Seit 1997 untersucht das Comité de Estudios de Fenómenos Aéreos Anómalos“ (CEFAA) als eine dem zivilen chilenischen Luftfahrtministerium (Dirección General de Aeronáutica Civil, DGAC) sowie der Luftwaffe unterstellte offizielle Forschungsinstitution unidentifizierte Flugobjekte (UFOs) im chilenischen Luftraum. Jetzt hat dieses „Untersuchungskomitee für anomale Luftphänomene“ ein neun Minuten langes Video veröffentlicht, das von einem Helikopter der chilenischen Marine aufgezeichnet wurde und für das die CEFAA-Experten trotz einer zwei Jahre dauernden Untersuchung bis heute keine Erklärung finden konnten.

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Standbild und Ausschnittsvergrößerung aus dem Video.
Santiago (Chile) - Wie der CEFAA-Direktor General Ricardo Bermúdez, gegenüber der US-amerikanischen UFO-Journalistin Leslie Kean berichtete, sei das Video von zwei erfahrenen Marineoffizieren aus einem Helikopter vom Typ „Airbus Cougar AS-532“ aufgezeichnet worden, und könne trotz intensiver Analysen bislang nicht erklärt werden: „Wir wissen nicht, was es war. Aber wir können recht gut sagen, was es nicht war“, so Bermúdez und verweist auf eine lange und von den Experten abgearbeitete Liste potentieller konventioneller, natürlicher und technischer Erklärungen.

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Ein Cougar-Helikopter der Armada de Chile (UNITAS 47-06)
Aufgezeichnet wurde das Video bereits am 11. November 2014 während eines routinemäßigen Kontrollfluges entlang der Küste westlich von Santiago. „An Bord waren der Pilot, ein Marinekapitän mit vielen Jahren Flugerfahrung und ein Marinetechniker, der bei diesem Einsatz ein „WESCAM MX-15 HD Forward Looking Infra Red“ Kamerasystem testete“, berichtet Kean in einem ausführlichen Artikel auf „HuffingtonPost.com„.

Während der Helikopter am frühen Nachmittag und bei uneingeschränkter klarer Sicht auf einer Höhe von rund 1.370 Metern (4.500 ft) bei einer Außentemperatur von 10 Grad Celsius, unterhalb einer Wolkendecke auf rund 3.300 (10.000 ft) und mit einer Geschwindigkeit von 243 Stundenkilometern unterwegs war, wurde der Bordtechniker gegen 1:52 Uhr während seiner Filmarbeiten auf ein ungewöhnliches Licht zur Linken der Maschine aufmerksam, das über dem Meer flog. Kurze Zeit später konnten beide Männer das Objekt direkt sehen und beobachten. Hierbei bemerkten die Offiziere, dass die Geschwindigkeit und Höhe auf und mit der sich das unbekannte Objekt bewegte, der ihres Helikopters glich. Zugleich schätzten sie dessen Entfernung auf zwischen 55 bis 65 Kilometer. Diese Einschätzungen wurden später durch Berechnungen der CEFAA als auch durch französische Kollegen bestätigt. Anhand der IR-Aufnahmen schätzen die Experten die Oberflächentemperatur des Objekts auf rund 50 Grad Celsius.

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Die anhand der von der Kamera ebenfalls erfassten Koordinaten rekonstruierte Flugroute des Helikopters.
Während sich das Objekt laut den Angaben des Kapitäns in Richtung W/NW bewegte, richtete der Bordtechniker seine Kamera auf dieses und begann das Objekt in unterschiedlichen Operationsmodi der IR-Kamera zu filmen.

