Der Prophet Jona und die assyrische Stadt Ninive - eine Verbindung, die jeder Bibelleser kennt. Über viele Jahrhunderte wurde die Grabstätte des Propheten im kleinen Dorf Nebi Jenus verehrt, innerhalb der Stadtmauern des ehemaligen Ninive.
Die heutige Großstadt Mosul umgibt heute Dorf und biblische Stadt - und wurde 2014 vom »Islamischen Staat« eingenommen. IS-Terroristen zerstörten das Grab Jonas und sprengten die dazugehörige Moschee in die Luft. Nach ihrer Islam-Interpretation soll einzig Mohammed verehrt werden, nicht ein anderer Prophet wie Jona, der auch im Koran erwähnt wird.

Nun wurde Mosul Anfang 2017 von der irakischen Armee zurückerobert und Archäologen, die den Schaden an den antiken Stätten untersuchen sollten, fanden Überraschendes, ja Sensationelles. Josie Ensor, Nahost-Korrespondent des britischen Telegraph, berichtet von einem unberührten 2600 Jahre alten Palast, der unter der zerstörten Grabstätte wiederentdeckt wurde.

Der Islamische Staat ist grausam zu Menschen, aber auch zu archäologischen Funden. »Götzenbildnisse« wurden zerstört, Tempel in die Luft gesprengt (zum Beispiel auch im syrischen Palmyra), darüber hinaus führte der IS auch zahllose Raubgrabungen durch, um mit Verkäufen auf dem Schwarzmarkt seinen Terrorstaat zu finanzieren. Unterhalb der Jona-Grab-stätte gruben die Terroristen Tunnel, um zu archäologischen Schätzen zu gelangen. Die irakische Archäologin Layla Salih berichtete: „Ich kann nur spekulieren, was der IS alles dort unten gefunden hat, bevor wir kamen.“ Sie vermutet, dass viele Artefakte, Keramik und kleinere Fundstücke, geplündert und verkauft wurden.

Und doch offenbarten die Tunnel den irakischen Wissenschaftlern immer noch wertvolle archäologische Schätze: Eine Marmortafel mit eingemeißelten Keilschrift-Texten wird in die Regierungszeit von Asarhaddon (680 bis 669 v. Chr.) datiert. Zwar sei sein Name nicht auf der Inschrift enthalten, doch deuten - so ein zurate gezogener Historiker - Formulierungen auf diesen König hin, zum Beispiel die Beschreibung des Wiederaufbaus von Babylon, das durch seinen Vater Sanherib zerstört worden war. Auf Sanherib geht auch der aufgefundene Palast zurück, der von Asarhaddon lediglich renoviert und erweitert wurde. Sanherib hatte während seiner Regierungszeit Ninive zur neuen Hauptstadt des assyrischen Weltreichs gemacht. Sowohl Asarhaddon als auch Sanherib kommen in der Bibel vor (z.B. 2. Könige 19 und Jesaja 37).

Ein weiterer interessanter Fund in den Tunnels ist die Relief-Darstellung einer Halbgöttin, die für den Schutz der Menschen in ihrer Obhut »Wasser des Lebens« ausgießt. Fotos der Funde sind im Artikel des Telegraph zu finden.

Man hatte nicht vermutet, unter dem Grab Jonas solch gewaltige Palastanlagen zu finden. Einige hundert Meter nördlich hatten Archäologen bereits im 19. Jahrhundert die Paläste Sanheribs und Assurbanipals ausgegraben. Nur oberflächliche Grabungen in Nebi Jenus im Jahr 1852 sowie in den 1950er Jahren waren nicht zu den nun entdeckten Palastanlagen vorgedrungen.

Die britische Altorientalistin Eleanor Robson erwartet »eine große Menge an Geschichte dort unten« und hofft nun auf die Gelegenheit, diese weiteren archäologischen Reichtümer des allerersten Weltreichs aus seiner größten Glanzzeit zu erschließen.

Nun drängt allerdings die Zeit, alles möglichst genau zu untersuchen und zu dokumentieren: Die Tunnel sind nicht sonderlich fachmännisch gebaut worden und drohen, »innerhalb von Wochen« in sich zusammenzustürzen.

Es ist zu hoffen, dass neue Erkenntnisse über die Zeit Sanheribs und Asarhaddons zutage treten. Vielleicht zu verwegen ist die Hoffnung, dass es an der Stelle der später hier erbauten Grabstätte schon zu assyrischer Zeit Hinweise auf den von Gott nach Ninive gesandten Propheten Jona gab. Etwa um 770 v. Chr. wurde der Prophet von Gott beauftragt, Ninive den baldigen Untergang vorherzusagen, sollten die Bewohner nicht ihre Bosheit (Jona 1,2) bereuen. Letztlich haben die Einwohner Ninives tatsächlich auf die Worte Gottes gehört und so wurden 120.000 Menschen vor dem Untergang verschont. Einen ausführlichen Artikel über Jona und Sanherib habe ich unter dem Titel »Gottes Axt und Noahs Planke« veröffentlicht.