Putin Trump
Warum Putin den USA misstraut

Als ich an meinem Buch über den Krieg in Syrien gearbeitet habe, stieß ich auf einige verstörende Videos. In dem einen zerstörten syrische Rebellen eine Kirche und hinterließen ein von Kugeln durchlöchertes Kreuz; in einem anderen erschreckenden Video wird jemand von einem bewaffneten syrischen Rebellen gefragt, ob er ein Sunnit oder ein Alawit (schiitischer Muslim) sei. Als das Opfer die Frage mit , "Alawit" beantwortet, wird es vom Rebellen erschossen. Solche Psychopathen haben drei Eigenschaften: (1) Fanatischer Glaube an ihre Ideologie (2) Unfähigkeit, sich in die Lage des Gegenübers zu versetzen, und (3) die Weigerung, mit Andersdenkenden zu ko-existieren.

Während wir innerhalb Amerikas auf Toleranz bestehen, ist unsere Außenpolitik eine ganz andere. Den Amerikanern wird gesagt, sie seien die "größten", "#1" und "außergewöhnlichsten". Wir sind ständig in Kriege verstrickt und haben immer einen bösen Buben zur Hand.

Um dieses aggressive Verhalten zu rechtfertigen, werden wir mit endloser Greuelpropaganda versorgt, die unbestreitbar beweisen soll, wie bösartig das jeweilige Land und seine Führer sind. In dieser Mythologie ist Amerika das unschuldige Rotkäppchen, das von Wölfen wie Putin bedroht wird. Er greift unsere Demokratie an! Er bedroht Europa! (Auch gegen China und den Iran wird erneut gegiftet).

Tatsache ist, dass die US-Politik in den letzten 25 Jahren Russland konsequent verdrängt und die Feindschaft zwischen den beiden Nationen geschürt hat.

1990er Jahre, Harvard Boys und die russische Wirtschaft

Das Jahr 1992 begann mit einem neuen Russland, das gerade sein kommunistisches System aufgelöst hatte. Alles was aus Amerika kam, galt als großartig. Amerikanische Fernsehsendungen, amerikanische Produkte und .... amerikanische Ökonomen.... die Russland kurzerhand übernahmen. Gibt es einen besseren Weg, um zu Wohlstand zu gelangen?

Die Harvard Boys kontrollierten die russische Wirtschaft. Larry Summers, Jeffrey Sachs, Robert Rubin und andere setzten ihre großen wirtschaftlichen "Reformen" mit Hilfe von handverlesenen russischen Politikern und Geschäftsleuten (zukünftigen Oligarchen) um.

Um es kurz zu fassen: Russland erlebte in den nächsten acht Jahren seine eigene Weltwirtschaftskrise. Hyperinflation, 40% Rückgang des BIP, Massenarbeitslosigkeit, weit verbreitete Armut und eine in die Höhe schnellende Selbstmordrate machten die Reformen zu einer grausamen Schocktherapie.
Russia great depression 90s

Die Große Depression in Russland in den 1990ern
Doch pro-westliche Oligarchen wie Chodorkowski, Beresowski und Abramowitsch wurden sofort zu Milliardären. Amerikaner wie Bill Browder - der nun berühmte Anti-Putin-Held hinter der Magnitsky-Affäre - erfreute sich ebenfalls der Ausbeute der Plünderung.

Um es kurz zu fassen: Russland erlebte in den nächsten acht Jahren seine eigene Weltwirtschaftskrise. Hyperinflation, 40% Rückgang des BIP, Massenarbeitslosigkeit, weit verbreitete Armut und eine Himmelsteigende Selbstmordrate machten die Reformen zu einer grausamen Schocktherapie.

Wie sich die Vereinten Nationen in die russische Politik einmischten

Während wir einerseits über die angebliche Wahlbeeinflussung Russlands schockiert sind, haben die Eliten Washingtons bereits in den 90er Jahren den russischen Präsidenten und das Kabinett buchstäblich selbst dafür ausgesucht. Das zeigt auch das Verhalten von Bill Clinton, als er sich Tony Blair gegenüber damit brüstete, was für einen enormen Einfluss er auf das russische Parlament habe. Und als Boris Jelzin kurz davor war, bei den Wahlen 1996 zu verlieren, arrangierte Bill Clinton ein IWF-Darlehen, das in Jelzins Wahlkampfkasse wanderte; währenddessen flogen parallel US-Kampagnenexperten nach Russland und sorgten für einen durchschlagenden Wahlsieg Jelzins. Die US-Medien hatten mit Freude über die Einmischung berichtet und titelten "Die Yankies eilen zur Rettung!" und "Rettet Boris".
Yanks to the rescue

"Zuallererst müssen wir Chernomodyn (als Russlands Premierminister) ins Amt hieven. Ich werde schauen, was sich da machen lässt. Ich werde alle Hebel in Bewegung setzen, um die Besetzung der Duma (russisches Parlament) zu beeinflussen." - Bill Clinton zu Tony Blair (1998)
Amerikanische Dschihadisten, Teil II

Nachdem der CIA und Saudi-Arabien die Mudschaheddin/Al-Qaida in Afghanistan aufgebaut hatten, um die UdSSR zu besiegen, wollten sie eine so nützliche Organisation natürlich nicht wieder auflösen. Diese Kämpfer wurden 1992 nach Bosnien, Aserbaidschan, Tschetschenien und in den Kosovo entsandt, wo sämtliche Konflikte langfristige wirtschaftliche und geopolitische Auswirkungen hatten.