Die Anfrage des Piloten bei zwei Bodenkontrollstationen offenbarte, dass zwar der Helikopter selbst sehr einfach - nicht aber das beobachtete Objekt auf Radar detektiert werden konnte, obwohl dieses sich eigentlich deutlich innerhalb der Reichweite der Stationen bewegt haben musste. Auch der Bordradar des Helikopters konnte das von den Piloten visuell beobachtete und zugleich von der IR-Kamera gefilmte Objekt nicht orten und somit auch nicht automatisch verfolgen und anvisieren. Hinzu gelang es dem Piloten auch nicht, mit dem Objekt Kontakt aufzunehmen oder in sonstiger Form mit diesem zu kommunizieren.

Zugleich bewegte sich das unbekannte Flugobjekt offenbar innerhalb einer kontrollierten Flugverbotszone, für dessen Nutzung zur fraglichen Zeit ebenfalls weder für zivile noch für militärische Maschinen eine Genehmigung ausgestellt worden war.

Insgesamt filmte der Techniker das Objekt 9 Minuten und 12 Sekunden lang. Erst als sie wieder zur Basis zurückkehren mussten und das Objekt hinter den Wolken verschwand, beendete der Bordtechniker die Aufnahme.


Zurück am Boden wurden die Aufnahmen - wie dies in Chile so üblich ist - direkt der CEFAA überstellt und die beiden Zeugen von General Bermúdez und dem Nuklearchemiker Mario Avila, der der CEFAA als Mitglied des wissenschaftlichen Kommitees zuarbeitet, interviewt. „Ich war von diesen beiden Zeugen sehr überzeugt“, so Avila gegenüber Kean. „Beide sind gut ausgebildet und besitzen viele Jahre an Flugerfahrung. Trotzdem sind beide Männer davon überzeugt, dass sie das, was sie gesehen haben, nicht erklären können.“

Laut dem Bericht des Marinekapitäns hatte das Objekt eine „flache und längliche Struktur“ mit zwei warmen Scheinwerfern, die wir Entladungen wirkten, die aber nicht mit der Achsenbewegung des Objekts selbst übereinstimmte.

Der Techniker unterstreicht dieses besondere Merkmal des Objekts: „In zwei Momenten gibt das Objekt eine Art von Entladung von sich - eine Art Gas oder Flüssigkeit, die eine deutliche Thermalspur auf den Aufnahmen hinterlässt. (...) Nach etwa 8 Minuten ist eine beeindruckend großer Ausstoß eines heißen Materials zu sehen, dass sich, ähnlich einer Rauchfahne oder Kndensstreifen, hinter dem Objekt ausbreitet. Kurze Zeit später folgt dann ein zweiter, ganz ähnlicher Ausstoß (s. Standbild oben und Videos).

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CEFAA-Direktor General Ricardo Bermúdez.
Wie der CEFAA-Direktor gegenüber Kean weiter berichtet, habe sich das Komitee in den folgenden zwei Jahren mindestens acht mal zu Untersuchungen und Bewertungen des Falls getroffen. Hinzu habe man mit Kollegen der staatlichen französischen UFO-Forschungsstelle GEIPAN zusammengearbeitet. Das Ergebnis dieser Untersuchungen sei, so Bermúdez, „dass wir zu keiner übereinstimmenden Erklärung kommen konnten, da alle vorgeschlagenen Erkörungsansätze durch die vorliegenden Daten widerlegt werden.“

Tatsächlich lieferten die französischen Kollegen zunächst jedoch einen vielversprechenden Erklärungsansatz und vermuteten, dass es sich bei dem Objekt um ein mittelgroßes Transportflugzeug im Landeanflug auf den Flughafen von Santiago handeln könnte. Den zweifachen Ausstoßstreifen erklärten die GEIPAN-Experten als Ablassvorgang von Abwasser, das sich dann mit dem Westwind verbreitet habe. Ihre Vermutung stützten die GEIPAN-Experten auf die Berechnung der Distanz zwischen den beiden hellen bzw. heißen „Lichtern“, die mit dem Standardabstand der Turbinentriebwerke mittelgroßer Linienmaschinen übereinstimme.

