Trauernde Schimpansen
© Edwin J. C. van Leeuwen, Katherine A. Cronin & Daniel B. M. Haun
Standbild aus dem Video: Ein Schimpansenweibchen reinigt mit einem Grashalm die Zähne ihres verstorbenen Stiefsohns.
St. Andrews (Großbritannien) - Verhaltensforscher haben erstmals Schimpansen dabei gefilmt, wie sie den Leichnam eines Artgenossen und Gruppenmitglieds mit Hilfe von Werkzeugen gereinigt haben. Die Forscher sehen darin eine Art Trauerritual und ziehen Verbindungen auch zum Ursprung menschlicher Trauerriten.

Wie die Forscher um Edwin van Leeuwen von der University of St Andrews aktuell im Fachjournal Scientific Reports (DOI: 10.1038/srep44091) berichten, haben Sie die Schimpansendame „Noel“ im Chimfunshi Wildlife Orphanage Trust in Sambia dabei beobachtet und gefilmt, wie die den Leichnam des jungen Männchens „Thomas“ reinigte, den sie einst an Kindes statt angenommen hatte.

Nachdem Noel sich neben Thomas‘ Körper gesetzt hatte, begann sie mit einem zuvor ausgewählten festen Grashalm seinen Zähne zu reinigen. Auch als sämtliche andere Artgenossen den Körper alleine gelassen hatten, setzte Noel diese Reinigung des Leichnams weiterhin fort.

Die Forscher um van Leeuwen vermuten, dass die enge sozial Verbindung zwischen den beiden Tieren über den Tot hinaus ihren Ausdruck in der dokumentierten Totenreinigung findet: „Diese Beobachtung ist auch deshalb so wichtig, weil sie ein weiteres Mal nahelegt, dass nicht nur wir Menschen die Fähigkeit des Mitgefühls besitzen“, zitiert der „New Scientist“ van Leeuwen.

Tatsächlich belegen die Videoaufnahmen, dass auch Schimpansen verstorbene Artgenossen als einen der Ihren erkennen und in ihm nicht nur noch ein unbelebtes Objekt zu sehen scheinen.


Ein ähnliches Verhalten hatten Biologen bereits in freier Wildbahn beobachten können (...GreWi berichtete). Die Forscher sehen darin zunächst einen Hinweis dafür, dass auch Schimpansen am Tod und ihrer eigenen Sterblichkeit interessiert sind und vermuten darin die Ursprünge menschlicher Trauer-Rituale.


Van Leuwens Kollege Klaus Zuberbuehler, der nicht an der Studie beteiligt war, gibt zugleich aber zu bedenken, dass es über diese Spekulation hinaus jedoch keine Möglichkeit gebe, Schlussfolgerungen über einen diesem Verhalten zugrundeliegenden mentalen Prozess zu ziehen und spekuliert seinerseits ebenfalls darüber, dass das Verhalten vielleicht auch lediglich ein Ausdruck der reinen Neugierde der Tiere ob des Umstandes sei, dass einer ihrer Artgenossen plötzlich gänzlich regungsunfähig ist.