© A. Müller, grenzwissenschaft-aktuell.de
Blick auf Urquart Castle am Loch Ness
Dunedin (Neuseeland) - Schon seit dem 6. Jahrhundert kommt es immer wieder zu Sichtungen einen vermeintlichen „Ungeheuers“ im und rund um den sagenumwobenen Loch Ness in Schottland. Jetzt will ein neuseeländischer Biologe die Frage, ob in dem See tatsächlich ein unbekanntes Wesen lebt, mit einem umfangreichen DNA-Analyse des Seewassers ein für allemal beantworten.

Wie Professor Neil Gemmel von der University of Otago gegenüber der Otago Daily Times bestätigte, plane er in Wasserproben aus dem Loch Ness nach genetischen Spuren eines dort eigentlich nicht bekannt beheimateten Lebewesens zu suchen, auf das die Beschreibungen von „Nessie“ zutreffen könnten.

„Alle uns bekannten großen Organismen verlieren ständig Zellen“, erläutert der Wissenschaftler. Mit den neusten genomischen Analyseverfahren sei es mittlerweile möglich, selbst diese kleinsten Spuren im Wasser des Sees nachzuweisen, diese auszuwerten und mit den bekannten genetischen Datenbanken der bekannten Lebewesen abzugleichen.

„In den Ergebnissen muss man dann nach etwas Einzigartigem suchen - eine ungewöhnliche biologische Linie, die sich von den bekannten, im Loch Ness beheimateten Arten unterscheidet. Wir suchen also nach etwas Ungewöhnlichem.“
© Adam Stuart Smith (via Wikimedia Commons), CC BY-SA 2.5
Eine der populärsten Theorien sieht in „Nessie“ Exemplare einer bis heute im Loch Ness überlebenden Population von Plesiosauriern (Illu.).
Zwar wäre auch ein solcher Fund lediglich ein indirekter Nachweis, doch würde er die wissenschaftliche Diskussion um die Existenz von Nessie erneut befeuern.

„Ich selbst würde mich als Skeptiker bezeichnen. Aber ich habe auch nichts dagegen, wenn mich die Fakten eines Besseren belehren würden“, so Gemmel. „Ich glaube aber auch, dass wenn wir nichts finden, dies die Leute nicht davon abhalten wird, trotzdem weiterhin an das Ungeheuer zu glauben.“

Derzeit befinde sich das Projekt allerdings noch in der Planungsphase und Gemmel hofft darauf, dass es auch finanziert werden wird: „Alles fing mit einer Idee an, die ich über Twitter mit Kollegen geteilt hatte. Diese Idee hat sich dann verselbstständigt und wir haben sie auf feste Füße gestellt. Jetzt hoffen wir, dieses Projekt innerhalb der kommenden 12 Monate auch finanzieren zu können.“

Nach Berichten über die Pläne in britischen Zeitungen zeigten sich auch die ausgewiesenen schottischen Nessie-Experten von der Projektidee begeistert und haben ihre Unterstützung zugesagt.

Der langjährige Nessie-Forscher Adrian Shine, dem Begründer des Loch Ness Exhibition Center, der die Suche nach dem „Ungeheuer“ bereits seit 1973 auf eine naturwissenschaftlich-akademische Grundlage gestellt hatte, will das Projekt tatkräftig unterstützen.
© Loch Ness Project / Adrian Shine, „Zum Verständnis des Loch Ness“
Das von Adrian Shine geleitete Projekt „Deepscan“ offenbarte im Oktober 1987 insgesamt drei, bis heute ungeklärte Sonarortungen großer, sich bewegender „Objekte“ in für bekannte Lebewesen ungewöhnlichen Tiefen.
Auch Steve Feltham, der seit 26 Jahren vom Ufer des Loch Ness nach Nessie sucht, begrüßt die Idee: „Alles, was uns mehr Wissen über den See einbringt, ist mehr als willkommen.“