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Mi, 28 Okt 2020
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Verborgene Geschichte
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DNA-Studie offenbart grundlegend falsche Vorstellungen über Wikinger

Eine neue DNA-Studie dänischer und britischer Genetiker eröffnet Erkentnisse, die nicht mit den gängigen Klischees über das Aussehen und die Herkunft der Nordländer übereinstimmt. Laut Grenzwissenschaft-Aktuell handelt es sich dabei um die bislang umfangsreichste Genomanalyse von Wikingerskeletten.
Wikinger
© Gemeinfrei
Symbolbild: Obwohl Mythen – wie die hier gezeigten gehörnten und geflügelten Helme – längst widerlegt sind, prägen noch immer romantisierte Vorstellungen auch das moderne Bild von Wikingern.
Das heutige Bild der Wikinger ist meist geprägt von Vorstellungen brutaler Piraten und brandschatzender Krieger, die aus dem heutigen Skandinavien kommend, das restliche, beschiffbare Europa überfielen und Furcht und Schrecken verbreiteten.

Doch das Bild dieser Barabaren bröckelt zusehends, wie Grenzwissenschaft-Aktuell.de schon mehrfach berichtete (siehe weiterführende Links am Ende dieser Meldung...). Jetzt haben dänische und britsiche Genetiker die bislang umfangreichste Genomanalyse anhand bekannter Wikinger-Skelette aus ganz Europa und Grönland durchgeführt und ofenbaren damit weitere bisherige Irrtümer über die Krieger aus dem Norden.

~ Grenzwissenschaft-Aktuell
Die Wissenschaftler kamen unter anderem zu folgenden Erkentnissen, die im Fachjournal Nature veröffentlicht wurden:
- Bei Skeletten, die in berühmten Wikinger-Begräbnisstätten in Schottland (also außerhalb des eigentlich Wikinger-Stammlandes) gefunden wurden, handelt es sich in Wirklichkeit nicht um gebürtige Wikinger, sondern um Einheimische, die Wikinger-Identitäten, Lebensweise und Bräuche angenommen hatten und in der Folge auch als Wikinger bestattet wurden.

- Zahlreiche Wikinger hatten keine blonden, sondern braune Haare.

- Die Wikinger-Identität beschränkt sich nicht nur auf Menschen mit genetischen Wurzeln in Skandinavien - zeigt die Studie doch, dass Skandinavien schon vor der Zeit der Wikinger, genetisch stark auch von Menschen aus dem "Ausland", wie Asien und Südeuropa beeinflusst und geprägt worden war.

- Die frühen Wikinger-Plünderungen waren Aktivitäten, die lokal sehr begrenzt ausgeführt wurden und sich auch enge Familienmitglieder beschränkten.

~ Grenzwissenschaft-Aktuell
Laut den Wissenschaftlern verändern die neuen Erkentnisse unser bisheriges Bild von den Wikingern grundlegend.
Wie das Team um Dr. Daniel Lawson von der University of Bristol. Professor Eske Willerslev vom St John's College an der University of Cambridge und zugleich Direktor des The Lundbeck Foundation GeoGenetics Centre an der Universität Kopenhagen berichtet, verändere das Ergebnis der sechsjährigen Untersuchung unser bisheriges Bild von den Wikingern grundlegend: "Es gibt da das stark von Literatur und anderen Medien beeinflusste Bild von den Wikingern als untereinander stark über Blutsbande verbundenes und isoliertes Kriegervolk, das plündernd gegen europäische Könige kämpfte. Genetisch haben wir nun aber erstmals gezeigt, dass diese Vorstellung nicht die wirkliche Welt der Wikinger abbildet. Unsere Studie verändert unser Bild davon, was ein Wikinger wirklich war. Tatsächlich hatten auch wir uns einen derart bedeutenden Genfluss zwischen Skandinavien, Südeuropa und Asien in Zeiten vor und während der Zeit der Wikinger zunächst nicht wirklich erwartet."