Aserbaidschan am Kaspischen Meer verfügt über riesige Öl- und Gasreserven. Und die einzige Konkurrenz waren die russischen Pipelines, die durch.... Tschetschenien verliefen.

Caspian Pipeline
Es dauerte nicht lange, bis ein pro-amerikanischer Diktator Aserbaidschan übernahm - er und sein Sohn hatten das Land 25 Jahren lang regiert (hier ist den USA die "Demokratie" nicht so wichtig).

In Tschetschenien sprengten unsere Mudschaheddin die russischen Pipelines und besiegten daraufhin im Ersten Tschetschenienkrieg die russische Armee.

Mujahideen Bosnia Chechnya

Mudschaheddin in Bosnien und Tschetschenien, 1990er
In Bosnien und im Kosovo haben islamische Terroristen ethnische Säuberungen durchgeführt und einen Massenmord an den Serben begangen.

Die CIA und private US-Militärfirmen (wie MPRI) spielten eine wichtige Rolle bei der Zerstückelung Jugoslawiens. Als die Separatisten im Kosovo zu verlieren begannen, trat die NATO ein und bombardierte Serbien 1999 in die Unterwerfung. Im folgenden Jahr stürzte die von Soros finanzierte Gruppe Otpor! ("Widerstand") den serbischen Präsidenten. Warum Serbien so unerbittlich ins Visier genommen wurde? Weil es pro-russisch eingestellt war.

Ich beschreibe diese Ereignisse ausführlich in meinem neuen Buch "Geopolitik für Anfänger".

Farbrevolutionen gegen Russland - Georgien, Ukraine

Viele andere "Farbrevolutionen" folgten demselben Drehbuch. Wann immer ein pro-amerikanischer Führer eine Wahl verliert, fangen die von Soros/USAID/NED finanzierten Basisorganisationen zu protestieren an. Dies bezeichnet man dann als "Revolution", mit plakativen Zusatznamen wie Tulpen-, Orangen-, Rosen- oder Regenschirm-Revolution etc. Mit Hilfe ausgeklügelter Propaganda und internationalem Druck gibt es dann eine Neuwahl und, voila, der Pro-US-Kandidat gewinnt. Immer wieder das gleiche Muster.

Color revolutions

Serbien: Bulldozer-Revolution (2000); Georgien: Rosenrevolution (2003); Ukraine: Orangene Revolution (2004); Kirgistan: Tulpenrevolution (2005); Tunesien, Ägypten, Libyen und Syrien: Arabischer Frühling (2011)
Was das Öl/Gas am Kaspischen Meer betrifft, konnten sie Europa nicht erreichen, ohne Georgien zu durchqueren. Hallo, Soros! Tschüs, pro-russischer Präsident! Wie unten dargestellt, erzielten die westlichen Konglomerate innerhalb weniger Jahre große Gewinne durch die BTC-Pipeline:

BTC Pipeline
Als nächstes wendete Soros 2004 in der Ukraine seinen Zaubertrick an und wurde so den pro-russischen Präsidenten los. Natürlich haben die USA 2013 einen weiteren cleveren Coup in der Ukraine inszeniert.

Während wir uns darüber auslassen, dass Russland 100.000 Dollar für Facebook-Werbung ausgibt, hat die US-Staatssekretärin Victoria Nuland unlängst zugegeben, dass die USA 5 Milliarden Dollar für die Einmischung in das zivile und politische Leben der Ukraine investiert haben. Sie war auch berühmt für das Verteilen von Plätzchen bei der fabrizierten Maidan-Revolution in Kiew 2013.
McCain Nuland Kiev

2013: McCain und Victoria Nuland verkündigen "Freiheit der Sprachlosen" in Kiev
In seinem Jahresbericht 2015 prahlte George Soros damit, dass er 180 Millionen Dollar in der Ukraine ausgegeben habe.

NATO-Osterweiterung

Als die UdSSR abgebaut wurde, versprachen die US-Eliten den Russen, dass die NATO "sich keinen Deut nach Osten" ausdehnen würde. Doch während das russische Militär dezimiert wurde, bauten die Globalisten die NATO trotzdem weiter aus. 1999 kamen Polen, Ungarn und die Tschechische Republik dazu. Im Jahr 2004, als Russland noch schwach und den USA gegenüber noch freundlich gesonnen war.... hat die NATO noch 7 weitere Länder hinzugefügt.

