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Fragen & Antworten mit Laura Knight-Jadczyk: Psychopathie

People

Bei Verlust des Elternteils: Ohne Vater früher eigene Kinder

Jungs, die ihren Vater schon in den ersten Lebensjahren verlieren, bekommen umso früher selbst Nachwuchs. Britische Forscherinnen konnten nachweisen, wie viel Einfluss Väter auf die Pubertät und Fortpflanzung ihrer Söhne nehmen.
Vater und Sohn
© picture-alliance/dpa
Auch der Zeitpunkt einer Heirat hängt offenbar mit dem Vater und seiner Anwesenheit zusammen.

Vaterlose Jungen werden selbst früher Väter. Dagegen kommt ein Teil von ihnen später in die Pubertät und heiratet später. Das haben britische Forscherinnen nun nachgewiesen. Paula Sheppard von der London School of Economics und Rebecca Sear von der Durham University präsentieren ihre Studie im britischen Fachjournal Biology Letters.

Für Mädchen war ein Zusammenhang zwischen Vaterlosigkeit und früher Pubertät und Fortpflanzung bereits bekannt. Für ihre Studie haben Sheppard und Sear nun die Daten vom mehreren tausend Männern aus Großbritannien daraufhin untersucht, ob die Abwesenheit des Vaters mit dem Zeitpunkt der Pubertät, der Heirat und der Fortpflanzung korreliert. Dabei wurden andere als ungünstig angesehene Kindheitsumstände ausgeschlossen sowie der Zeitpunkt des Vaterverlustes berücksichtigt.
Alarm Clock

Gehirn registriert im Schlaf Außenreize immer anders

Das menschliche Gehirn reagiert in Leicht- und Tiefschlafphasen, in der Fachsprache Non-REM-Schlaf genannt, von Sekunde zu Sekunde völlig unterschiedlich auf Außenreize. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie belgischer und österreichischer Wissenschafter, die nun in der Wissenschaftszeitschrift „PNAS“ veröffentlicht wurde. In dem Versuch wurden Schlafenden Töne vorgespielt und gleichzeitig mit Elektroenzephalogramm (EEG) und Kernspintomographen (MRT) die Gehirnaktivitäten gemessen.

Grundsätzlich unterscheidet man zwei Schlafphasen: den REM-Schlaf, benannt nach den raschen Augenbewegungen in diesem Stadium, in dem primär geträumt wird, und den Non-REM-Schlaf, bei dem sich wiederum Leicht- und Tiefschlafphasen abwechseln. Bereits vor einigen Jahren hat Manuel Schabus vom Fachbereich Psychologie der Universität Salzburg gemeinsam mit Kollegen vom Cyclotron Research Center in Lüttich herausgefunden, dass das Gehirn im Leichtschlaf wesentlich aktiver ist als gedacht.
Heart

Mutter-Sohn-Beziehung hat großen Einfluss auf das Verhalten des Jungen

Das Verhältnis zwischen Mutter und Sohn beeinflusst das Verhalten des Jungen bis ins Jugendalter hinein, wie aus einer jetzt veröffentlichten Studie hervorgeht.

So würden Jungen, die eine konfliktreiche Beziehung zu ihrer Mutter hätten, später eher straffällig als andere, schreiben die Forscher um Christopher Trentacosta von der Wayne State University im Fachblatt Child Development.

Jungen mit einer engen Bindung an die Mutter hätten als Jugendliche auch eine gute Beziehung zu ihren Freunden. Entscheidend dabei sei, wie sich das Verhältnis zwischen Mutter und Sohn im Laufe der Jahre verändere, erklärten die Wissenschaftler.
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Väter haben hohen Einfluss auf Intelligenz

Vater und Tochter
© FlickrCCMae
Vater und Tochter: Anwesenheit macht großen Unterschied

Montreal/Wien - Für die Entwicklung eines Kindes macht es einen großen Unterschied, ob ein Vater anwesend ist oder nicht. Denn besonders die Intelligenz, das Verhalten und das emotionale Wohlbefinden werden durch ihn geprägt, berichten Forscher der Concordia University http://crdh.concordia.ca im Canadian Journal of Behaviour Science. Die Psychologin Sandra Velasquez http://familien-psychologie.info , Autorin des Erziehungsbuches Die Brücke zu dir, erklärt gegenüber pressetext, was einen guten Vater ausmacht.

Grenzen und Struktur

Die kanadischen Wissenschaftler untersuchten 176 Kinder zwischen drei und fünf Jahren und wiederholten dies sechs Jahre später durch Intelligenztests und Befragungen der Mütter und Lehrer. "Ist der Vater in der frühen Kindheit und vor der Pubertät anwesend, so zeigen Kinder weniger Verhaltensprobleme und höhere Intelligenz. Das gilt sogar für sozial benachteiligte Familien", berichtet die Studienleiterin Erin Pougnet. Den Vater beschreibt sie als "Grenzen- und Strukturgeber", von dem ein Kind vor allem das Problemlösen sowie das Meistern von Traurigkeit, sozialem Rückzug und Angst lernt.
People

Bei der Kollegialität ticken Männer und Frauen unterschiedlich - Das Monoaminoxidase A-Gen steuert die Kooperationsbereitschaft

Ob sich ein Mensch grundsätzlich kollegial und kooperativ verhält, liegt nicht zuletzt in seinen Genen begründet, wie Forscher der Universität Trier bei einer aktuellen Studie nachweisen konnten. Bei ihren Untersuchungen sind die Wissenschafter allerdings noch auf ein weiteres überraschendes Phänomen gestoßen: Eine Variante des gleichen Gens steuert das Verhalten von Männern und Frauen gegensätzlich.

