Im heutigen Nordwesten Indiens und Pakistans gelegen, lebte vor rund 5.000 Jahren die höchst erfolgreiche Indus-Kultur, die es zu ihrer Blütezeit sogar mit dem alten Ägypten und Mesopotamien aufnehmen konnte. Doch wie sich diese Zivilisation derart hoch entwickeln konnte, obwohl ihre Städte größtenteils fern von lebenswichtigen Wasserquellen angesiedelt waren, ist unseren Archäologen ein Rätsel. Jetzt scheint eine Lösung gefunden worden zu sein.
Indus

Eine ausgegrabene Straße am Indus-Standort Kalibangan, einer bronzezeitlichen Siedlung, die direkt am Ghaggar-Hakra-Paläokanal liegt und im Hintergrund sichtbar ist.
Während einige der größten Städte wie Harappa oder Mohenjo-Daro tatsächlich an großen Flüssen errichtet wurden, hatten die meisten Indus-Siedlungen überhaupt keinen Zugang zu lebensspendenden, fließendes Wasser. Wie die Indus-Kultur damit zurechtkam, ist schon lange ein kontrovers diskutiertes Thema unter den Wissenschaftlern, doch neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die Antwort in den saisonalen Monsunüberschwemmungen der Region liegen könnte.

Diese Überschwemmungen führten mineralreiche Gletschersedimente mit sich und hinterließen fruchtbaren Schlamm und reichlich Grundwasser, um Landwirtschaft betreiben zu können und genügend Nahrung für die Menschen anzubauen. "Wir glauben, dass sich diese Städte und Siedlungen dort entwickelt haben, weil es ein guter Ort für die Landwirtschaft war",sagt der leitende Studienforscher Sanjeev Gupta vom Imperial College London im Live Science.

Gupta und sein Team arbeiten bereits seit über einem Jahrzehnt daran, das Geheimnis der Paleokanäle (auch Paleochannels genannt) in Ghaggar (Indien) sowie in Hakra (Pakistan) zu lüften. Paleokanäle sind Überbleibsel inaktiver Flüsse oder Bach-Kanäle, die entweder gefüllt oder von jüngeren Sedimenten begraben wurden. "Was wir uns vorgenommen hatten, war, eine detaillierte geologische Analyse durchzuführen, um das archäologische Verständnis zu untermauern", so Gupta. Dabei wurden zunächst verschiedene Satellitenansichten der Region mit Radarbildern kombiniert, um detaillierte topographische Karten des Trockenkanals zu erstellen. Anschließend wurden Sedimentproben aus dem Paleokanal am Indus-Standort Kalibangan genommen, der direkt neben dem Trockenkanal liegt. Auf diese Weise konnten sie ermitteln, wann und wie häufig dort Überschwemmungen stattfanden.

Es zeigte sich, dass die vor etwa 5.000 Jahren stattgefundenen Überflutungen ausreichten, um ertragreiche Landwirtschaft zu betreiben und die Bevölkerung auch fern von Flüssen zu ernähren.