Das Verfahren der Mumifizierung wurde im Laufe der Menschheitsgeschichte weltweit von mehreren verschiedenen Kulturen angewendet. Von der Antike bis ins Mittelalter war die Mumifizierung eine gängige Praxis, die von den Pharaonen, Inkas, Azteken und nordchilenischen Chinchorros angewendet wurde, um den Körper nach dem Tod zu bewahren, damit die Toten ihn im Jenseits wieder benutzen können.
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Wenn wir heute das Wort »Mumie« hören, denken wir meistens an Ägypten und seinen Pharaonen aber kaum jemand weiß um die anatolischen Mumien Bescheid, obwohl sie ebenfalls ein großes geschichtliches und touristisches Potenzial haben. Die anatolischen Mumien sind nämlich in Bezug auf die Zeit, aus der sie stammen, sowie der Methode ihrer Mumifizierung sehr interessant.

Die türkische Landschaft Kappadokien zieht jährlich Millionen von Menschen aus der ganzen Welt an. Die Region ist wegen ihrer berühmten Feenkamine und unterirdischen Städte beliebtes Ziel vieler Touristen aber das Interesse an den anatolischen Mumien ist kaum ausgeprägt. Dabei haben die Provinzen Aksaray und Niğde diverse gut erhaltene Mumien zu bieten und die Schwarzmeer-Provinz Amasya kann den interessierten Besuchern sogar die mumifizierten Söhne ehemaliger Sultane anbieten.

Im Museum von Aksaray, das zahlreiche, bis zu 11.000 Jahre alte Artefakte besitzt, kann man zum Beispiel in der Mumien-Halle 10 Erwachsene, einige Kinder und zwei Katzen besichtigen, die mumifiziert wurden. Die Mumifizierung von Katzen in Anatolien wurde Historikern zufolge aus Ägypten übernommen, dort mumifizierten die alten Ägypter zu Ehren der Göttin Bastet Katzen.

Die Mumien stammen alle aus dem 10. bis 13. Jahrhundert nach Christus und waren zu Lebzeiten religiöse Funktionäre, Priester, Nonnen oder Adlige, die in verschiedenen Epochen gelebt haben. Die Adligen von İlhanlı aus der Provinz Amasya sind sogar weltweit die einzigen Mumien, die mit ihren mumifizierten inneren Organen bestattet wurden. Diese Mumien sind in Bezug auf ihre Zeit und der Mumifizierungstechnik die einzigen ihrer Art.