~ Grenzwissenschaft-Aktuell
Mehr Informationen zum Thema finden Sie auf Grenzwissenschaft-Aktuell.

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Modell-Studie: Stonehenge hat Stimmen und Musik im Innern des Steinkreises verstärkt

Wissenschaftler haben anhand eines Miniatur-Modells im Maßstab 1:12 überraschende akustische Effekte im Inneren des Stonehenge-Kreises nachweisen können, die Klänge und dabei insbesondere Stimmen und Musik verstärken bzw. abschirmen.
Stonehenge Modell
© Acoustics Research Centre/Univ. of Salford
Das maßstabsgetreue Modell des Steinkreises von Stonehenge im Innern der Akustik-Kammer an der University of Salford.
Salford (Großbritannien) - Mit einem Modell im Maßstab 1:12 hat ein Wissenschaftler die Akustik im Innern des Steinkreises von Stonehenge untersucht und dabei herausgefunden, dass die Anordnung und Proportion der Steinstelen und -Tore einen akustischen Raum erzeugten, der Stimmen, Klänge und Töne jeglicher Musik im Innern des Monuments verstärkte und Geräusche von außen blockierte. Es dürfte ein einzigartiges Klang-Raum-Erlebnis gewesen sein - nicht nur damals.

~ Grenzwissenschaft Aktuell
In der Studie fanden die Forscher ebenfalls heraus, dass die Anordnung der Steine dazu führte,
dass Musik und Stimmen nicht über das Monument selbst hinaus in die Landschaft hinein projiziert wurden. Selbst Personen, die unmittelbar außerhalb der äußeren Steintore - der sogenannten Trilithen - standen, hatten vermutlich Schwierigkeiten, Sprache und Klänge aus dem Innern des Steinkreises zu verstehen. Der Effekt überraschte selbst die Akustiker, nicht zuletzt, weil das Monument selbst sich ja auch durch die zahlreichen Lücken zwischen den mächtigen Steinen auszeichnet.

~ Grenzwissenschaft Aktuell
Die Untersuchungen des Teams um Trevor Cox von der University of Salford, wurden im "Journal of Archaeological Science" (DOI: 10.1016/j.jas.2020.105218) veröffentlicht.

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Iran: Archäologen entdecken 5.000 Jahre altes Wasserrohrsystem

Rohr Pipes Seimareh Dam

Hier sind einige der entdeckten Rohre zu sehen
Im Iran wurde während einer archäologischen Ausgrabung an den Ufern des Seimareh-Damms eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Archäologen fanden ein ganzes unterirdisches Rohrsystem, das angeblich zum Transportieren von Wasser benutzt wurde und sage und schreibe 5.000 Jahre alt sein soll.
In der zweiten Saison des Rettungsausgrabungsprojektes an der antiken historischen Stätte Farash im Reservoirfeld des Seimareh-Staudamms im Westen des Iran wurde eine 5.000 Jahre alte Wasserstruktur freigelegt.

Die Pipeline eines 5000 Jahre alten Wassersystems ist in einem Graben zu sehen, den ein Archäologenteam während eines Rettungsgrabungsprojekts an den Ufern des Seimareh-Staudamms ausgehoben hat.

~ histecho.com
Die Aufgabe des archäologischen Teams unter der Leitung von Leili Niakan besteht in der Rettung antiker Artefakte vor den Wassermassen des Stausees, der 2014 in Betrieb genommen wurde.

