Bienenschwarm
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Bienen (Symbolfoto)
Ein A319 konnte nicht abheben, weil Bienen die Sicht des Piloten einschränkten. Die Insekten trotzten eingeschalteten Scheibenwischern und wehrten sich mit Stichen gegen das Bodenpersonal. Erst eine rabiate Methode half.

Wenn sich ein Flug um Stunden verschiebt, dann ist das für die Passagiere nervig. Doch als die Reisenden des Flugs AI743 am Sonntag erfuhren, warum sich ihr Start in der ostindischen Metropole Kalkutta verzögerte, werden einige vielleicht geschmunzelt haben: Ein Bienenschwarm war kurz vor dem geplanten Start auf der Scheibe des Cockpits gelandet, wie die Behörden mitteilten.

Das Bodenpersonal versuchte daraufhin, die Bienen zu verscheuchen, um den Piloten klare Sicht zu verschaffen. Doch die Insekten griffen an und stachen das Bodenpersonal. Auch der Versuch, den Schwarm mit den Scheibenwischern zu entfernen, schlug fehl.

Schließlich kam es zum Einsatz von Wasser, mehrere Löschfahrzeuge rückten an und beseitigten die Bienen mit einem Strahl. Nach dem knapp einstündigen Einsatz war die Cockpitscheibe des Airbus A319 endlich wieder frei, wie Flughafendirektor Kaushik Bhattcharya sagte.

136 Passagiere betroffen

Der Air-India-Flug nach Agartala im Nordosten Indiens hob schließlich mit dreieinhalb Stunden Verspätung ab. Von dem kuriosen Zwischenfall waren 136 Passagiere betroffen, darunter der Informationsminister von Bangladesch.

Warum die Bienen sich ausgerechnet das Flugzeug ausgesucht hatte, ist nicht bekannt. "Es gibt keine großen Bäume in der Nähe", sagt Bhattacharya. "Wir suchen nun die Hangars auf Bienenstöcke ab."


Wenn eine Bienenkönigin einen bestehenden Bienenstock verlässt, um einen neuen Stock zu gründen, wird sie von Tausenden Arbeiterbienen begleitet. So ein Schwarm ist nicht einfach von seiner Mission abzubringen, wie der Vorfall in Indien zeigte.

Es ist nicht das erste Mal, dass Bienen für eine Flugverspätung sorgen. Im Jahr 2012 beispielsweise landeten Insekten auf vier Flugzeugen der indischen Airline Jet Airways, wie "The Telegraph India" berichtet.

Und sogar eine Biene allein kann für ordentlich Ärger im Reiseverkehr sorgen. Vor einigen Jahren hatte ein Flug von Antalya nach Düsseldorf erheblich Verspätung, weil bei einem vorangegangenen Flug eine Biene in eine technische Vorrichtung geflogen war. Ein Passagier klagte - doch vergeblich. Das Amtsgericht Düsseldorf entschied damals: Kommt es an einem Flugzeug zu einem Defekt, weil eine Biene in die Technik eingedrungen ist, handelt es sich dabei um einen außergewöhnlichen Umstand.

Außergewöhnlich - das dürfte auch der am Cockpit klebende Bienenschwarm für die Kunden von Air India gewesen sein. Und für das Personal, das ihn schließlich beseitigte.

jus/AFP