Zahl der Toten nach Sturmtief "Herwart" in Deutschland auf drei gestiegen
© Bundespolizei/Havariekommando
In der stürmischen Nordsee ist vor der Insel Langeoog ein riesiger Frachter auf Grund gelaufen. Die 225 Meter lange Glory Amsterdam war am Sonntag stundenlang mit zwei ausgebrachten Ankern manövrierunfähig im Meer getrieben, wie das Havariekommando Cuxhaven am Abend mitteilte. Alle Versuche, den Schüttgutfrachter ins Fahrwasser zu schleppen, seien fehlgeschlagen. Derweil stieg die Zahl der Todesopfer durch Sturmtief "Herwart" in Deutschland auf drei.

Der Frachter hatte keine Ladung an Bord, allerdings 1800 Tonnen Schweröl und 140 Tonnen Marinediesel als Treibstoff geladen. Der Hochseeschlepper Nordic hatte nach Angaben des Havariekommandos mehrfach eine Notschleppverbindung zum Havaristen hergestellt. Jedoch seien die Leinenverbindungen in der aufgepeitschten See immer wieder gebrochen.

Mehrere Versuche, die Glory Amsterdam ins Fahrwasser zu bringen, seien "aufgrund der vor Ort noch immer sehr widrigen Wetterbedingungen fehlgeschlagen". Alle 22 Menschen an Bord des Havaristen waren demnach unverletzt.

Im Moment sei das Schiff, das mit einem Doppelboden ausgestattet sei, stabil, sagte eine Sprecherin des Havariekommandos. Wegen des starken Seegangs durch das Sturmtief "Herwart" konnten die Anker nicht gehoben werden. Schließlich lief das Schiff auf Grund.

Das Havariezentrum bereitete nach eigenen Angaben einen erneuten Freischleppversuch vor, der voraussichtlich nicht vor Montagmorgen erfolgen kann. Dafür seien bereits die Nordic und das Mehrzweckschiff Mellum vor Ort. Ein Hubschrauber hatte zudem ein Team des Havariezentrums auf der Glory Amsterdam abgesetzt.

Der Havarist werde regelmäßig von einem Ölüberwachungsflugzeug überflogen, hieß es weiter. "Bisher konnte kein Schadstoffaustritt festgestellt werden."

Das Sturmtief "Herwart" hatte am Sonntag in Norddeutschland schwere Schäden verursacht und den Bahnverkehr weitgehend lahmgelegt. An der niedersächsischen Nordseeküste starb ein 63-jähriger Camper, der von einer Sturmflut überrascht worden war.

Bei einem Bootsunglück auf dem Peenestrom in Mecklenburg-Vorpommern kamen mindestens zwei Menschen ums Leben: Eine 48 Jahre alte Frau und ein 56 Jahre alter Mann erlagen im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen, wie die Polizei mitteilte. Ein 48-Jähriger, der sich ebenfalls an Bord des gekenterten Motorbootes befunden hatte, wird nach wie vor vermisst. Die Suche sollte bei Tagesanbruch fortgesetzt werden.

Die Bahn arbeitete derweil daran, den Fernverkehr auf vielen Hauptstrecken in Nord- und Mitteldeutschland wieder anlaufen zu lassen. Am Sonntagabend fuhren nach Angaben des Unternehmens einzelne Züge auf den Strecken von Berlin nach Leipzig, Halle und Erfurt sowie von Dortmund nach Hannover und von Kassel über Hannover nach Hamburg. In der Nacht stellte die Bahn an mehreren betroffenen Bahnhöfen Übernachtungszüge zur Verfügung.

Erste Fernverkehrszüge zwischen Hamburg und Berlin sollen am Montag ab 14.00 Uhr wieder fahren, wie die Deutsche Bahn mitteilte. Auf den Strecken Hamburg-Westerland, Hamburg-Kiel und Hamburg-Rostock-Stralsund sei wegen der schweren Schäden und der laufenden Reparaturarbeiten am Montag weiterhin kein Betrieb möglich.

jpf/fs