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Die alten Griechen: Studie wirft Datierung der Antike über den Haufen und stellt Ereignisse in Frage

Laut einer neuen Studie könnten bisher als gesichert angesehene historische Ereignisse im antiken Griechenland, wie die Entstehung der griechischen Stadtstaaten, die Erfindung des griechischen Alphabets, die griechische Kolonisation und das Zeitalter Homers, in Wirklichkeit 50 bis zu 150 Jahre früher stattgefunden haben. Grund für die neuen Datierungen sind angeblich neue, deutlich präzisere Datierungsergebnisse, die die Wissenschaftler anhand der C14-Methode erreichen konnten.
Attische Keramikkiste Miniaturimitationen Getreidespeicher Frühgeometrisch II Athen
© Stefanos Gimatzidis/ÖAW
Attische Keramikkiste mit Miniaturimitationen von Getreidespeichern des Frühgeometrisch II aus Athen. Ihre Datierung wird aufgrund der neuen C-14-Daten beeinflusst.
"Er galt schon in der Antike als Vorbild: Homer. Seine Geschichten, 'Ilias' und 'Odyssee', sind auch nach 2700 Jahren noch immer zeitgemäß - oder sind es 2800 Jahre?", fragt die Pressemitteilung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und führt dazu weiter aus: "Die genaue Datierung seiner Epen ist bislang genauso umstritten, wie die Frage, ob es den Dichter tatsächlich gegeben hat. Ersteres könnte sich jetzt ändern. Denn: Eine bislang unerreichte Datierungspräzision durch neue C14-Daten stellt das bisherige griechische Periodisierungssystem in Frage."

Zu diesem erstaunlichen Ergebnis kommt ein internationales Forschungsprojekt unter der Leitung von Stefanos Gimatzidis vom Österreichischen Archäologischen Institut der ÖAW. "Die Befunde erfordern eine radikale Revision der griechischen Zeitordnung: Wichtige historische Ereignisse sowie die Entstehung zahlreicher Innovationen in der Philosophie, Literatur und politischen Organisation müssen demnach 50 bis 150 Jahre früher datiert werden", so die Autoren, die Ihre Ergebnisse aktuell im Fachjournal "PLoS ONE" (DOI: 10.1371/journal.pone.0232906) veröffentlicht haben.

~ Grenzwissenschaft Aktuell
Fragt sich natürlich jetzt, ob dadurch nicht nur die antike Zeiteinordnung der Epoche der Griechen ins Wanken gerät.
In Zusammenarbeit mit Bernhard Weninger vom Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität zu Köln wurden dabei zum ersten Mal die griechischen geschichtswissenschaftlichen Zeitraster mit modernen naturwissenschaftlichen Methoden, und zwar mit präzisen Radiokarbondaten, überprüft. Dazu wurden Probematerialien verwendet, die aus gut datierbaren Kontexten aus der nordägäischen Fundstätte Sindos kamen. Dieser Ort ist aus mehreren Gründen archäologisch interessant, u.a. aufgrund der zahlreichen importierten Keramikgefäße aus verschiedenen Regionen Griechenlands, die einen Vergleich bzw. eine Korrelation der regionalen Chronologiesysteme ermöglichen.

Dank der langen durchlaufenden Stratigraphie, der archäologischen Methode der Altersbestimmung von Ablagerungen, ist nun auch eine zuverlässige statistische Modellierung der Radiokarbondaten möglich: "Häufig leidet die Anwendung der Methode der C14-Datierung unter der Schwierigkeit, dass die vom C14-Labor tatsächlich erreichte hohe Messgenauigkeit in der archäologischen Anwendung gar nicht benutzt werden kann", erklärt Gimatzidis. Diese statistische Schwankungsbreite ist demnach das - zunächst unvermeidbare - Resultat von realen Schwankungen des atmosphärischen C14-Gehalts: "So hat man in der Archäologie regelmäßig zwar viele sehr präzise C14-Messungen zur Hand, die aber nach Korrektur der Schwankungen des atmosphärischen C14-Gehalts leider allesamt nur eine oft lange Liste von möglichen Datierungen bieten, typischerweise mit einer Streuung im Rahmen von 100 bis 300 Jahren."

~ Grenzwissenschaft Aktuell
Mehr Informationen zum Thema finden Sie auf Grenzwissenschaft Aktuell.