Viele dieser neuen NATO-Mitglieder verfügen über Raketenabwehrsysteme und US-Soldaten veranstalten massive Militärübungen direkt an der russischen Grenze. Das alles bedroht natürlich ganz klar und in gefährlicher Weise die Sicherheit Russlands.
US missiles Russia border

NATO-Raketensysteme und US-Militär an der russischen Grenze
ABMT

Im Jahr 2001 kündigten George Bush und die Neocons einseitig den seit 1972 bestehenden Raketenabwehrvertrag. Dies war eine unnötige Provokation gegenüber Russland, das seine Atomwaffen von 45.000 auf 7.000 reduziert und viele Verträge zur Förderung des Friedens unterzeichnet hatte.

NATO lehnt Russland ab

Im Jahr 2001 bot Putin an, der NATO beizutreten, wurde aber abgelehnt. Wenn nämlich Russland der NATO beitritt, kann dann noch der militärisch-industrielle Komplex sein Jahresbudget und seine teuren Projekte rechtfertigen? Kein Feind, kein Geld!

War moneyed classes want it Orwell

"Krieg gegen ein anderes Land passiert nur, wenn die geldbesitzenden Klassen meinen, davon profitieren zu können." ~ George Orwell
Der Versuch, die Krim zu stehlen.

In den 1850er Jahren versuchten Großbritannien und Frankreich, die Krim dem russischen Reich abzuluchsen. Warum? Ohne die Krim, ohne die Kontrolle über das Schwarze Meer und ohne den Zugang zum Mittelmeer wäre das russische Militär stark behindert. Die Geographie hat sich in den letzten 160 Jahren nicht verändert und wir sollten nicht zu machiavellistisch sein. Die Krim gehört zu Russland, ob wir wollen oder nicht.

Der Pipeline-Krieg geht weiter

Polen und die Ukraine waren die wichtigsten Transitländer für russische Pipelines. Nun sind beide Länder Russland gegenüber feindlich eingestellt, was hauptsächlich den USA zu verdanken ist. Der Versuch Putins, Pipelines zu bauen, die über Bulgarien nach Europa reichten, wurde von den USA gestoppt. Als er versuchte, Pipelines durch Griechenland zu verlegen, haben die USA/EU sie erneut blockiert. Als letztes Mittel ordnete Putin die Verlegung von Pipelines unter dem Meer in Richtung Deutschland (NordStream) an, woraufhin die USA auf einmal 100 Gründe fanden, Einwände zu erheben und mit weiteren Sanktionen gegen Russland drohten.

Es ist ziemlich schwierig, freundlich zu jemandem zu sein, der ständig versucht, deine Wirtschaft zu sabotieren.

Hybrid-Kriege

Statt Diplomatie greifen die US-Medien und die Politiker Putin ständig an, verteufeln ihn und benutzen eine abfällige Sprache. Trotzdem spricht Putin weiterhin von "unseren amerikanischen Partnern".

Der japanische Führer Shinzo Abe hat sich 20 Mal mit Putin getroffen, ohne dass jemand in Japan ausflippt; Indien und China behandeln Putin mit großer Zuneigung und Respekt. Selbst geopolitische Kontrahenten wie Israel, Saudi-Arabien und Iran setzen sich des Öfteren mit Putin an den Verhandlungstisch und gehen wie vernünftige Erwachsene miteinander um.

Putin, Israel, Saudi, Turkey, Iran

Putin mit Israel, Saudi-Arabien, der Türkei und dem Iran
Putin Merkel Macron

Macron und Merkel mit Putin
Putin Modi XI

Modi und Xi mit Putin
Die USA investieren zu viel Zeit in Hybrid- und Propagandakriege, indem sie Sanktionen gegen Russland verhängen, seine Währung unterminieren, russische Diplomaten ausweisen, russische Botschaften beschlagnahmen, die Teilnahme russischer Athleten an Olympischen Spielen unterbinden und Putin unterstellen, irgendwelche Leute zu vergiften, ohne auch nur einen nachvollziehbaren Beweis vorzulegen (was insbesondere kurz vor der Weltmeisterschaft besonders viel 'Sinn' macht) und dergleichen mehr.

Fazit
War happens language fail Twain

Krieg geschieht immer dann, wenn Sprache versagt. ~ Mark Twain
Um noch einmal auf den Anfang des Artikels zurückzukommen: Wollen wir wie dieser Dschihadist vorgehen? Oder können wir die Situation objektiv analysieren und einsehen, warum sich die Beziehungen zwischen den USA und Russland derart verschlechtert haben? Angesichts der ungeheuren Machtposition der USA provozieren uns andere Länder nicht absichtlich; ipso facto ist es viel wahrscheinlicher, dass die Ursache unglücklicher Beziehungen zu einem anderen Land ein willkommener Konflikt ist, den die kriegstreiberischen Eliten Washingtons herbeigeführt hat. Russland, China, Iran und anderen Ländern ist an Wohlstand, gegenseitig vorteilhaften Abkommen und an Achtung der Souveränität gelegen. Ob die USA dieses Paradigma akzeptieren und ihre Außenpolitik auf die entstehende multipolare Welt ausrichten können oder nicht, wird darüber entscheiden, ob wir in den kommenden Jahren globalen Frieden oder mehr Unsicherheit und noch weitere unnötige Kriege haben werden.