© Jacques Ninio
Akiyoshi Kitaoka, der japanische Psychologieprofessor und Großmeister der optischen Illusionen hat mal wieder etwas geschaffen, das das Internet ist verblüfft: Über 18,233 mal wurde sein Facebookpost seit vergangenem Sonntag geteilt und natürlich zweifeln die Menschen ein weiteres Mal so grundlegend an den Fähigkeiten ihrer Wahrnehmung, dass Herr Kitaoka mit Sicherheit sehr zufrieden ist.

Noch in der selben Nacht teilte der Spieleentwickler Will Kerslake die Illusion via Twitter und fragte: „Da sind zwölf schwarze Punkte an den Kreuzungen in diesem Bild. Dein Gehirn lässt dich aber nicht alle auf einmal sehen.“ Damit ging die optische Illusion des Professors dann endgültig viral.
There are twelve black dots at the intersections in this image. Your brain won’t let you see them all at once. pic.twitter.com/ig6P980LOT
— Will Kerslake (@wkerslake) 11. September 2016
Bei der aktuellen Illusion handelt es sich um ein graues Gitternetz, ein sogenanntes Hermann Gitter. Auf den Kreuzungen der Striche befinden sich insgesamt 12 schwarze Punke. Allerdings ist für unser Auge immer nur eine kleine Anzahl auf einmal sichtbar. Die Illusion kreierte der französische Wissenschaftler Jacques Ninio bereits im Jahr 2000, doch seit Kitaokas Posting erlangte das optische Rätsel unzählige neue Fans. Vergleichbar mit „The Dress” oder der Zigarre im Mauerwerk streiten sich die Geister über die Ursache unserer individuellen Blindheit.

Das Werk trägt den Titel Variations on the Hermann grid: an extinction illusion und Ninio selbst erklärt es folgendermaßen: Wenn die weißen Scheiben in einem Scintillating-Grid [auch Flimmergittertäuschung] in ihrer Größe reduziert und mit schwarzen Umrandung versehen werden, scheinen sie zu verschwinden. Man sieht nur einige wenige auf einmal, die sich dabei in Clustern unregelmäßig über das Papier bewegen. Dort, wo sie nicht gesehen werden, scheinen die grauen Bereiche durchgehend und die grauen Kreuzungen scheinen nicht vorhanden zu sein. An den Kreuzungen, wo die Punkte nicht zu sehen sind, kann ein schwarzes Funkeln erscheinen. Die Illusion funktioniert auch mit dem umgekehrtem Kontrast.“

Doch woher kommt diese Täuschung, die unsere Augen wieder einmal als schändlich unperfekten Sinn erscheinen lassen? Im Jahr 2012 veröffentlichten die Wahrnehmungsforscher David Whitney und Dennis M. Levi ein Paper zu dem Phänomen des Visual Crowding, mit dem wir es hier zu tun haben. Bei ihren Ausführungen handelt es sich allerdings nur um eine mögliche Erklärung—was genau hinter der Täuschung steckt, ist bisher noch nicht vollständig bewiesen.

„Das am weitesten verbreitete Hemmnis im Lesen und der Objekterkennung in der Peripherie [des Sichtfeldes] ist der rätselhafte Prozess des Crowding—der vernichtende Effekt eines Durcheinanders in der periphären Objekterkennung. Objekte können in der Isolation einfach identifiziert werden und scheinen in einer Anhäufung undeutlich und verschwommen“, schreiben die Wissenschaftler.

Anders gesagt verwirren die Rezeptoren im Auge auf die das Licht fällt ihre benachbarten Rezeptoren und bringen diese Durcheinander. Dadurch sieht man manchmal Dinge die nicht da sind oder auch Dinge nicht, die eben doch existieren. Dieser Effekt tritt verstärkt dann auf, wenn die Objekte unbekannt sind, auch die Wahrnehmung beim Schielen basiert auf dem Effekt des Visual Crowding.