Question

Steinkreis von Calanais: Wissenschaftler entdecken sternförmige Magnet-Anomalie

Wissenschaftler haben eine sternförmige magnetische Anomalie im Zentrum des heute nur noch verborgen existierenden Steinkreises von Calanais entdeckt.
Calanais Steinkreis
© A. Müller für Grenzwissenschaft-Aktuell.de
Blick auf einige Steine der großen Steinkreisanlage von Calanais (Callanish 1) auf der schottischen Isle of Lewis.
Wie das Team um Dr. Richard Bates vom "Calanais Virtual Reconstruction Project" der Universitäten von St. Andrews und Bradford aktuell im Fachjournal "Remote Sensing" (DOI: 10.3390/rs11242975) berichtet, legt die Entdeckung in der Nähe der größten heute bekannten megalithischen Steinformation auf den britischen Inseln, der neolithischen Anlage von Calanais auf der schottischen Insel Lewis, eine schon lange und oft zuvor diskutierte Verbindung zwischen alten Steinsetzungen und Naturkräften nahe.

~ Grenzwissenschaft Aktuell
Die Entdeckung wurde zufällig gemacht, während der Suche nach dort ehemals existierenden Steinkreisen.
Auf die sternförmige Magnet-Anomalie stießen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei ihrer Untersuchung des Hauptsteinkreises von Calanais, dem sogenannten Tursachan Callanais (auch als Callanish 1 bekannt), als sie einzelne Standorte heutiger Satellitensteine auf Hinweise für ehemals dort existierende vollständige Steinkreise untersuchten.

~ Grenzwissenschaft Aktuell
Die Wissenschaftler entdeckten anhand eines einzelnen Steines einen ehemals dort existierenden Steinkreis, in dessen Mitte sich die magnetische Anomalie befunden hat:

Pharoah

Riesiger Fund: 30 hölzerne Sarkophage in Ägypten geborgen

Sie lagen aufeinandergestapelt, nur einen Meter unter der Erde: Archäologen haben in Ägypten 30 Särge gefunden. Selbst die Farbe war nach über 3000 Jahren noch erhalten.
sarkophag ägypten
© Khaled DESOUKI / AFP
Ägypten hat in einem Nachbartal des Tals der Könige in Luxor den größten Sarkophag-Fund seit mehr als einem Jahrhundert präsentiert. Die 30 hölzernen Särge lagen in zwei Reihen gestapelt nur einen Meter unter der Erde in der Nekropole Asasif am Westufer des Nils. Archäologen hatten sie dort entdeckt.

"Es ist der größte Fund von Särgen für Menschen seit dem Ende des 19. Jahrhunderts", sagte Ägyptens Antikenminister Khaled El-Enany.

Die aufwendig verzierten Särge sind etwa 3000 Jahren alt und stammen aus der 22. Dynastie. Trotz ihres Alters sind die Verzierungen mit Schlangen, Vögeln und Lotus-Blüten in schwarzer, grüner, roter und gelber Farbe noch klar zu erkennen. In ihrem Inneren ruhen noch immer die Mumien von Frauen, Kindern und Männern.

Magnify

Russland: Ist kürzlich entdeckter unterirdischer Sakralbau eine der ältesten Kirchen der Welt?

Kirchenfund Russland
Kirche, Wassertank oder Feuertempel - Wissenschaftler sind sich uneins, welchem Zweck das 11 Meter hohe, heute unterirdische Bauwerk erfüllt hat. Kosmische Strahlung ermöglicht einen Blick "hinter die Fassade" des denkmalgeschützten Mysteriums.

Das unbekannte Bauwerk befindet sich im nordwestlichen Teil der Festung Naryn-Kala in Derbent. Sie datiert die Kirche auf etwa 300 nach Christus. Die 11 Meter tiefe, kreuzförmige Struktur ist fast vollständig unter der Erde verborgen. Alles was heute noch aus dem Boden ragt, ist eine halb zerstörte Kuppel.

