Leck der Ölpipeline in Alberta
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Aufräumarbeiten am Leck der Ölpipeline in Alberta.
Das Leck in einer Pipeline hat in Alberta die größte Ölpest seit Mitte der 70er Jahre verursacht. Nun beschweren sich Anwohner über Kopfweh, Bauchschmerzen und Übelkeit.

Die Pipeline trägt einen wunderschönen Namen: Regenbogen-Pipeline heißt das Leitungssystem in der kanadischen Ölprovinz Alberta, durch das täglich mehr als 180 000 Barrel Rohöl fließen. Weniger schön ist, was sich dort Ende April ereignete und erst jetzt bekannt wurde. Aus einem Leck der Rainbow-Pipeline flossen in einem abgelegenen Gebiet 28 000 Barrel Öl. Indianergemeinden klagen, die Öldämpfe aus dem Leck machten sie krank.

Das Leck sei abgedichtet und die Pipeline verliere kein weiteres Öl, teilte das Energy Resources Conservation Board (ERCB) mit, die Aufsichtsbehörde von Alberta. Das Leck entstand wohl am 29. April etwa 100 Kilometer nordöstlich der Gemeinde Peace River im Norden der Provinz. Die Pipeline bringt Öl aus dem Nordwesten Albertas 700 Kilometer nach Süden zur Hauptstadt Edmonton. Das Leck wurde durch einen Druckabfall im Leitungssystem entdeckt.

Leck schwer erreichbar

ERCB gab die Menge mit 28 000 Barrel an - dies bedeutet, dass annähernd 4,5 Millionen Liter Öl ausgeflossen sind. Nach Angaben des Calgary Herald ist dies die größte Ölpest in Alberta seit 1975, als aus der Bow Valley-Pipeline 40 000 Barrels Öl ausflossen. Betreiber der Pipeline ist Plains Midstream Canada, eine Tochtergesellschaft der in Houston, Texas, ansässigen Plains All American Pipeline.

Nach Berichten des kanadischen Rundfunks CBC liegt über dem Gebiet „schwerer Ölgeruch“. Nach offiziellen Angaben sind etwa 100 Menschen mittlerweile vor Ort, um Öl aufzufangen und den Schaden zu begrenzen. Verseucht wurde in der Nähe des Lecks der etwa 30 Meter breite Korridor. Aus der unterirdischen Pipeline floss Öl in den sumpfigen Boden und Tümpel. Die Einsatzkräfte hatten zunächst Probleme, das Gebiet zu erreichen. Mehrere Kilometer Weg hätten erst angelegt werden müssen, um das Leck zu erreichen, berichtete die Zeitung Globe and Mail.

Nach Angaben des ERCB hat kein Öl die ursprünglich betroffene Fläche verlassen. „Das ausgeflossene Öl bleibt 300 Meter von fließendem Gewässer entfernt“, heißt es. Verschmutzt worden seien stehende Gewässer. Sogenannte Skimmer werden eingesetzt, um das Öl von der Oberfläche abzuschöpfen.

Kopfweh und Magenprobleme

Die nächste Gemeinde, eine Siedlung der Cree-Indianer, liegt etwa sieben Kilometer entfernt. Klagen über Brechreiz, Augenbrennen und Kopfschmerzen kommen aus Little Buffalo, einer Siedlung der Lubicon Cree, etwa 30 Kilometer vom Unglücksort entfernt. Die Schule sei seit vier Tagen geschlossen wegen der üblen Gerüche, sagte Schulleiter Brian Alexander dem CBC. „Kinder und Schulpersonal litten unter Orientierungsschwierigkeiten, bekamen Kopfweh und hatten Magenprobleme.“ ERCB-Sprecher Sheremata sagte, seine Behörde kontrolliere die Luftqualität. Er glaube nicht, dass diese Symptome auf das Leck zurückzuführen seien. Die Schule sei zu weit vom Geschehen entfernt und keiner der Arbeiter vor Ort sei krank. Die Symptome könnten von einer anderen Öl- und Gasanlage, von Mastbetrieben oder Asphaltarbeiten kommen.

Kanada hat ECRB zufolge ein 540 000 Kilometer langes Pipelinesystem, wovon allein 350 000 Kilometer in Alberta liegen. Kritiker verweisen darauf, dass die Umwelt immer wieder durch Lecks in diesem Pipelinesystem geschädigt wird. Die Rainbow-Pipeline ist etwa 40 Jahre alt. Der Regierung müsse die Frage gestellt werden, ob sie angesichts der alternden Infrastruktur die Kontrollen und die Auflagen an die Betreiber verschärft hat, um die Sicherheit der Pipelines zu gewähren, sagte Dan Woynillowicz vom Pembina Institute kanadischen Medien. „Oder stehen wir jetzt, da einige dieser Pipelines ein Alter von 40 oder 50 Jahren erreicht haben, vor einer größeren Zahl von Ölunfällen?“