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Feierlichkeiten in Simferopol am ersten Jahrestag des Krim-Referendums am 16. März 2015.
Drei Jahre nach dem Krim-Referendum betrachtet aller Kritik zum Trotz jeder dritte Deutsche den Beitritt zu Russland als vollendete Tatsache. Deutsche sind in der Regel auch besser über den Krim-Streit informiert als Franzosen, Briten oder Amerikaner.

Laut der Studie betrachten 36 Prozent der Deutschen die Krim als russisch. Weitere 41 Prozent waren gegenteiliger Meinung. Nur 23 Prozent antworteten mit "weiß nicht". In Frankreich, Großbritannien und den USA konnten deutlich weniger Menschen zur Zugehörigkeit der Krim eine klare Stellung beziehen. Dort lag der Anteil der Indifferenten oder Nichtinformierten bei 48, 44 bzw. 51 Prozent.

Krim als Teil Russlands

In Frankreich, Italien, Großbritannien und den USA ist es häufiger die ältere Generation, die die Krim mit Russland assoziiert. In Deutschland ist das umgekehrt: Dort bezeichneten 44 Prozent der Befragten zwischen 25 und 34 Jahren die Krim als russisch. Bei den 55- bis 64-Jährigen lag der Anteil bei 32 Prozent.

In den alten Bundesländern ist der Anteil jener, die den Beitritt der Krim zu Russland ablehnen, höher als in Ost-Deutschland: 45 Prozent gegen 38 Prozent. Bei Eltern ist der Anteil an Akzeptanz größer als bei den Kinderlosen (42 bzw. 34 Prozent).

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Das international tätige Meinungsforschungsinstitut TNS Global hat im Auftrag von Sputnik vom 16. bis 22. Februar dieses Jahres in Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien und den USA insgesamt 5.138 Menschen über 16 Jahre (in den USA über 18 Jahre) gefragt, ob sie die Krim als Teil Russlands akzeptierten. Die Fehlertoleranz lag bei 3,1 Prozent.

Müdigkeit von der Ukraine und Krim-Frage

Diese Ergebnisse sind doppeldeutig. Einerseits bleiben immerhin mehr Menschen bei der realitätsfernen Meinung, die Krim gehöre zur Ukraine, als sich Befragte dazu bekennen, die Krim als Teil Russlands zu sehen. Überraschend ist dies jedoch nicht. Es gibt zu viele Faktoren, die diese Meinung im Westen beeinflussen.

Die Vorstellung über eine vermeintliche Annexion hat direkt mit dem allgemeinen Mythos zu tun, wonach Russland von Eroberungsgelüsten besessen wäre. Es ist nicht einfach, sich von solchen Phobien des Massenbewusstseins zu trennen - vor allem, wenn diese politisch und medial verstärkt werden. Aber dieser Prozess ist bereits im Gange.

Insbesondere im Hinblick auf die negative Berichterstattung über die Krim und Russland sowie die Intoleranz von Politik und Medien gegenüber der russischen Sichtweise ist der Anteil der Konformisten gering. Es hat in keinem westlichen Land eine ernsthafte Diskussion stattgefunden bezüglich der Frage, ob die so genannte Annexion der Krim in Wahrheit nicht juristisch gesehen eine Sezession ist. Und geschichtlich eine Wiedervereinigung.

Viele Experten konstatieren, dass sogar unter den Journalisten, die die Ukraine in der Krim-Frage unterstützen - und das sind fast alle, die für Mainstream-Medien arbeiten - langsam eine Ukraine-Müdigkeit einkehrt. Neben einer allgemeinen Ernüchterung über die innenpolitische Entwicklung der Ukraine nach dem Maidan könnte auch der permanente Gegenwind kritischer Leser in den Kommentarspalten diese Entwicklung begünstigen.

Mit der zunehmenden Rolle der alternativen Informationskanäle, die bei Bedarf leicht abrufbar sind, wird sich auch die letzte Nebelkerze über die Krim bald zerstreuen.