Ein span­nen­der Fund: Un­weit des be­rühm­ten Stein­krei­ses von Sto­ne­hen­ge ha­ben Ar­chäo­lo­gen ein jung­stein­zeit­li­ches Großst­ein­grab ent­deckt. Die un­ter ei­nem Wei­zen­feld ver­bor­ge­ne An­la­ge könn­te ei­ni­ge Hun­dert Jah­re äl­ter als Sto­ne­hen­ge sein und da­mit zu den frü­hes­ten prä­his­to­ri­schen Bau­ten Eng­lands ge­hö­ren. Die For­scher ha­ben jetzt mit der ent­schei­den­den Pha­se der Aus­gra­bung be­gon­nen.

Der Stein­kreis von Sto­ne­hen­ge ist das wahr­schein­lich be­rühm­tes­te prä­his­to­ri­sche Bau­werk über­haupt. Doch die­se Me­ga­lith-​An­la­ge ist kein So­li­tär: Die ge­sam­te Land­schaft rund um den Stein­kreis ist von Grab­hü­geln, Stein­rei­hen und -​krei­sen und Res­ten von wei­te­ren Bau­ten durch­setzt.

Die Ge­gend zwi­schen Sto­ne­hen­ge und dem knapp 40 Ki­lo­me­ter ent­fern­ten Ave­bu­ry bil­de­te mög­li­cher­wei­se ei­nen riesi­gen Ze­re­mo­ni­al­kom­plex, sie ge­hört heu­te zum UNESCO-​Welt­kul­tur­er­be.

Et­wa auf hal­bem We­ge zwi­schen Sto­ne­hen­ge und Ave­bu­ry ha­ben nun Ar­chäo­lo­gen ein wei­te­res prä­his­to­ri­sches Bauwerk ent­deckt: Un­ter ei­nem Wei­zen­feld na­he des Orts Pewsey ent­hüll­ten Luft­auf­nah­men die Um­ris­se ei­nes Großst­ein­grabs.

Die­se für die Jung­stein­zeit ty­pi­schen Grab­bau­ten, in Eng­land auch als Long Bar­row be­zeich­net, dien­ten als Grä­ber für die Ge­bei­ne von To­ten. Üb­li­cher­wei­se wur­den die Ske­let­te da­bei in läng­li­che, aus gro­ßen Stei­nen er­rich­te­te, rechteckige Grab­bau­ten ge­legt, die dann mit Er­de be­deckt wur­den, so dass ein Hü­gel­grab ent­stand.

Der Erd­hü­gel über dem neu­ent­deck­ten Grab bei Pewsey wur­de durch jahr­tau­sen­de­lan­ge Be­wirt­schaf­tung der Fel­der nach und nach ab­ge­tra­gen und um­ge­pflügt. Das Grab und zwei ge­krümm­te Be­gren­zungs­grä­ben sind je­doch im Bo­den noch er­hal­ten (Mysteriöses Monument: "Feuerkreis" ist 800 Jahre älter als Stonehenge).

Die Ar­chäo­lo­gen ver­mu­ten, dass die Grä­ben aus­ge­ho­ben wur­den, um Er­de für die Be­de­ckung der Grab­kam­mer zu lie­fern. Die Grab­kam­mer ist 26 mal 20 Me­ter groß und recht­eckig. "Es ist im Prin­zip ein Haus für die To­ten", er­klärt Gra­bungs­lei­ter Jim Lea­ry von der Uni­ver­si­ty of Rea­ding.

Noch konn­ten die Ar­chäo­lo­gen das Grab nicht an­hand von Fun­den da­tie­ren. Auf­grund sei­ner Bau­wei­se hal­ten sie es aber für wahr­schein­lich, dass die­se An­la­ge aus der Zeit um 3600 bis 3700 vor Chris­tus stammt. "Dies ist da­mit ei­nes der frü­hes­ten prä­his­to­ri­schen Mo­nu­men­te un­se­res Lan­des", sagt Lea­ry. Das Grab von Pewsey ist so­gar noch ei­ni­ge hun­dert Jah­re äl­ter als der Stein­kreis von Sto­ne­hen­ge.

Da­mit könn­te die­ses Grab aus ei­ner ent­schei­den­den Um­bruchs­zeit in der Vor­ge­schich­te Eng­lands stam­men. Denn da­mals wan­del­te sich die Le­bens­wei­se der Men­schen von Jä­gern und Samm­lern zu sess­haf­ten Bau­ern. "Dies war die erste Kul­tur hier, die Kü­he hielt", er­klärt Lea­ry (Stonehenge: Archäologen entdecken riesiges Vorläufer-Monument (Videos)).

In ei­nem an­de­ren Lang­grab aus der glei­chen Zeit, dem West Ken­neth Long Bar­row, wur­den Ske­let­te von To­ten gefunden, die mit meh­re­ren Rin­der­schä­deln als Grab­bei­ga­ben be­stat­tet wor­den wa­ren.

Der Ar­chäo­lo­gen­team, un­ter­stützt von frei­wil­li­gen Hel­fern und Stu­den­ten, hat in­zwi­schen be­reits die de­cken­den Erd­schich­ten über der jung­stein­zeit­li­chen Grab­an­la­ge ab­ge­tra­gen. Jetzt be­ginnt die span­nen­de Pha­se, in der sie tie­fer in das ei­gent­li­che Grab vor­drin­gen. "Dies ist für uns ei­ne fan­tas­ti­sche Chan­ce, ei­nes die­ser Grä­ber voll­stän­dig zu untersu­chen und es mit­tels mo­derns­ter Tech­nik aus­zu­gra­ben", sagt Lea­ry.

Wie die For­scher er­klä­ren, ist dies die ers­te voll­stän­di­ge Aus­gra­bung ei­nes sol­chen Gra­bes in die­ser Re­gi­on seit gut 50 Jah­ren. "Wir set­zen nun Fuß in ein Bau­werk, das seit tau­sen­den von Jah­ren ver­ges­sen und ver­bor­gen war", sagt Learys Kol­le­gin Aman­da Clar­ke. Noch ist un­be­kannt, ob in der Grab­kam­mer noch prä­his­to­ri­sche Grab­bei­ga­ben oder so­gar Über­res­te der To­ten er­hal­ten sind (Second-Hand-Monument: Stonehenge-Monolithen standen ursprünglich in Wales (Video)).

"Hier die be­gra­be­nen Über­res­te der Men­schen zu fin­den, die die Vor­fah­ren der Men­schen von Sto­ne­hen­ge ge­we­sen sein könn­ten, wä­re das Sah­ne­häub­chen auf ei­nem oh­ne­hin schon un­glaub­li­chen Pro­jekt", sagt Lea­ry. Ob sein Wunsch er­füllt wird, muss sich nun in den nächs­ten Mo­na­ten zei­gen.