Da es sich jedoch um ein UNESCO-Kulturerbe handelt, steht das Bauwerk unter Denkmalschutz und darf nicht ausgegraben werden. Stattdessen müssen nicht-invasive Untersuchungsmethoden zur Aufklärung der Frage angewendet werden. Genau dies führte ein Forscherteam durch und präsentierte ihre Ergebnisse in der Zeitschrift Applied Sciences.

Snowflake

Verdrängte Arktisbewohner vor den Inuit haben Spuren hinterlassen

Forscherteam mit österreichischer Beteiligung rekonstruiert die komplexe Besiedlungsgeschichte Nordamerikas

Die Weiten Nordamerikas haben immer wieder Wellen von Einwanderern angezogen. Alle haben sie ihre Spuren hinterlassen.  Inuit DNA, Artisbewohner
© Kerttu Majander, Design by Michelle O'Reilly
Die Weiten Nordamerikas haben immer wieder Wellen von Einwanderern angezogen. Alle haben sie ihre Spuren hinterlassen.
Der nordamerikanische Kontinent wurde in mehreren Wellen von Einwanderung und Ausbreitung besiedelt. Und die vorletzte Welle fand gar nicht so lange vor der bis heute prägenden europäischen Einwanderung statt: Vor etwa 800 Jahren erst breiteten sich die Vorfahren der heutigen Inuit - die sogenannten "Neo-Eskimos" - von ihren Ursprungsgebieten an der Beringstraße nach Süden und Osten aus.

Die vor ihnen in der Arktis lebenden "Paläo-Eskimos" wurden von ihnen verdrängt, die von diesen aufgebaute Dorset-Kultur ist verschwunden. Ihr Erbgut jedoch ist noch vorhanden, berichtet nun ein Forscherteam mit österreichischer Beteiligung im Fachjournal "Nature" - und teilweise finden sich die Spuren dieses Erbguts erstaunlich weit südlich.

Snakes in Suits

Verschiedene Peststämme suchten das mittelalterliche Europa heim

Auf den Spuren der Justinianischen Pest: Forscher untersuchten frühmittelalterliche Gräberfelder

Tanz der Gerippe, Holzschnitt von Michael Wolgemut in Hartmann Schedels Weltchronik von 1493 (Pest, Totentanz)
© Wikimedia Commons
Tanz der Gerippe,
Holzschnitt von Michael Wolgemut in Hartmann Schedels Weltchronik von 1493
Unser Bild von den Pestwellen, die Europa im Verlauf der vergangenen zwei Jahrtausende immer wieder heimgesucht haben, konkretisiert sich stetig. Schon vor dem berühmt-berüchtigten Schwarzen Tod des 14. Jahrhunderts gab es Pandemien, die historisch als "Pest" bezeichnet werden, deren Auslöser aber zweifelhaft ist. So wird die sogenannte Antoninische Pest des 2. Jahrhunderts heute von Forschern mehrheitlich einem anderen Erreger als dem Pestbakterium Yersinia pestis zugeschrieben.

Die Justinianische Pest

Anders sieht es inzwischen mit der sogenannten Justinianischen Pest aus, die im Frühmittelalter umgezählte Todesopfer forderte. Diese Pandemie begann im Jahr 541 im Byzantinischen Reich, benannt ist sie nach dem damals regierenden Kaiser Justinian I. Die Krankheit suchte für nahezu 200 Jahre in mehreren Wellen Europa und den Mittelmeerraum heim, wie die Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns berichten.