Die CEFAA selbst widerspricht dieser Interpretation des Videos allerdings aus folgenden Gründen:
- Ein solches Flugzeug wäre vom Primärradar erfasst und als solches angezeigt worden.
- In diesem Fall hätte das Flugzeug dann eine Landefreigabe für Santiago oder einen anderen Flughafen erhalten müssen.
- Das Flugzeug hätte (normalerweise) auf die Kontakt- und Kommunikationsversuche des Helikopters antworten müssen.
- Flugzeuge stoßen beim Landeanflug für gewöhnlich kein Abwasser aus. Selbst für den Fall, dass ein Flugzeug dies tun wollte, müsste es zuvor eine Sondererlaubnis der DGAC einhohlen - was jedoch nicht passiert ist. Diese Vorschrift ist allgemein bekannt und wird so auch eingehalten.
- Selbst wenn auf dem Video der Ausstoß von Schmutzwasser zu sehen wäre, würde dieses bei den relativ warmen Außentemperaturen von ca. 10 Grad Celsius direkt zu Boden fallen und würde sich nicht - wie etwa Kondensstreifen in großen Höhen und bei entsprechender Kälte - hinter dem Flugzeug herziehen und ausbreiten. Vielmehr handele es sich bei der „Fahne“ offenbar um ein Gas oder Energie und nicht etwa derart „greifbares“ wie Wasser.
Zudem stufen die CEFAA-Untersucher die Möglichkeit als unwahrscheinlich ein, dass zwei derart erfahrene Piloten und Techniker ein gewöhnliches und somit bekanntes Flugzeug nicht als solches erkannt haben sollten oder dann zumindest eine solche Erklärung nicht in Betracht gezogen hätten.
- Zur fraglichen Zeit waren zudem auch keine Wetterballons in der Gegend im Einsatz, wie sie sich auch nicht entgegen der vorherrschenden Richtung Küste wehenden Westwinde hätten bewegen können.

- Auch handele es sich wohl nicht um eine Drohne, da diese vor Ort eine Registrierung benötigen, eine solche aber weder für zivile noch für in- noch ausländische militärische Zwecke ausgestellt worden war und eine Drohne bei entsprechender Größe auch vom Radar erfasst worden wäre.

- Der Horizontalflug des Objekts widerspreche zudem auch der Deutung als zur Erde stürtzender Weltraumschrott.
Weitere Analysen lassen die CEFAA zu dem Schluss kommen, dass es sich um ein reales Objekt im dreidimensionalen Raum gehandelt hatte, dass „Kontrolle über seine eigenen Bewegungen hatte“ und diese nicht von Winden beeinflusst wurde. Zudem reflektiere das Objekt selbst Licht und gebe eine Form von Energie ab. Auch der leitende Analytiker der fotogrammetrischen Abteilung der chilenischen Luftwaffe, Alberto Vergara, kommt in seinem Bericht zu dem Schluss, dass „das Objekt alle jene Eigenschaften aufweist, die es als unidentifiziertes Phänomen im Luftraum ausweise“.

Hinzu weisen die CEFAA-Untersucher auf den Umstand hin, dass sowohl das Objekt als auch die „Ausstoßfahne“ im visuellen HD-Modus der Kamera vor dem Hintergrund der Wolken kaum sichtbar waren und das Objekt ohne die IR-Kamera somit visuell nur schwer als solches zu erkennen gewesen wäre. „Vor diesem Hintergrund kann man sich schon fragen, welche uns unbekannten Aktivitäten in den Wolken sonst noch so vorgehen.“

Wie Bermúdez gegenüber Kean abschließend unterstreicht, stelle dieser Vorfall und das dazugehörige Video einen der bislang wichtigsten Fälle in seiner Zeit als Direktor der CEFAA dar.

- Den vollständigen Artikel von Leslie Kean mit weiteren Informationen und Videoszenenausschnitten finden Sie HIER