickelt: Sie besitzen nur wenige Gene für Bittersensoren und auch süße und herzhafte Aromen nehmen sie wahrscheinlich weniger gut wahr als wir Menschen, wie die Analysen zeigten. "Schweine fressen deshalb problemlos Dinge, die für uns abscheulich schmecken", erklärt Lawrence Schook von der University of Illinois, einer der Studienleiter.

Info

Wundheilung der menschlichen Haut einzigartig: Neuentdeckung der Rolle von Schweißdrüsen

Ganz anders als bei den bisher daraufhin untersuchten Versuchstieren erfolgt die Neubildung von Haut beim Menschen hauptsächlich aus Stammzellen der Schweißdrüsen
© Minghong / Creative Commons (CC BY-SA 3.0), http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en
Schweißdrüsen dienen nicht nur der Kühlung, sondern helfen auch bei der Wundheilung.
Ann Arbor (USA) - Menschliche Schweißdrüsen spielen bei der Wundheilung eine bisher unerkannte wichtige Rolle. Sie sind eine Hauptquelle von Stammzellen, aus denen neue Hautzellen hervorgehen, berichten amerikanische Mediziner. Diese Funktion der Schweißdrüsen blieb zunächst unentdeckt, da Studien zum Ablauf der Wundheilung meist mit Versuchstieren durchgeführt wurden. Mäuse, Ratten, Kaninchen und Schweine verfügen aber nicht über den speziellen Typ und die große Zahl von Schweißdrüsen der menschlichen Haut. Die Ergebnisse der Studie können helfen, neue Therapien für Verbrennungen und schlecht heilende Wunden wie Druckgeschwüre, offenes Bein und diabetischer Fuß zu entwickeln, schreiben die Forscher im American Journal of Pathology.

Shoe

Neue Theorie: Evolutionäres Wachstum des Gehirns durch körperliche Ausdauer

Neue Hypothese besagt, dass Veränderungen der Muskulatur bei den frühen Menschen auch die Entwicklung des Gehirns beschleunigt hat
© Gruban / Creative Commons (CC BY-SA 2.0), http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/deed.de
Menschen bei der Jagd (Felsmalerei im Tassili n'Ajjer, Sahara, Algerien)
Tucson (USA) - Die Überlebensvorteile komplexer Hirnleistungen förderten ein starkes Wachstum des Gehirns unserer Vorfahren. Aber vielleicht gab es im Lauf der menschlichen Evolution noch eine ganz andere Antriebsfeder für diese Entwicklung, vermuten amerikanische Forscher. Denn die verstärkte Laufaktivität, die mit dem Übergang zum Leben als Jäger und Sammler einherging, war wahrscheinlich mit einer erhöhten Produktion bestimmter Wachstumsfaktoren gekoppelt. Diese Botenstoffe dürften auch einen stimulierenden Einfluss auf das Hirnwachstum gehabt haben. Die neue Hypothese widerspricht der gängigen Vorstellung einer wachsenden Intelligenz, die den frühen Menschen in die Lage versetzte, körperliche Mängel auszugleichen, schreiben die Biologen im Fachblatt Proceedings of the Royal Society B.

Info

Drei Viertel der Mutationen im menschlichen Erbgut sind erst vor Kurzem entstanden

Das menschliche Erbgut hat in den vergangenen 5000 bis 10 000 Jahren zahlreiche Mutationen durchgemacht. Evolutionär betrachtet ist das ein extrem kurzer Zeitraum. Viele Mutationen haben zu Krankheiten geführt - einige waren von Vorteil.
© dpa
Das erbgut der Menschen hat anscheinend vor allem in den letzten 5000 bis 10 000 JAhren zahlreiche Mutationen durchgemacht.
Das menschliche Erbgut hat sich in den vergangenen 5000 bis 10 000 Jahren erheblich verändert. In diesem Zeitraum tauchten unter anderem viele Mutationen in Genen auf, die möglicherweise zu Krankheiten führen, und zwar häufiger bei Europäern als bei Afrikanern. Dies berichten US-Forscher im britischen Fachblatt Nature.

Kommentar: In diesem Zusammenhang ist es interessant und auffällig, dass die angegebene Zeitspanne von 5000 bis 10 000 Jahren mit dem Aufkommen und der Verbreitung der Landwirtschaft steht. Der im Zuge der Sesshaftwerdung auftretende Wechsel zu einer getreidebasierten Ernährung steht im Zusammenhang mit geringerer Körpergröße, einer größeren Anfälligkeit für Krankheiten sowie der Entwicklung der heutigen sogenannten Zivilisationskrankheiten; und außerdem soll das menschliche Gehirn innerhalb der letzten 5000 Jahre geschrumpft sein.

Mutationen in der menschlichen Genetik seit Beginn der Landwirtschaft: "Die Menschen werden immer dümmer"
Evolution des Menschen ist laut Studie nicht abgeschlossen
Die Landwirtschaft brachte den Krieg
Gluten verantwortlich für über 200 Krankheiten - Weizen ist chronisches Gift und betrifft uns alle
Nein zu Getreide: Gluten vernebelt die Sinne!

Weitere Implikationen:

Schwanger: Ernährung der Mutter beeinflusst Anlagen des Kindes
Schäden durch Umweltgifte vererben sich bis in nachfolgende Generationen
Umwelteinflüsse prägen DNA im Mutterleib signifikant
Misshandelte Kinder zahlen mit beschädigter DNA