Zeitzeugen hinterließen Berichte über das Ausmaß der Pandemie, die Schätzungen zufolge bis zu 25 Prozent der Bevölkerung des Mittelmeerraumes auslöschte. Auch zu dieser Pandemie waren verschiedene Hypothesen im Umlauf - bis hin zu einem hämorrhagischen Fieber ähnlich Ebola. Paläogenetische Studien an bajuwarischen Gräbern aus Aschheim und Altenerding in Bayern konnten in den letzten Jahren aber nachweisen, dass tatsächlich Yersinia pestis für die Pandemie verantwortlich war.

Kommentar: Waren Nager wirklich die Quelle des Pesterregers oder gab es andere Ursachen?


Blue Planet

Der verborgene "lunisolare Kalender" der Hethiter

Mitten in Zentralanatolien, rund 150 Kilometer östlich von Ankara, liegt eine archäologische Stätte, deren Zauber sich kaum ein Besucher entziehen möchte. Nur wenige hundert Meter außerhalb der Stadtmauern der ehemaligen hethitischen Hauptstadt Hattuša befindet sich das über dreitausend Jahre alte Felsheiligtum Yazılıkaya - seit 1986 UNESCO Weltkulturerbe und unabhängig von dieser Auszeichnung eine archäologische Fundstätte mit einzigartiger Aura. Das Heiligtum liegt gut versteckt in einer Gruppe von Kalksteinfelsen nahe dem Dorf Boğazkale und bleibt dabei fast anonym: Sein türkischer Name heißt übersetzt einfach »beschriebener Fels«. Als 1834 zum ersten Mal ein europäischer Archäologe, der Franzose Charles Texier, diese Gegend besuchte und zunächst die Ruinen der einstigen Hauptstadt sah und zeichnete, führten ihn die Dorfbewohner gezielt auch in das gut verborgene Yazılıkaya.

Yazılıkaya: Kammer A mit 12 identischen Göttern und Sonnengott des Himmels
© Luwian Studies
Wand an der westlichen Innenseite von Kammer A mit 12 identischen Göttern (Reliefs 1–12) ganz links und Relief 34, dem Sonnengott des Himmels, rechts
Wenige Jahrzehnte vor dem Untergang des hethitischen Königreichs (um 1190 v. Chr.) meißelten die Steinmetze des Großkönigs über neunzig Reliefs von Personen, Tieren und Fabelwesen in die beiden natürlichen Innenhöfe (Kammer A und B) des Felsmassivs. Die Darstellungen in Kammer A bilden Reliefbänder mit einer Art Prozession hethitischer Gottheiten. Dass es sich um Götter handelt, steht außer Frage, denn viele von ihnen sind mit luwischen Hieroglyphen namentlich gekennzeichnet. Neben Göttern treten auch mythische Wesen und Chimären auf, darunter zwei besonders markante Stiermänner, die mit weit nach oben gestreckten Armen etwas über den Kopf halten, was wie eine große Schüssel aussieht. Charles Texiers Zeichnungen dieser Figuren waren eine Sensation, denn niemand hätte in einer abgelegenen Gegend im Herzen Kleinasiens eine so ausgeprägte Reliefkunst erwartet. Sie unterscheidet sich von allem, was bis heute aus Griechenland, Ägypten und Mesopotamien bekannt ist.
Zur besonderen Ausstrahlung des Heiligtums trägt wohl bei, dass genau hier einige Jahrhunderte lang die hethitischen Großkönige vermutlich zusammen mit ihren Familien und ranghohen Repräsentanten der Gesellschaft zu besonderen Festen zusammenkamen. Auch die versteckte Lage der Kammern, ihre offensichtlich herausragende Bedeutung in der hethitischen Religion und die bildhafte Darstellung der wichtigsten Götter der damaligen Zeit faszinieren die Besucher. Yazılıkaya kann aber auch als eine Herausforderung für die Archäologie verstanden werden, denn die eigentliche Funktion des Heiligtums blieb stets verborgen. An Erklärungsversuchen für die Götterprozessionen mangelt es nicht. Der Komplex hielt aber fast zwei Jahrhunderte lang allen Interpretationsmodellen stand.