Wissenschaftler der Oxford University haben Knochenreliquien datiert, die dem Heiligen Nikolaus zugesprochen werden und seit 1087 in der Basilica di San Nicola in Bari aufbewahrt werden. Das Ergebnis bestätigt zumindest, dass die Knochen zumindest das richtige Alter aufweisen, um sie tatsächlich dem Heiligen zuzuschreiben. Ganz so einfach, wie es sich einige Kritiker machen, indem sie Reliquien grundsätzlich als mittelalterliche Inszenierungen und Fälschungen abtun, ist es demnach nicht immer.
Nikolaus von Myra, Jaroslav Čermák
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Porträtdetail eines Gemäldes des hl. Nikolaus von Myra, Jaroslav Čermák (1831 – 1878).
Oxford (Großbritannien) - Die Knochen selbst wurden in der Krypta gefunden, die unter einem Marmoraltar der Basilika gefunden wurden. Weitere Knochenreliquien des vermutlich meist verehrten Heiligen befinden sich in der Chiesa di San Nicolo al Lido in Venedig.

Anhand eines Mikrofragments eines der Nikolaus-Knochen hat das Team um Prof. Tom Higham und Dr. Georges Kazan vom Oxford Relics Cluster am Keble College's Advanced Studies Centre an der Oxford University die Reliquien zum ersten Mal überhaupt wissenschaftlich untersucht und datiert.
Hintergrund

Nach dem Tod des Heiligen sollen dessen sterbliche Überreste an seiner Wirkungsstätte, Myra in der heutigen Türkei, beigesetzt worden sein, dann jedoch im 1087 von italienischen Kaufleuten gestohlen und in deren Heimatstadt Bari gebracht worden sein, nachdem das Grab selbst durch ein Erdbeben zerstört worden war. Auf diese Weise sollen die Gebeine des Heiligen letztlich jedoch nicht nur nach Bari, sondern auch an viele weitere Orte gelangt sein, die noch heute für sich in Anspruch nehmen, Reliquien des St. Nikolaus zu besitzen. Tatsächlich zeigte zumindest eine Analyse der Nikolaus-Reliquien von Bari und Venedig, denen beiden jeweils zum 9. Mai ein duftendes Ölwunder nachgesagt wird, dass die Knochen ein und der selben Person zugeschrieben werden können. Weitere Nikolaus-Reliquien befinden sich angeblich aber auch in Deutschland, Bulgarien, Russland, Kanada und in den USA.
Nikolaus von Myra
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Der Rankensarkophag des hl. Nikolaus von Myra in der Basilika von Myra.
Erst vor wenigen Wochen berichteten Archäologen der Monumentenverwaltung von Antalya eine bislang ebenso unbekannte wie unbeschädigte Grabkammer unterhalb der Grabeskirche des Heiligen Nikolaus gefunden zu haben. Seither wird darüber spekuliert, ob sich darin vielleicht die eigentlichen Gebeine des Heiligen Nikolaus handeln könnte (...GreWi berichtete).
Die Radiokarbondatierung des Knochenfragments datiert dieses nun tatsächlich ins vierte Jahrhundert nach Christus und damit in etwa in jene Zeit, in die Historiker den Tod des Heiligen im Jahr 343 n. Chr. verorten. "Zumindest das Alter der Knochen könnte also ein Beleg dafür sein, dass diese Knochen tatsächlich dem Heiligen zugeschrieben werden können", so die Forscher.

"Viele Reliquien halten einer Altersbestimmung nicht stand und sind oft deutlich jünger als jene Persönlichkeiten, denen sie zugeschrieben werden", erläutert Higham. "Dieses Knochenfragment hingegen legt nahe, dass wir es hier tatsächlich mit den Überresten des heiligen Nikolaus zu tun haben. (...) Die Wissenschaft ist jedoch nicht in der Lage, zu beweisen, ob es sich auch tatsächlich um Knochen des Heiligen handelt. Sie könnte lediglich nachweisen, dass sie es nicht sind."