Naturschützer registrieren derzeit ungewöhnlich viele tote Blaumeisen. Eine bisher unbekannte Krankheit bedroht ihren Bestand. Erkrankte Vögel sind an einigen Merkmalen zu erkennen.

kranke meiße
© Otto Schäfer
Kranke Blaumeise
Blaumeisen sind in Teilen Deutschlands durch eine bisher unbekannte Krankheit bedroht. Über das Osterwochenende seien etwa 20.000 der Vögel daran erkrankt oder gestorben, teilt der Naturschutzbund (Nabu) mit.

So erkennen Sie kranke Tiere

Der Nabu bittet, tote und krank wirkende Vögel zu melden. Vereinzelt erkrankten demnach auch Kohlmeisen und andere kleine Singvögel. Die oft in größerer Zahl gefundenen toten Tiere lassen demnach vermuten, dass der Erreger hochansteckend ist.

Erkennen kann man die kranken Tiere unter anderem daran, dass sie apathisch und aufgeplustert auf dem Boden sitzen und nicht vor Menschen fliehen. Häufig sind Augen, Schnabel und Teile des Federkleids verklebt. Dieses Bild passt zu keiner bekannten Vogelkrankheit. Da die meisten der Tiere in der Nähe von Vogelfütterungen gefunden wurden, rät der Nabu dazu, kein Futter und Wasser mehr anzubieten, wenn mehr als ein kranker Vogel an einer solchen Stelle beobachtet wird.


Kommentar: Hier ist eine Karte von Nabu, wo die meisten toten Meisen gefunden wurden:

meißensterben

Meldungen zum Meisensterben je Landkreis pro 100.000 Einwohner, Stand 21. April 2020 *(s.u.) - Grafik: Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin/Renke Lühken

Wer tote oder kranke Meisen findet, kann dies unter www.NABU.de/meisensterben melden und auch Fotos senden. Gerade erst gestorbene Vögel sollten die Finder unter Einhaltung nötiger Hygienemaßnahmen und ohne den Vogel zu berühren luftdicht verpacken. Die Tiere können an das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg oder nach vorheriger Rücksprache an das zuständige Kreisveterinäramt geschickt werden.

Deutschlandweite Vogelzählung

Die Umweltschützer rufen zudem zu einer deutschlandweiten Vogelzählung vom 8. bis zum 10. Mai auf. Diese soll Auskunft darüber geben, ob sich die Krankheit in den Bestandstrends in den besonders betroffenen Gebieten widerspiegelt.

Die Beobachtungen können am besten online unter stundedergartenvögel.de gemeldet werden, aber auch per Post oder Telefon - die kostenlose Rufnummer am 9. Mai von 10.00 bis 18.00 Uhr lautet 0800/115 7 115. Gemeldet werden kann auch mit der kostenlosen NABU-App Vogelwelt, erhältlich unter www.NABU.de/vogelwelt. Meldeschluss ist der 18. Mai.

Auswirkung der Ausgangsbeschränkungen

Durch die Ausgangsbeschränkungen in den vergangenen Wochen hätten viele Menschen den Wert der Natur vor ihrer Haustür neu schätzen gelernt. Gartenvögel wie Blaumeisen hätten in diesem Frühling mehr Aufmerksamkeit erhalten als in den vergangenen Jahren. "Wir hoffen, dass sich dies in einer besonders regen Beteiligung an der Vogelzählung niederschlägt", erklärt Lars Lachmann vom Nabu.

Im vergangenen Jahr hatten nach Angaben der Naturschützer 76.000 Menschen bei der sogenannten "Stunde der Gartenvögel" mitgemacht. Sie meldeten Zahlen aus fast 52.000 Gärten. Teilnehmer sollen ihren Garten dabei von einem ruhigen Platz oder einem Fenster aus beobachten und die höchste Zahl der Vögel jeder Art notieren, die sie in einer Stunde gleichzeitig sehen. Hinweise zu häufigen Gartenvogelarten und weitere Informationen stellt der Nabu unter anderem im Internet zur Verfügung.

afp/dpa