12.000 Gebäude zerstört - Augenzeugin: "Überall sind Ruinen"

Peking - Nach dem stärksten Erdbeben seit Jahren in Chinas südwestlicher Provinz Yunan hat sich die Anzahl der ums Leben Gekommenen weiter erhöht. Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhuat geht mittlerweile von mehr als 350 Toten aus. Zuvor war von 175 Opfern die Rede gewesen.
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© reuters/china daily
Zerstörte Häuser in der Gemeinde Ludian.
Zumindest 1.400 Menschen seien verletzt, 181 würden noch vermisst, hieß es in Übereinstimmung mit dem Staatsfernsehen CCTV unter Berufung auf Behördenangaben.

Das Beben der Stärke 6,5 ereignete sich um 16.30 Uhr Ortszeit, wie Chinas Erdbebenwarte mitteilte. Seit 14 Jahren hat es laut CCTV kein Beben mehr in dieser Intensität in der Provinz Yunan gegeben.

Das Epizentrum lag in der Gemeinde Ludian in der Nähe der Stadt Zhaotong. Mindestens 12.000 Gebäude wurden laut Xinhua zerstört. Weitere 30.000 Häuser wurden beschädigt. In den sieben Dörfern von Ludian leben rund 267.000 Menschen. Die gesamte Region um die Stadt Zhaotong kommt auf etwa sieben Millionen Einwohner. Zhaotong liegt rund 300 Kilometer von der Provinzhauptstadt Kunming entfernt. Der geologische Dienst der USA bezifferte das Beben mit 6,1.

Straßen wie nach einem Bombenangriff

Die betroffene Einwohnerin Ma Liya sagte: "Ich habe noch nie so eine starke Erschütterung gespürt." Die Straßen sähen wie nach einem Bombenangriff aus. Das neu gebaute, zwei Stockwerke hohe Haus ihres Nachbarn sei einfach zusammengefallen. "Überall sind Ruinen", zitierte Xinhua die Frau. Sie sei sehr besorgt um die Familie ihres Cousins, die einige Kilometer entfernt genau in der Region des Epizentrums lebe.

Ein Bewohner Ludians sagte Xinhua: "Ich habe in meiner Wohnung im fünften Stock einen kräftigen Stoß gespürt. Kleinere Gegenstände sind von den Regalen gefallen." Viele Menschen in dem Ort seien auf die Straße gelaufen. Polizisten, Feuerwehrleute und Spezialkräfte mit Suchhunden auch aus anderen Regionen wurden mobilisiert. "Es sind einfach zu viele Gebäude zerstört worden. Wie sammeln noch immer Informationen über Verletzte und Tote", sagte ein Dorfvorsteher der Agentur Xinhua.

Im September 2012 waren bei einem Beben der Stärke 5,7 in der Gemeinde 80 Menschen ums Leben gekommen. 1974 hatte ein starkes Beben der Stärke 7,1 die Region erschüttert, damals starben 1.500 Menschen.

Weltweit treten jährlich zwischen 1500 und 2000 Erdbeben mit Stärken über 5,0 auf. Mit einer Stärke höher als 8,0 bebt die Erde durchschnittlich einmal pro Jahr. Das heftigste bisher auf der Erde gemessene Beben hatte eine Magnitude von 9,5 und ereignete sich 1960 in Chile.