
© CC0 / PixabayFliegenpilz
Das rote Kostüm des Weihnachtsmanns hat auch etwas mit dem Aussehen von Fliegenpilzen zu tun. Sibirische Schamanen brauten aus den Pilzhüten ein Getränk, um sich selbst und ihre "Gemeinde" in tiefen Trance zu versetzen. Britische Forscher haben eine ähnliche Verwendung für die rotweißen Giftpilze gefunden.Auch den Indianern war die Wirkung der "magischen"
Pilze wohlvertraut, schreibt am Mittwoch die Zeitung "Nesawissimaja Gaseta". Die amerikanischen Ureinwohner teilten ihr Wissen mit den Kolonisatoren aus Europa. Sehr viel später wurde aus den Fliegenpilzen dann Psilocybin gewonnen - ein Rauschgift, das jedoch, so die Zeitung, sanfter wirkt als das grobe LSD.
Jedenfalls haben Forscher vom Imperial College in London jetzt an 20 Versuchspersonen gezeigt, dass Psilocybin die Gehirnaktivität von Depressionskranken resetten kann, berichtet die Zeitung unter Verweis auf das Fachblatt "Scientific Reports".
Demnach haben die Wissenschaftler mithilfe der Magnetresonanztomographie (MRT) festgestellt, welche Hirnregionen bei den depressiven Patienten nach der Einnahme des Rauschgifts aktiviert wurden. Verwendet wurde dabei laut dem Blatt hochreines Psilocybin, dessen Synthese den Wissenschaftlern der Friedrich-Schiller-Universität in Jena gelungen war.
Der Wirkstoff wurde den Versuchsteilnehmern mit schweren Depressionserkrankungen in wöchentlichem Abstand verabreicht. Ihre Gehirne wurden vor und nach der Einnahme des Präparats gescannt. Außerdem füllten die Probanden detaillierte Fragebögen zu ihrem Befinden aus, so die Zeitung.
Die MRT-Untersuchung ergab laut dem Blatt ganz klar, dass die Blutversorgung der Amygdala nach der Einnahme des Psilocybins deutlich zurückgeht. Diese Hirnregion gilt als unser Angstzentrum, ist jedoch auch für weitere Emotionen und Reaktionen auf die Umgebung zuständig.
Zu ihrer großen Überraschung entdeckten
die Wissenschaftler auch, dass bestimmte neuronale Verbindungen, die bei Depressionskranken sonst sehr aktiv waren, nach der Einnahme des Rauschgifts stabilisiert wurden. Bis zu fünf Wochen hielt dieser Effekt bei manchen Probanden an, so das Blatt.
Trotz dieses vielversprechenden Versuchsergebnisses warnen die Wissenschaftler laut der Zeitung jedoch vor der Einnahme von Psilocybin: Künftig werde dieses Rauschgift starke Antidepressiva ersetzen, doch es stehe überhaupt noch nicht fest, ob dieser Wirkstoff für alle Depressionskranken geeignet ist.
Eine ganz andere Liga sind Psilocybin-Pilze. In Doppelblindstudien wurden von den Probanden keine Unterschiede zum LSD-Rausch festgestellt. Letzteres wirkt nur ein paar Stunden länger als Psilocybin. Pilze gelten zu Unrecht als "milder", eine hohe Dosis kann einen in genauso überwältigende Erfahrungen wie LSD katapultieren. Das therapeutische Potential dieser Stoffklasse ist hier im Artikel zutreffend umrissen, z.B. wurden gegenüber anderen Therapien hohe Erfolgsquoten bei Alkoholikern verzeichnet. Leider hat der verantwortungslose und unsachgemäße Mißbrauch als Partydroge zu Unfällen und psychiatrischen Komplikationen geführt, die LSD, Meskalin und Psilocybin in Mißkredit brachten und dem Gesetzgeber und der Angstindustrie wilkommene Gründe lieferten, das Ganze zu kriminalisieren.
Wen das interessiert, dem anempfehle ich die Bücher von Stanislaw Grof, einem tschechisch-amerikanischen Pionier der LSD-Forschung.
Ich möchte an dieser Stelle auch betonen, daß das keine Genußdrogen sind und es mit dem bloßen Runterschlucken nicht getan ist, sondern da die Auseinandersetzung mit sich selbst erst anfängt und man Reife, Vernunft (nicht mit anderen Substanzen mischen!), am richtigen Punkt vielleicht auch Distanz und sicher auch Gottvertrauen braucht.