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Rekonstruktion eines Homotherium serum
Postdam (Deutschland) - Eine neue DNA-Analyse belegt, dass Säbelzahnkatzen in Europa noch 200.000 Jahre länger überlebt haben als bislang gedacht. Zudem offenbart die Studie dass sich eurasische Säbelzahnkatzen (Homotherium latidens) genetisch kaum von ihren nordamerikanischen Verwandten (Homotherium serum) unterscheiden.

Als Homotherium bezeichnen Paläonthologen eine Gattung der ausgestorbenen Säbelzahnkatzen und damit eine etwas kleinere Variante der allseits bekannten Säbelzahntiger, die in der Fachwelt als Smilodon bezeichnet werden und deutlich längere Fangzähne hatten.

Im Vergleich mit dem mitochondrialen Genom des nordamerikanischen Homotherium serum zeigten sich derart wenige Unterschiede, dass die Wissenschaftler nun eigentlich dafür plädieren, die beiden Arten unter Homotherium latidens zusammenzufassen. Zuvor sollten jedoch noch weitere Exemplare gefunden werden.

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Maßstabsrekonstruktion eines Homotherium serum (Illu.)
Die Analyse zeigt, "dass die Säbelzahnkatzen und alle heute lebenden Katzenarten auf einen gemeinsamen Vorfahren vor etwa 20 Millionen Jahren zurückgehen. Die beiden untersuchten Arten trennten sich bereits vor 18 Millionen Jahren", berichtet das Team um Johanna Paijmans von der Universität Potsdam aktuell im Fachjournal Current Biology (DOI: 10.1016/j.cub.2017.09.033).

Mit ihrer genetischen Artbestimmung bestätigen die Forscher die Zuordnung eines im Jahr 2000 in der Nordsee gemachten Fundes des Kieferknochens eines Homotherium latidens, der mittels der Radiokarbondatierung auf ein Alter von gerade einmal 28.000 Jahren datiert wurde und damit mehr als 200.000 Jahre jünger war als der bislang "jüngste" Homotherium-Fund in Europa mit einem Alter von rund 300.000 Jahren.

Damit beweisen die Forscher, dass Homotherium-Säbelzahnkatzen wesentlich länger in Europa überlebten, als bisher angenommen. "Als die ersten anatomisch modernen Menschen nach Europa kamen, konnte es passieren, dass ein Säbelzahntiger auf sie wartete", so Paijmans. Für die Forscher werfen die Ergebnisse nun neue Fragen hinsichtlich der Zeit und Gründe für das Aussterben der Säbelzahnkatzen auf. Paijmans plant nun, weitere Säbelzahnkatzen-Funde zu untersuchen.
© Naturhistorisches Museum Rotterdam
8.000 Jahre altes Fossil aus der Nordsee.