Frauen sind demnach eher bereit, einen Beitrag zur Gemeinschaft zu leisten, wenn sie eine weniger aktive Variante des MAOA-Gens aufweisen - bei Männern ist es genau umgekehrt. Die Forscher folgern daraus, dass dafür vor allem evolutionäre Mechanismen verantwortlich sind. Über die Hintergründe lässt sich jedoch nur spekulieren.

Um im Rahmen der Studie die Kooperationsbereitschaft der Testpersonen beurteilen zu können, wurde mit echtem Geld "gespielt". Einen Teil davon konnten die TeilnehmerInnen in einen Gemeinschaftstopf "investieren". Die Forscher um Vanessa Mertins und Jobst Meyer berichten im Online-Fachmagazin PLoS ONE, dass sich Männer und Frauen in Bezug auf ihre Bereitschaft zur Kooperation in Abhängigkeit von einer Variante des Monoaminoxidase A-Gens (MAOA) unterscheiden. MAOA ist auf dem X-Chromosom lokalisiert und wurde in früheren Studien mit aggressivem Verhalten in Zusammenhang gebracht: Männer und Mäuse, denen dieses Gen fehlt, sind überaus gewalttätig.
Butterfly

Kunst des Wartens schon im Kindesalter sichtbar

Selbstregulation ist angeboren, kann aber trainiert werden
Kind mit Marshmallow
© You Tube
Kind mit Marshmallow: Umgang mit Versuchungen früh festgelegt.

New York/Ulm - Schon als Kind zeigen Menschen, wie gut sie sich später unter Kontrolle haben. Das konnten US-Psychologen anhand des berühmten "Marshmallow-Tests" beweisen. "Die Fähigkeit zur Selbstregulation bestimmt in hohem Ausmaß, wie sich Menschen entwickeln. Wer sie besitzt, hat bei den exekutiven Funktionen sowie bei der Lernleistung die Nase vorne und produziert weniger Stresshormone", erklärt Sabine Kubesch vom Transferzentrum für Neurowissenschaft und Lernen der Universität Ulm http://znl-ulm.de gegenüber pressetext.

Der "Marshmallow-Test" aus den 60er-Jahren gehört zu den bekanntesten Experimenten der Psychologie. Forscher um Walter Mischel platzierten damals die Süßigkeit vor vierjährigen Kindern und stellten ihnen zur Wahl, entweder den Marshmallow sofort zu essen oder später einen zweiten zu bekommen, falls sie der Versuchung widerstehen konnten. Dieser Belohnungsaufschub gelang einigen Kindern, anderen hingegen nicht. Der Test und dessen Folgebeobachtungen waren Grundlage für die Erforschung der Selbstregulation.
Better Earth

Exklusive Konferenz mit Laura Knight-Jadczyk in Barcelona

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Psychisch krank: Was tut sich im Gehirn?

Internationale Experten für neuronale Bildgebung in der Psychiatrie tagen vom 7. bis zum 10. September 2011 in Heidelberg / Öffentlicher Vortrag von Nobelpreisträger Arvid Carlsson
brain

Wie verändert sich die Gehirnfunktion eines Erwachsenen im Laufe seines Lebens? Was ist anders bei psychischen Erkrankungen wie Schizophrenie oder Demenz? Wie moderne Bildgebungsverfahren zur Klärung dieser Fragen beitragen können, diskutieren rund 200 renommierte Wissenschaftler verschiedener Nationen und Fachrichtungen bei der Jahrestagung der International Society for Neuroimaging in Psychiatry (ISNIP) vom 7. bis 10. September 2011 in Heidelberg.

Als Festredner der Tagung haben der schwedische Nobelpreisträger Professor Dr. Arvid Carlsson und Professor Dr. Monte S. Buchsbaum, Pionier der neuronalen Bildgebung in der Psychiatrie, ihr Kommen zugesagt. Zu ihren Vorträgen am 7. September um 18 Uhr (Prof. Carlsson) im Rahmen der Kongresseröffnung bzw. am 9. September um 18.30 Uhr (Prof. Buchsbaum) jeweils in der Alten Aula der Universität Heidelberg, ist die interessierte Öffentlichkeit herzlich eingeladen. Die Vortragssprache ist Englisch, der Eintritt ist frei.
Eye 2

Von der Psychopathie zur Persönlichkeitsstörung

Wie sah man sie früher, wie sieht man sie heute, die abnormen Persönlichkeiten?
Als „Psychopath“ bezeichnet zu werden ist keine Schmeichelei. Das weiß inzwischen jeder. Trotzdem war dieser Tadel früher einmal ein psychiatrischer Fachbegriff. Er musste aber von einer neutraleren Bezeichnung abgelöst werden, der heute gängigen „Persönlichkeitsstörung“.

Auch die Zahl der (zumeist negativen) Eigenschaften von Persönlichkeit, Temperament und Charakter eines von der Wesensart offenbar abnormen Mitmenschen wurde deutlich reduziert. Früher gab es eine Vielzahl von krankhaften Charakterzügen, die das „grenzwertige Mensch-Sein“ allerdings auch detaillierter beschrieben. Heute beschränkt man sich auf paranoide (wahnhafte), schizoide, schizotypische, antisoziale (dissoziale), emotional instabile, histrionische (hysterische), narzisstische, ängstliche (vermeidende) bzw. selbstunsichere, dependente (abhängige), zwanghafte (anankastische) u. a. Persönlichkeitsstörungen.

Kommentar: Dennoch geht der Begriff der Psychopathie und das Wesensbild des Psychopathen in dem Artikel etwas verloren. Lesen Sie deshalb diesen Artikel, um detailliert zu erfahren, wie Psychopathie charakterisiert wird.

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