
Während bisherige Versuche des Nachweises der Dunklen Energie entweder an den eigenen Unsicherheiten scheiterten oder es sich dabei lediglich um indirekte Untersuchungen des sich ausdehnenden Universums handelte, bedienten sich die deutschen und britischen Wissenschaftler um Tommaso Giannantonio von der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und Robert Crittenden von der University of Portsmouth nun dem sogenannten integrierten Sachs-Wolfe-Effekt, der die Fluktuationen der Rotverschiebung der Photonen der kosmischen Mikrowellenhintergrundstrahlung als Beweis für die Existenz der Dunklen Energie dadurch erklärt, dass das Licht dieser Strahlung sich mehr ins bläuliche verschiebt, wenn es die Gravitationsfelder von Materiehaufen durchquert (Gravitative Rotverschiebung).
Schon 1996 schlugen Critteden und Kollegen vor, dass Astronomen nach derartigen Minimalverschiebungen in Photonen (Lichtteilchen) suchen sollten, in dem sie die Temperatur der Strahlung anhand der entsprechenden Karten der Hintergrundstrahlung mit Karten von Galaxien im lokalen Universum vergleichen (s. Abb.).
Sollte die mysteriöse Dunkle Energie gar nicht erst existieren, so sollten sich keine Übereinstimmungen zwischen den Daten finden lassen. Wäre Dunkle Energie jedoch vorhanden, so würde sie sich durch die Tatsache verraten, dass die Photonen der kosmischen Hintergrundstrahlung beim Durchdringen großer Materiefelder Energie gewinnen würden.
Während der Sachs-Wolfe Effekt 2003 vom Fachmagazin Science als "Entdeckung des Jahres und von vielen Forschern schon damals als Beweis der Existenz Dunkler Energie gefeiert wurde, ist das tatsächlich nachweisbare Signal doch derart schwach und die Übereinstimmung zwischen den Karten derart gering, dass einige Wissenschaftler vermuteten, dass diese Effekte auch von anderen Quellen - wie etwa galaktischen Staubwolken - hervorgerufen werden könnten oder es sich sogar um Messfehler handelt.
Die neue Studie ist nun das Ergebnis zweijähriger Arbeit der Wissenschaftler, die darin alle bislang aufgebrachten Argumente gegen den Sachse-Wolf-Effekt als Nachweis der Dunklen Energie untersucht und geprüft haben. Im Ergebnis kommen die Forscher zu dem Schluss, dass die Wahrscheinlichkeit, dass tatsächlich die Dunkle Energie die heißeren Teile und damit übereinstimmenden Punkte in den Karten der kosmischen Hintergrundstrahlung verursachen, bei 99,996 Prozent liegt.
"Schon die nächste Generation der Erschließung der kosmischen Hintergrundstrahlung sollte definitive Daten liefern können und damit dann entweder Einsteins allgemeine Relativitätstheorie mitsamt der Dunklen Energie bestätigen, oder - was irgendwo natürlich noch viel spannender wäre - eine vollständige Revision unseres Verständnisses darüber, wie Gravitation wirkt, erfordern", so Giannantonio.
Quelle: ras.org.uk



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