© Wikipedia
Der spanische Eroberer Hernán Cortés und der aztekische Herrscher Moctezuma
Zwei voneinander unabhängige Studien fanden Belege dafür, dass der Zusammenbruch des Aztekenreiches im 16. Jahrhundert möglicherweise durch eine eingeschleppte Salmonellen-Infektion der Europäer verursacht wurde.

Als im Jahre 1519 die spanischen Konquistadoren mit Hernando Cortés in Mexiko ankamen, betrug die einheimische Bevölkerung damals noch etwa geschätzte 25 Millionen Menschen. Nur ein Jahrhundert später, nach dem spanischen Sieg und einer Reihe von Epidemien, fiel die Zahl auf rund 1 Million. Die größten dieser Krankheitsausbrüche wurden als »Cocoliztli« (aus der aztekischen Sprache Nahuatl für »Seuche«) bezeichnet. Es gab zwei große Cocoliztli, eine beginnend im Jahre 1545 und eine in 1576, die schätzungsweise insgesamt 7 Millionen bis 18 Millionen Menschen töteten, die in den Hochland-Regionen von Mexiko lebten.

Wie im Fachmagazin »Nature« berichtet wird, hat ein Forscherteam um den Evolutionsgenetiker Johannes Krause vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena die DNA aus den Zähnen von insgesamt 29 Menschen extrahiert und sequenziert, die im 16. Jahrhundert im oaxacischen Hochland von Süd-Mexiko begraben wurden. Bis auf fünf waren alle tatsächlich mit dem hämorrhagischen Fieber Cocoliztli infiziert gewesen, bei einigen wurde aber auch Salmonellen-DNA gefunden, die sich nach einer genaueren Analyse als zur Art Salmonella enterica zugehörig identifizieren ließ (auch unter dem Namen Salmonella Paratyphi C bekannt). Dieses Bakterium verursacht ein enterisches Fieber, eine Typhus-ähnliche Infektions-krankheit, die vor allem in Entwicklungsländern auftritt und zwischen 10 bis 15% der infizierten Menschen tötet, wenn es nicht behandelt wird.

Eine andere Studie der Mikrobiologen von der britischen University of Warwick in Coventry, die vergangene Woche auf »BioRxiv« veröffentlicht wurde, bekräftigt die Theorie der Kollegen vom Max-Planck-Institut, und deutet ebenfalls darauf hin, dass Salmonella Paratyphi C von den Europäern nach Mexiko eingeschleppt wurde. Sie hatten das Genom der Bakterienstämme von den Überresten einer jungen Frau sequenziert, die um 1200 auf einem Friedhof in Trondheim, Norwegen, begraben wurde. Es ist der älteste Nachweis dieses heute seltenen Salmonellen-Stamms, und der Beweis, dass er zu jener Zeit in Europa kursierte. „In den Städten und großen Städten wurden große Gräben gegraben, und vom Morgen bis zum Abend taten die Priester nichts anderes als die Leichen zu tragen und sie in die Gräben zu werfen", veranschaulichte später ein franziskanischer Historiker, der den letzten Epidemie-Ausbruch von 1576 erlebte.

„Dass Salmonella Paratyphi C schon 300 Jahre zuvor in Norwegen zirkulierte, bevor er in Mexiko auftauchte, beweist zwar noch nicht endgültig, dass die Europäer das heimtückische Darmfieber auch tatsächlich auf die Mexikaner übertrugen aber diese Hypothese klingt vernünftig“, sagt Hannes Schroeder, ein erfahrener DNA-Forscher am Naturhistorischen Museum von Dänemark in Kopenhagen, der nicht an den Studien beteiligt war. Denn ein kleiner Prozentsatz der mit Salmonella Paratyphi C infizierten Personen zeigen keinerlei Krankheitssymptome und so scheinbar gesunde Spanier könnten durchaus unbewusst die Mexikaner infiziert haben, denen die natürliche Immunität fehlte, erklärte er.